Kooperation Bing und Facebook gemeinsam gegen Google

Social Networks sind ein großes Thema im WWW, Branchenführer Facebook setzt bei den Zugriffszahlen selbst Google unter Druck. Dass Google-Herausforderer Bing nun Facebook-Funktionen implementiert, ist darum eine große Nachricht: Beim Thema Social Network hat Google bisher kläglich versagt.

Microsofts Online-Chef Qi Lu und Facebook-Gründer Mark Zuckerberg: Allianz gegen Google
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Microsofts Online-Chef Qi Lu und Facebook-Gründer Mark Zuckerberg: Allianz gegen Google

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San Francisco/Hamburg - Die Ergebnisliste einer Suchmaschine wird von den meisten Nutzern als Empfehlung verstanden: Was oben steht, so die Erwartungshaltung, sollten im Idealfall die besten, passendsten, nützlichsten Webseiten zum gesuchten Thema sein. Die wahrgenommene Qualität einer Suchmaschine macht sich daran fest, wie gut sie diese Erwartungshaltung erfüllt.

Microsofts Bing (weltweiter Anteil am Suchmaschinenmarkt laut Net Applications: derzeit rund 9,5 Prozent inklusive Yahoo-Suche) versucht es nun mit Elementen der "Social Search": Möglich macht das eine überraschend angekündigte Kooperation mit Facebook. Dass da mit Microsoft nun Googles finanzkräftigster und mit Facebook der populärste Konkurrent zusammengehen, macht weltweit Schlagzeilen, obwohl es nur darum geht, Daten zusammenfließen zu lassen.

Die Idee dahinter aber hat es in sich: Subjektiv werden Suchergebnisse als besser wahrgenommen, wenn sie auch subjektive Faktoren berücksichtigen. Zum Beispiel darüber, was die eigene Peer-Group von einem Suchergebnis hält: "Liked Results" sollen in den Ergebnislisten von Bing künftig signalisieren, welche Ergebnisse Facebook-Freunde des Suchenden als gut und nützlich gekennzeichnet haben.

Bei Google dürfte man das aufmerksam beobachten. Facebook (laut Alexa.com die zweitpopulärste Webseite der Welt) ist Googles (Alexa-Rang: Platz 1) größter Herausforderer auf dem lukrativen Web-Werbemarkt - und Bing zurzeit die einzige Suchmaschine, die Google nennenswert Konkurrenz macht. Dazu kommt, dass Googles Versuche, für sich das lukrative Feld der Social Networks zu erschließen, entweder von der Öffentlichkeit ignoriert wurden (siehe Orkut: Der Dienst verpuffte weitgehend erfolglos, mit Ausnahme des brasilianischen Marktes) oder zu an Peinlichkeit kaum zu überbietenden Datenschutz-Desastern führten ("Buzz").

Was die Kooperation bringen soll

So weit wie Buzz gehen Facebook und Bing nicht. Ihr Ansatz: Informationen über den Einsatz des "Like"-Buttons durch Leute, mit denen der Suchende bei Facebook "befreundet" ist, sollen künftig in die Suchergebnislisten einfließen und dort entsprechend gekennzeichnet werden ("Liked Results"). Ob das tatsächlich zu einer Verbesserung der Suchergebnisse führt, hängt nicht zuletzt davon ab, wie man mit dem Thema "Freund" bei Facebook umgeht: Verbindet man sich mit Menschen, mit denen man tatsächlich Interessen teilt, könnte das die Güte der Ergebnisauswahl tatsächlich erhöhen. Sammelt man hingegen Facebook-Freunde mit dem Ehrgeiz, möglichst viele Zehntausend davon zu haben, ergibt sich eher der "Zehn Millionen Fliegen"-Effekt: Die Auswahl der Ergebnisse orientiert sich mit steigender Masse mit divergierenden Interessen zunehmend am Mainstream, am statistischen Mittel - und wird damit eher unrelevanter, wenn man spezifische Informationen sucht.

So oder ist das alles optional. Natürlich läuft die Kooperation über die Connect-Funktionen von Facebook. Wer also durch Facebook-Daten verfeinerte Bing-Ergebnisse sehen will, muss aktuell bei Facebook (oder Connect) eingeloggt sein. Selbst dann dürfte es stark themenabhängig sein, ob das Einfließen der Facebook-Infos als Verbesserung der Ergebnisgüte empfunden wird.

