Kontroll-Pakt fürs Mitmachnetz Filtern, schnüffeln, blockieren

Geht das Zeitalter des fröhlichen Austauschs von Spielfilmen, Serien und Musik im Internet zu Ende? Die führenden US-Konzerne wollen gemeinsam gegen Piraterie kämpfen - mit Filterprogrammen, Nutzer-Überwachung, Link-Blockaden. Google ist wegen der YouTube-Klage nicht dabei.

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Neun US-Medien- und Internet-Unternehmen haben gemeinsame Regeln für den Schutz von Urheberrechten in der "Web 2.0"-Ära aufgestellt. Die Web-Firmen (Dailymotion, Microsoft, MySpace, Veoh) verpflichten sich, effiziente Filter einzusetzen, um urheberrechtlich geschütztes Material schnell zu erkennen.

Ausgeschlossen: YouTube gehört nicht zur neuen Web-Allianz

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Die Medienunternehmen (Disney, CBS, NBC Universal, Viacom, Fox) wollen im Gegenzug auf Klagen gegen die Internet-Gesellschaften verzichten, wenn diese solche Filter einsetzen und sich trotzdem illegal hochgeladenes Material auf ihren Seiten findet.

Das Kontrollabkommen der Web-Riesen geht aber über den bloßen Einsatz von Filtern hinaus. Die Web-Firmen verpflichten sich zu einem Mindeststandard bei der Überwachung ihrer Mitglieder. Und sie versprechen, diese Informationen in bestimmten Fällen, wenn es die Gesetze zum Datenschutz erlauben, mit den Rechteinhabern zu teilen. Vorgesehen ist zum Beispiel:

  • Die Betreiber von Mitmachportalen sollen es den Rechteinhabern ermöglichen, Rechtsverstöße auch in geschlossenen, kleinen Nutzergruppen zu verfolgen. Sprich: Wer in seinem Freundeskreis online Musik tauscht, ohne dass die Außenwelt es mitbekommt, soll von Diensten wie MySpace ausgeschnüffelt und mit einer Warnung bedacht werden. (Paragraph 5)
  • Web-Anbieter sollen Links zu Seiten löschen und unterbinden, die "eindeutig dafür bestimmt oder vorwiegend dafür genutzt werden um Raubkopien zu verbreiten". (Paragraph 4)
  • Mindestens 60 Tage lang sollen die Web-Anbieter Informationen zum Upload-Verhalten ihrer Mitglieder speichern – sofern es die Gesetze erlauben. Mitzuspeichern sind IP-Adressen, Uhrzeit und Datum und alle Informationen zu vorherigen Urheberrechtsverstößen der Nutzer. Diese Informationen sollen die Dienste an die Rechteinhaber weitergeben, wenn die Gesetze das erlauben. (Paragraph 10)

Das ist der Deal: Wer sich an die Spielregeln der Rechteinhaber hält, wird von ihnen nicht verklagt. So steht es in der Vereinbarung (" User Generated Content Principles"): "Wenn ein UGC-Dienst all diesen Leitsätzen nach bestem Wissen folgt, sollten Rechteinhaber keine Copyright-Klagen gegen ihn anstrengen, wenn dennoch von Nutzern eingestellte Inhalte gegen Urheberrecht verstoßen."

Eine solche Klage des US-Medienkonzerns Viacom läuft gerade gegen Googles Video-Tochter YouTube. Das dürfte ein Grund dafür sein, dass YouTube und Google die Vereinbarung nicht unterzeichnet haben. Verhandlungen darüber hat es laut "Wall Street Journal" gegeben. Viacom fordert von YouTube mehr als eine Milliarde Dollar Schadensersatz, weil gut 160.000 Videoclips von Viacom-Fernsehshows ohne Erlaubnis auf YouTube zu sehen waren.

Anfang der Woche hat YouTube eine eigene Filtertechnik vorgestellt, sie läuft derzeit im Testbetrieb. Die vom Filter-Pakt vorgesehen Programme funktionieren nach einem vergleichbaren Prinzip (siehe Kasten unten).

Diese Filterprogramme sollen verhindern, dass urheberrechtlich geschützte Videos oder Musikdateien überhaupt von Nutzern eingestellt werden können.

Filter können vor Schadensersatzklagen schützen

Solche Maßnahmen dürften den Anforderungen des US-Rechts genügen: Die Gesetze zum Schutz der Urheberrechte verlangen von Internet-Diensten, dass sie illegal angebotene Inhalte auf Aufforderung durch die Rechteinhaber entfernen. Im Rahmen des Filter-Paktes hat zum Beispiel die Video-Seite Dailymotion eine neue Filtertechnik des französischen "Institut national de l’audiovisuel" (INA) integriert.

Unabhängig davon müssen sich Internet-Firmen auch gegen zivilrechtliche Klagen von Rechteinhabern absichern. Die begründen ihre Schadensersatzforderungen oft damit, dass Mitmachangebote den Urheberrechtsschutz bewusst vernachlässigen, um von den Gesetzesbrüchen der Mitglieder zu profitieren. So argumentiert zum Beispiel Viacom in seiner Klage gegen YouTube. Das freiwillig eingesetzte Filterprogramm könnte das Gericht überzeugen, dass YouTube sich um den Schutz der Urheberrechte bemüht.

