Kriegsgefahr Das Saddameter fällt

Die Türken zieren sich, China und Russland sehen keinen Kriegsgrund, selbst die Engländer wollen mehr Zeit für die Inspektoren: Es gibt neue Hoffnung auf ein friedliches Ende des Irak-Konflikts, das Saddameter des US-Online-Magazins "slate.com" sinkt. SPIEGEL-ONLINE-Leser dagegen rechneten in den vergangenen Tagen eindeutig mit Krieg. Geben Sie erneut Ihre Einschätzung ab.


Seit einer Woche stellen wir unseren Lesern die Frage: Glauben Sie, dass es zu einem neuen Golfkrieg kommen wird? Mehr als 5000 Leser haben an der Abstimmung teilgenommen. Ergebnis: 81 Prozent sind der Meinung: Ja, der Krieg wird kommen. Nur 15 Prozent votierten mit "Nein", die übrigen vier Prozent wählten die Option "Weiß nicht".

Die Zahl der "Ja"-Votes war im Laufe der Woche sogar geringfügig gestiegen. Wenige Stunden nach Start der Abstimmung gaben noch 79 Prozent der teilnehmenden Leser an, sie rechneten mit einem Krieg. Auch wenn SPIEGEL-ONLINE-Votes keinerlei Anspruch erhebt, die Ansicht der Bevölkerung repräsentativ widerzuspiegeln, lassen sie doch - gerade bei einem so eindeutigen Ergebnis - ein gewisses Stimmungsbild erkennen.

Anders dagegen die Einschätzung der Kriegsgefahr durch "slate.com". Das renommierte Online-Magazin justiert das Saddameter täglich neu. Das Instrument zeigt die Wahrscheinlichkeit für einen US-Angriff auf den Irak. Noch im November zeigte das Saddameter des US-Online-Magazins auf 55 Prozent. Doch seitdem sind die Werte dramatisch gestiegen, vor einer Woche pendelte die Kriegswahrscheinlichkeit um 70 Prozent. Und heute? Die Gefahr wird plötzlich "nur" noch auf 61 Prozent taxiert.

Wie kam es zu dem Einbruch? Die Werte des Saddameters beruhen nicht auf Umfrageergebnissen, sondern auf einer täglichen Neueinschätzung der politischen Lage. Die Redakteure von "slate.com" wägen ab, welche politischen Entwicklungen zu einer Erhöhung und welche zu einer Verminderung der Chancen für eine Invasion beitragen. Und während der vergangenen Tagen häuften sich nach Einschätzung der "Slate"-Redakteure die Faktoren, die gegen eine US-Invasion im Irak sprachen.

So ließ Uno-Chefinspektor den Weltsicherheitsrat in einer Zwischenbilanz wissen, trotz aller Kritik am Saddam-Regime und eingestandener Verstöße gegen die Uno-Sanktionen, hätten seine Leute keinerlei Belege für die Existenz irakischer Massenvernichtungswaffen gefunden. Großbritanniens Premier Tony Blair, der verlässlichste Verbündete von US-Präsident George W. Bush, machte sich plötzlich für eine Verschiebung des Krieges stark. Auch die Großmacht China sieht derzeit keinerlei Grund für einen Militäreinsatz. Saddam zeige sich schließlich kooperativ, argumentieren die Chinesen. Das Kriegsbarometer begann zu fallen.

Um eine mögliche Veränderung bei der Einschätzung der Kriegsgefahr durch unsere Leser besser erkennen zu können, haben wir das Vote wieder auf Null gesetzt. Sie können jetzt also erneut abstimmen.

Vote
Das SPIEGEL-ONLINE-Saddameter

Glauben Sie, dass es zu einem neuen Golfkrieg kommen wird?





Die Entwicklung seit Mitte November:










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