In vielen Bereichen aber dürfte das durchaus so sein: Microsoft-Vertreter nannten im Rahmen der gemeinsamen Pressekonferenz mit Facebook anlässlich der Vorstellung der Kooperation Beispiele wie die Suche nach dem Kinoprogramm, nach Restaurants oder Gadgets wie Handys. In solchen Bereichen dürfte die Meinung der Peergroup tatsächlich als Relevanz-erhöhendes Element empfunden werden.

Die Einbindung der Daten soll es zudem erleichtern, Aktivitäten eigener Freunde (Bekannter, Verwandter) im Netz zu finden: Die Partner hoffen, damit das Medium quasi stärker auf das Individuum zuzuschneiden. Wer etwa nach Sport-Themen sucht, mag künftig relativ weit oben notiert Aktivitäten oder Meriten seiner eigenen Freunde finden. Gerade jüngere Zielgruppen dürfte das ansprechen. Microsoft erhofft sich eine deutliche Steigerung der Popularität seines Suchdienstes.

Wie soll man am Erfolg von Google kratzen, wenn nicht so?

Beide Unternehmen versicherten bei der Vorstellung der Kooperation, dass sie dem Thema Datenschutz große Wichtigkeit zusprächen (weder Google noch Facebook haben sich hier in der Vergangenheit mit Ruhm bekleckert). Nur freigegebene Facebook-Daten würden in die Suchergebnisse einfließen.

Ob das reicht, um Microsofts Bing einen echten Boost zu verschaffen, bleibt abzuwarten. Der Suchdienst gilt als bisher geglücktestes Web-Projekt des Software-Konzerns, konnte vom ersten Tag an sowohl mit seiner Informations-Präsentation, als auch mit Ergebnisgüte punkten. Manche Bing-Dienste gehen über das hinaus, was Google zu bieten hat, zugleich bietet Bing aber auch nicht das volle Leistungs-Portfolio, das Google zu bieten hat. Microsoft setzt vor allem auf Partnerschaften wie nun die mit Facebook, um hier aufzuholen, um Stärken auszubauen.

Der Erfolg der bisherigen Bemühungen ist durchwachsen. In manchen Weltregionen und insbesondere in Deutschland hat Google eine nahezu unerschütterlich wirkende monopolartige Stellung. In den USA kommen Bing und Yahoo, die ihre Suchdienste kürzlich verschmolzen, immerhin auf einen Marktanteil von nahezu 28 Prozent (laut ComScore). Selbst das aber ist nicht wirklich ein Zuwachs. Die kumulierten Nutzerzahlen von Yahoo und Bing sind über das letzte Jahr eher gesunken - Bing legt langsam, aber stetig zu, doch Yahoo verliert schneller, als Bing zugewinnt. Dass aktuell wieder Gerüchte kursieren, dass Yahoo durch einen anderen Player (diesmal soll das AOL sein) aufgekauft werden könne, dokumentiert einmal mehr, wie Yahoo mittlerweile wahrgenommen wird.

Dass Facebook-Chef Mark Zuckerberg den Partner Microsoft bei der Pressekonferenz als "Underdog" bezeichnete, ist darum durchaus keine Koketterie: Im Web-Werbemarkt, der von Suchmaschinen und hier vor allem Google, das über 50 Prozent aller Web-Werbeeinnahmen weltweit einstreicht, dominiert wird, ist Microsoft bisher eine ganz kleine Nummer. Die Kooperation mit dem Social Network, dem so viel Potential auch bei der Web-Werbung zugesprochen wird, soll das ändern. Ob das durch die Zusammenführung von Suchdienst und Social Network gelingt, bleibt abzuwarten: Google es daran bisher gescheitert.

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ivanogor 14.10.2010
1. Social Dreck
Zitat von sysopSocial Networks sind*ein großes Thema im WWW, Branchenführer Facebook*setzt bei den Zugriffszahlen selbst Google unter Druck. Dass Google-Herausforderer Bing nun Facebook-Funktionen implementiert, ist darum eine große Nachricht: Beim Thema Social Network hat Google bisher kläglich versagt. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,723143,00.html
Versagt? Gewonnen!
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