Mit Material von dpa



Forum - Kontroll-Pakt für Mitmachnetz - Schnüffelei oder Schutz?
insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
Mulharste, 19.10.2007
1. uuuhh
Sieht sie Großindustrie wieder Ihre Felle wegschwimmen? HAt man wieder mal einen Trend verschlafen und schießt nun mit Kanonen auf Spatzen? Da werden Sendungsmitschnitte online gestellt, die sich sonst niemand ansehen würde. So wird kostenfrei Werbung für die nächste Folge gemacht, aber soweit denken die Herren ja nun leider nicht. Lieber wird der Nutzer ausgeschnüffelt um ihn dann mit einer sinnlosen Zivilklage niederzustrecken oder die Nutzungsdaten gewinnbringend weiterzuverkaufen. Ich glaube, gerade Großkonzerne wie Bertelsmann Viacom und wei sie alle heissen, haben einfach nur Schiss, das das Internet dem Fernsehen den Garaus macht. Ach , ich finds zum kotzen...alles wird reglermentiert, nur des Geldes wegen.
Tyr_ex, 19.10.2007
2.
Zitat von MulharsteSieht sie Großindustrie wieder Ihre Felle wegschwimmen? HAt man wieder mal einen Trend verschlafen und schießt nun mit Kanonen auf Spatzen? Da werden Sendungsmitschnitte online gestellt, die sich sonst niemand ansehen würde. So wird kostenfrei Werbung für die nächste Folge gemacht, aber soweit denken die Herren ja nun leider nicht. Lieber wird der Nutzer ausgeschnüffelt um ihn dann mit einer sinnlosen Zivilklage niederzustrecken oder die Nutzungsdaten gewinnbringend weiterzuverkaufen. Ich glaube, gerade Großkonzerne wie Bertelsmann Viacom und wei sie alle heissen, haben einfach nur Schiss, das das Internet dem Fernsehen den Garaus macht. Ach , ich finds zum kotzen...alles wird reglermentiert, nur des Geldes wegen.
...hab´ja mal um einen DSL-Anschluß gekämpft...kann sein, dass der schneller wieder verschwindet, inkl. PC, als er funktioniert. Langsam bin ich´s Leid, mit Problemen aus und übers Netz konfrontiert zu werden. Die schöne neue Welt auf der Rutschbahn in die Bedeutungslosigkeit.
M@ESW, 19.10.2007
3.
Da wird wohl zumindest Youtoube ziemlich bald am Ende sein, denn 99,9% der Inhalte müssten dann verschwinden.
Ahnungslos, 19.10.2007
4.
Zitat von MulharsteSieht sie Großindustrie wieder Ihre Felle wegschwimmen? HAt man wieder mal einen Trend verschlafen und schießt nun mit Kanonen auf Spatzen? Da werden Sendungsmitschnitte online gestellt, die sich sonst niemand ansehen würde. So wird kostenfrei Werbung für die nächste Folge gemacht, aber soweit denken die Herren ja nun leider nicht. Lieber wird der Nutzer ausgeschnüffelt um ihn dann mit einer sinnlosen Zivilklage niederzustrecken oder die Nutzungsdaten gewinnbringend weiterzuverkaufen. Ich glaube, gerade Großkonzerne wie Bertelsmann Viacom und wei sie alle heissen, haben einfach nur Schiss, das das Internet dem Fernsehen den Garaus macht. Ach , ich finds zum kotzen...alles wird reglermentiert, nur des Geldes wegen.
Von wegen nur des Geldes wegen. Der Dummheit wegen. Denn tatsächlich schmeissen sie ja Geld weg. Dieser Werbeeffekt ist stärker als man denkt. Ich weiss von wenigstens 2 ursprünglich nur für den asiatischen Markt vorgesehenen Serien, die eben deswegen für weitere Märkte in USA und Europa lizensiert werden konnten, weil dort auf einmal mehr Publikumsinteresse da war. Die Medienunternehmen konnten doch bei der Musikindustrie sehen, wie man es nicht macht. Die hat es mit einer solchen Strategie auch nur geschafft, sich zum Affen zu machen.
bLu3t0oth 19.10.2007
5.
Wie sagt man so schön? ... Man kanns auch übertreiben! Die nehmen sich Frechheiten raus ohne Ende... wie kann man überhaupt davon ausgehen dass jeder runtergeladen Film oder Titel normalerweise gekauft werden würde??? Es gibt Leute mit 100erten von Filmen und 1000enden, gar 10000enden von Titeln - die hätten die sich so niemals gekauft. Genauso das Wort "Raubkopierer", dass sie immer durch die Medien schieben...das ist genauso falsch! Naja ich denke mal bald haben sie es geschafft, das Hacker regelmäßig deren Server zerschießen und wichtige Daten weltweit online stellen...wenn das passiert lach ich mir erstma n Loch ins Bein, denn das was die fabrizieren ist meiner Meinung nach ein größeres Verbrechen als das Kopieren oder wer hält hier 800-10000€ pro Titel als gerechte Strafe? Das Sprichtwort des schießen mit Kanonen auf Spatzen passt hier absolut.... Naja sollen se mal machen, so wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es auch wieder heraus.
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