Kostenlose Musikdownloads: Zwischen Pop und großer Pose

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Im vierten Teil unserer Serie mit Musikdownloads liegt der Schwerpunkt auf elektronischer Musik. Zwischendrin dürfen uns dann die Gitarren aber wieder auf den Tanzboden runterbringen. Wie immer gilt: alles kostenlos und völlig legal.

Badloop - Lumme, 50mikrog

Badloop

ist ein netter Kerl mit einem gespaltenen Verhältnis zur eigenen Musik. Wenn da nicht die Leute auf dem Sundance-Festival so ausgelassen zu seinem heimlichen Hit "Lumme" getanzt hätten.
Irgendwo zwischen IDM und Ambient holt Petteri Karjalainen süßeste Melodien heraus, wickelt ein bisschen Analogsynthie-Zuckerwatte drum herum und erdet das ganze mit einem Beatfundament, das sich gewaschen hat. Aber dass das irgendwie richtig gut ist, will der Finne einfach nicht glauben. Erst recht nicht bei "50 mikrog (160 mg)", das vor allem von deutschen Downloadern geliebt wird: "Da hab ich doch weniger als 12 Stunden dran gesessen."
Egal, ist trotzdem perfekte Musik für Spätsommertouren in der S-Bahn. Den Rest des Album gibt's auf seiner Download-Seite, ebenso wie seine neue EP "Luo" mitsamt Plattencover zum Runterladen.

Fun Tourist - Who needs Alice anyway?

Nochmal ein Finne, nochmal einer, der auf dem Szene-Service von Scene.org seine Platten veröffentlicht. Und, oh mein Gott, was für Platten! "Who needs alice anyway?" ist mit einem fetten Lächeln auf den Lippen entstanden, das ist klar. Aber was dieser Track nach dem dreiminütigen Häcksler-Intro für eine Kraft entwickelt - wow!
Beats und Melodie im Streit um Hegemonie, ein Wettrennen, das immer schneller und verrückter wird und wenn man denkt, es gehe nicht heftiger, wird es noch heftiger und heftiger und immer noch heftiger. Der Wahnsinn ist fast neun Minuten lang, Gnade den unbekannten Tänzern des Koneisto-Festivals in Finnland. Dort trat Fun Tourist einst auf und hinterließ wohl ein Schlachtfeld.
Seine anderen Tracks DDD und Face on/Take one gehen da zum Glück ruhiger an die Sache - aber nur etwas weniger krank...

Flotation Toy Warning: "Popstar Reaching Oblivion" (Misra)

Das ist eigentlich alles viel zu schön! Flotation Toy Warning haben nur ein Ziel: den Hörer mit Melodien einlullen, ihn zum Augenschließen zu zwingen und den Herausforderungen des Alltags mit dem Rücken zu begegnen. Dabei gehen die Briten so unglaublich nah ans Herz ran, schämen sich einen Dreck um gesummte Liedpassagen und 70er-Sounds. Wer's noch nicht gekauft hat, sollte "Popstar Reaching Oblivion", Happy 13 und Plains sofort herunterladen und mit einer Träne im Auge in den nächsten Plattenladen marschieren und unterwürfig um Vergebung und "Bluffer's Guide to the Flight Deck" bitten.

Freezepop - Lazy

Ruhm durch Computerspiel - kürzer lässt sich die Geschichte dieses amerikanischen Synthpop-Trios nicht festhalten. Stark beeinflusst von europäischen Synthie-Acts der achtziger Jahre der Love-Parade-Mode der Neunziger, wären Freezepop wohl für immer nur am Rande der Indie-Szene dahinvegetiert. Aber Auftritte in Tanz- und Musikspielen auf diversen Konsolen, haben ihnen unerwarteten Erfolg beschwert.
Und zurecht: neben einigen eher unwichtigen Titeln haben Liz Enthusiastic, Sean T. Drinkwater und Duke of Pannekoeken (was für Namen, oh weh) unter anderem mit "Duct Tape My Heart" (im Chinese Theater Remix) und "Lazy" ein paar wunderschöne Popsongs geschrieben.

Nada Surf - Do it again

Wer einen Indie-Hit wie "Popular" schreibt, hat eigentlich für alle Zeiten das Recht auf musikalische Anerkennung verwirkt. Doch als Nada Surf im September 2002 mit "Let Go" ihr viertes Studioalbum vorlegten, war von der alten Teenie-Band nichts mehr zu spüren.
Das Problem: niemand wollte das einsehen. Erst jetzt, drei Jahre nach dem Release gilt "Let Go" als Meisterwerk - und "The Weight is a Gift", das Anfang September in die Läden kam, soll den Erfolg fortführen. Als Vorgeschmack hat das "Nada Surf"-Label Cityslang "Do it again" als MP3 und das wunderschöne "Always Love" als Video ins Netz gestellt.
Die Kollegen von "intro" haben damals übrigens eine Akustikversion von "Imaginary Friends" mit Matthew Caws von "Nada Surf" mittapen können. Da fragt man sich dann irgendwann nur noch: wenn das alles so gut ist, warum spielen die Jungs dann kaum Konzerte, wo bleibt der Weltruhm?

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