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Kooperationen: Wo Amateur-Fotos Geld bringen

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Wann gewinnt der erste Hobbyfotograf bei Flickr einen Pulitzer-Preis? Völlig unmöglich ist das nicht mehr: Flickr will Amateur-Fotos an die Agentur Getty Images verkaufen und die Hobbyfotografen am Umsatz beteiligen. Eine feine Sache - auch, wenn es bessere Wege gibt, Fotos zu Geld zu machen.

Richtig schlimm wird der journalistische Alltag dann, wenn man Artikel zu bebildern hat, in denen es nicht um Ereignisse oder Menschen geht, sondern um abstrakte Themen - dann bleibt oft nur der Griff in den Fundus der so genannten Stock-Fotografie.

Flickr: größte Foto-Community der Welt
www.flickr.com

Flickr: größte Foto-Community der Welt

"Stock" steht zwar nicht für stocksteif, sondern für das englische Wort für "Lager", passen würde es mitunter trotzdem: Meist sehen die Menschen auf den hochprofessionellen Bildern so aus, als wollten sie einem entweder eine Versicherung verkaufen oder das Buch Mormon überreichen. Die Welt der Stocks ist aalglatt und hochglänzend wie die der Werbung - und dort landen die Bilder auch oft.

Das weiß auch die Fotoagentur Getty Images, die selbst in diesem Geschäft tätig ist. Mehr Authentizität wünscht sie sich, wenn es um abstrakte Themen und geografische Motive geht - und hofft, diese bei Flickr zu finden. In dieser Woche schlossen die beiden Firmen einen Vertrag, der die Schätzungen zufolge inzwischen zwei Milliarden Fotos bei Flickr zur Auswahl durch Getty freigibt. Die Agentur darf dort nun stöbern und Bilder auswählen - sie einfach übernehmen darf sie jedoch nicht.

Denn jeder einzelne Fotokauf ist mit dem Fotografen abzustimmen: Er oder sie wird um Einverständnis gebeten und bekommt einen Teil des Honorars - der Rest geht an Getty. Für Voll-Amateure bei Flickr ist das ein interessanter Deal, für die zahlreichen professionellen Fotografen, die sich dort präsentieren, vermutlich eher nicht.

Interessant ist es auf jeden Fall für die beiden beteiligten Firmen. Flickr, der weltweit populärste Foto-Dienst und seit März 2005 ein Tochterunternehmen von Yahoo, hat bisher vor allem Ruhm und Ehre verdient. Mit der eigentlichen Ware Foto war bisher kein Geschäft zu machen.

Getty teilt zu den Konditionen Folgendes mit: "Getty Images wird Lizenzgebühren direkt an die Flickr-Mitglieder auszahlen." Dies werde "im Rahmen einer direkten Beziehung zwischen Getty Images und dem jeweiligen Flickr-Nutzer" geschehen. Die Lizenzgebühren sollen, je nach der genauen Art der Lizenz "500 bis 600 Dollar oder 200 bis 250 Dollar" betragen. Es sei aber "bislang nicht entschieden, wo die Flickr-Kollektion innerhalb der Lizenzmöglichkeiten von Getty Images angesiedelt wird." Die Qualität der Bilder werde aber "in jedem Fall sehr hoch sein".

Was, wenn ein Bild mehrfach kursiert?

Der Deal wirft eine ganze Reihe von Fragen auf. Bilder bei Flickr werden unter verschiedenen Lizenzen veröffentlicht, die Fotografen räumen unterschiedliche Nutzungsrechte ihrer Bilder ein. Für bereits veröffentlichte Bilder wird der Agentur aber kaum einer der Fotografen Exklusivität garantieren können: Wenn die Fotos bei Flickr unter der Creative-Commons-Lizenz (CC) veröffentlicht wurden, können sie sich - nicht kommerziell genutzt - bereits im Web verbreitet haben.

Damit käme gefahrlos nur eine nicht exklusive Nutzungsvereinbarung in Frage - denn sonst drohten Abmahnungen, zumindest aber Irritationen, wenn ein mittlerweile an Getty lizenziertes Bild parallel auch als CC-Bild Verbreitung fände. Nicht exklusive Bilder aber werden niedriger bezahlt - für die Fotografen kommen dabei gemeinhin Summen um allenfalls 50 Dollar pro Bild heraus.

So jedenfalls sehen die Preise aus, die Agenturen Profis bezahlen. Die Einzelheiten ihres Deals wollen Flickr und Getty noch nicht öffentlich machen. Getty versichert jedoch, bei der Grundberechnung der Honorare von den Preisen auszugehen, die auch an Profis gezahlt werden.

Von Getty gefunden und zu deren Zulieferer zu werden, kommt allerdings einem kleinen Lottogewinn gleich: Bei Flickr sind derzeit rund sieben Millionen Fotografen registriert. Die Strategie, wie einst Dornröschen untätig auf den Prinz zu warten, verspricht also weniger Erfolg, als selbst aktiv zu werden. Möglichkeiten dafür gibt es genug.

Selbst anbieten verspricht mehr Erfolg

Die professionelleren unter den Flickr-Aktiven versuchen seit längerem, ihr Handwerk zu Geld zu machen: Unterhalb der Schwelle von Profi-Stockfoto-Diensten gibt es eine wachsende Anzahl so genannter Ministock-Dienste, die ihre Bilder für deutlich weniger Geld anbieten - sie sind die Discounter der Szene. Der Vorteil: Hier muss man kein Studio im Rücken haben, um Fotos verkaufen zu können - man muss nur gut genug fotografieren.

Mit iStockfoto gehört einer der größten Dienste dieser Art (angeblich rund 70.000 Fotografen) zu Getty Images. iStockfoto zahlt Fotografen, die über die Webseite verkaufen, 20 Prozent des Umsatzes mit dem Bild - allerdings muss man ein Bewerbungsverfahren durchlaufen, um hier angenommen zu werden.

Ähnlich sieht das bei shutterstock aus, mit 50.000 Fotografen die Nummer Zwei am Markt. Die Bilder werden hier im Abo als Themenpaket bezogen, der Fotograf erhält jedes Mal, wenn eines seiner Bilder in so einem Päckchen ausgeliefert wird, 25 Cent. Das klingt wenig, summiert sich aber. Auch Corbis, die von Microsoft-Gründer Bill Gates betriebene Fotoagentur, betreibt mit Snapvillage einen eigenen Ministock-Dienst im Web. Ein deutsches Angebot gibt es ebenfalls: Auch bei photocase.de kann man seine Bilder feilbieten.

Alle großen Ministocks konkurrieren mit kleineren Agenturen wie Fotolia, Panthermedia oder Dreamstime, die sich am Markt bisher noch nicht so stark durchgesetzt haben und Fotografen teils deutlich bessere Konditionen bieten (mit Umsatzanteilen zwischen 30 und 80 Prozent).

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels war zu lesen, 50 Prozent der Honorare für die von Flickr-Nutzern übernommenen Bildern gingen an Flickr. Das ist nach derzeitigem Stand nicht korrekt. Getty teilte SPIEGEL ONLINE inzwischen mit, eine Beteiligung von Flickr an den Lizenzeinkünften sei "bislang nicht vorgesehen". Über Details der Lizenzen und Vergütungen werde bis Jahresende entschieden. Wir haben den Text entsprechend korrigiert und ergänzt.

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