Kriegsgegner Virtueller Marsch legte Washingtons Telefone lahm

Die Organisatoren sprachen von einem vollen Erfolg. Mehrere hunderttausend Kriegsgegner haben bei ihrem "virtuellen Marsch" auf Washington den US-Kongress und die Regierung bei ihrer Arbeit blockiert.


Im Mail-Visier von Demonstranten: Das US-Kapitol
DPA

Im Mail-Visier von Demonstranten: Das US-Kapitol

Washington – Die Kriegsgegner überschwemmten amerikanische Regierungsstellen und Abgeordnete mit Protestanrufen und E-Mails. Bei vielen Senatoren und Abgeordneten klingelte das Telefon im Sekundentakt. Die von Hollywoodstars unterstützte Friedensorganisation "Win without War" (Ohne Krieg gewinnen), die zu dem "virtuellen Marsch auf Washington" aufgerufen hatte, sprach von einem vollen Erfolg.

"Wir sind begeistert", sagte der Organisator, der ehemalige Kongressabgeordnete Tom Andrews von der Gruppe "Ohne Krieg gewinnen". Er ging davon aus, dass bei den Abgeordneten und Regierungsvertretern mehr als eine Million Anti-Kriegsbotschaften eingingen. Nach mehreren Internetaufrufen hätten sich 500.000 Menschen als Teilnehmer registriert.

Die demokratische Senatorin aus Kalifornien, Dianne Feinstein, berichtete von mehr als 800 Anrufen bis zum Nachmittag. "Es klingelte ununterbrochen", sagte sie im US-Fernsehen. Sogar bei dem demokratischen Minderheitenführer Tom Daschle gingen nach Angaben eines Mitarbeiters doppelt so viele Anrufe ein wie an normalen Tagen. "Wir haben einen etwas stärkeren E-Mail-Verkehr als normal registriert", beschwichtigte dagegen ein Sprecher der Senatsverwaltung. Bei den Anrufen sprach er von "ziemlich hohem Volumen". Eine Zahl wollte er aber nicht nennen.

Zahlreiche Teilnehmer beklagten, mit ihren Anrufen oder auch SMS-Botschaften nicht durchgekommen zu sein. "All circuits are busy" - alle Anschlüsse besetzt, sei sehr häufig zu vernehmen gewesen. Linda Carmichael, eine Anruferin aus San Jose schilderte, dass sie vier Stunden lang versuchte, in das Büro von Senatorin Dianne Feinstein durchzukommen, andere gaben auf und kündigten den Organisatoren an, ihre Anrufe in den nächsten Tagen nachzuholen. Auch das Weiße Haus wurde von der Anrufflut erfasst: "Das ist ständig besetzt, warum wohl?", mailte Christina Kraich-Rogers aus New Hampshire an SPIEGEL ONLINE.

Die Organisation "Win without War", unter deren Dach sich 32 Friedensgruppen zusammengetan hatten, rief die Bevölkerung auf, auch über diese Aktion hinaus ihre Opposition zu einem Krieg deutlich zu machen. "Die Botschaft ist klar: kein Einmarsch, wenn es nicht nötig ist. Wir müssen die Region nicht destabilisieren und Tausende Zivilisten in Gefahr bringen", sagte Andrews.

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