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Browser-Spiel der Republikaner: Freudloser Elefant soll Wähler mobilisieren

Browserspiel "Mission Majority": Freudloser Elefant soll Wähler werben* Fotos

Die US-Republikaner haben ein Browserspiel entwickelt, um Wähler für die Kongresswahlen im November zu gewinnen. Allerdings verstört das Jump'n'Run eher, als dass es vom Parteiprogramm überzeugt.

Eigentlich soll der Elefant im Sportdress die Wähler mobilisieren. Doch Giopis Feldzug gegen die Demokraten ist so freudlos, dass er beim Spieler eher ein schales Gefühl hinterlässt. Giopi ist ein 8-Bit-Held, die Hauptfigur des Browserspiels "Mission Majority", das die National Republican Senatorial Campaign (NRSC) in dieser Woche veröffentlicht hat. Die Idee dahinter ist es, im Vorfeld der Kongresswahlen US-Bürger davon zu überzeugen, im November für die Republikaner zu stimmen - die große, alte Partei, die GOP. Englisch ausgesprochen: "Giopi".

Damit dies gelingt, haben die Entwickler das Retro-Spiel mit markigen Wahlkampfsprüchen bestückt, die immer wieder eingestreut werden. Die Botschaften lauten beispielsweise: "Wir sind hier, um die Mehrheit zurückzugewinnen und die Nation wieder auf den richtigen Weg zu bringen, nach einigen harten Jahren unter der Obama-Regierung."

Außer großen Sprüchen hat das Spiel leider nicht viel zu bieten. Das Spielprinzip: Der Elefant hüpft im Stil eines Schmalspur-Super-Marios durch karge Level und muss unterwegs goldene Schlüssel einsammeln - eine etwas schräge Symbolik für den Wunsch der Republikaner, im Senat die Mehrheit zu erlangen. Grimmige Steuerbescheide wollen Giopi unterdessen von seiner Mission abhalten. Sobald Giopi die Gegner berührt, verliert er einen Lebenspunkt.

Zwischendurch werden Obama-Zitate abgespielt

Mit einem Sprung auf den Kopf kann er die Steuerbescheide allerdings ausschalten und wird mit einem O-Ton belohnt, der die Demokraten in einem schlechten Licht erscheinen lässt. Darunter etwa die Aufnahme des US-Präsidenten Barack Obama, wie er sagt: "Wir sind die, auf die wir gewartet haben."

Nach jedem Level wird der Spieler um eine Spende für den Wahlkampf gebeten, bevor die nächste Mission ruft. Nach vier Levels und ein paar Minuten ist das Spiel durchgespielt - und hinterlässt den Spieler wegen seiner Plumpheit eher verstört als unterhalten.

Der Spott der Internetnutzer ließ daher nicht lange auf sich warten. Die NRSC habe ein schräges Spiel veröffentlicht, "das insgesamt weniger unterhaltsam ist als 'Flappy Bird'", heißt es zum Beispiel beim Nachrichtenportal "The Daily Beast". Ein Twitter-Nutzer schreibt: "Gratuliert den Neffen oder Nichten von einigen NRSC-Mitgliedern, dass sie ihr erstes Spiel veröffentlicht haben." Ein anderer Nutzer spottet: "Die einzige Erklärung, die ich für "Mission Majority" finden kann: Die Person, die mit der Umsetzung beauftragt wurde, kann die GOP wirklich nicht leiden."

"Das Spiel war nicht schrecklich teuer"

Trotz der Kritik geht ein Sprecher der Republikaner davon aus, dass sich das Spiel rechnen wird. "Es war nicht schrecklich teuer", sagte Brad Dayspring dem "Weekly Standard": "Dieses Spiel wird letztendlich positiven Umsatz erzielen."

In jedem Fall dürfte "Mission Majority" die Kontaktliste der Republikaner um einige Namen erweitern. Denn nur wer seine E-Mail-Adresse angibt oder sich per Google oder Facebook anmeldet, darf auch spielen. Man sollte sich vor der Anmeldung jedoch ernsthaft die Frage stellen, ob man das überhaupt will.

jbr

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insgesamt 9 Beiträge
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1.
bonus_bonus 30.08.2014
Das Spiel läuft bei mir nicht. Nachdem ich mich mit 'nem Fakeaccount angemeldet hab und das erste level angeklickt hab erscheint nur ein schwarzes Browserfenster mit einer nicht anklickbaren geometrischen Form. Weiter so Republikaner! ((:
2. Schlecht recherchiert
zensiertes Medien-Opfer 30.08.2014
SPON schrieb: "Denn nur wer seine E-Mail-Adresse angibt oder sich per Google oder Facebook anmeldet, darf auch spielen. Man sollte sich vor der Anmeldung jedoch ernsthaft die Frage stellen, ob man das überhaupt will." Das ist falsch. Die eingegebene E-Mailadresse wird nicht überprüft. Man kann eine beliebige Mail-Adresse eintragen, um dieses Horror-Szenario geniessen zu können.
3. Politische Botschaften?
caecilia_metella 30.08.2014
Wo denn? An Elefanten kann man glauben. Sehr interessant. Elefanten ernten großzügig und säen freigebig mit den Überresten ihrer Verdauung. Man kann das jetzt so sehen, dass die Steuern diese Überreste darstellen sollen, aber nur jemand, der an große Tiere denkt, wird in dem Zusammenhang auf "glänzende Dinge" kommen, weil der arme Staat etwas braucht, wovon er leben kann. Und der Elefant schaltet also die Steuerbescheide aus. Wenn es ein logisches Spiel ist, endet es mit dem TODE des großen Giopi. Werbung für oder gegen Republikaner?
4. Wie gut....
DerNachfrager 30.08.2014
....dass linke Parteien nie blödsinnige Werbung machen !
5. Evergray...
whocaresbutyou 30.08.2014
wie lange haben die denn bitte an diesem Game gewerkelt? Die Grafik hätte nicht mal auf dem C64 gezogen. Selbst für ein Browsergame ist das doch bestenfalls eine Fingerübung eines IT-Studenten.
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