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Kriminalität im Netz: Nur keine Online-Panik!

Ein Kommentar von

Mehr Kriminalität im Netz? Ruhig bleiben. Wir alle müssen erst noch lernen, im Internet auf unsere Sachen aufzupassen. Mit wenigen einfachen Tricks lässt sich oft das Schlimmste verhindern.

Wenn an diesem Mittwoch das Bundeskriminalamt die neuen Zahlen zur Online-Kriminalität vorstellt: keine Panik. Sehr wahrscheinlich wird die Statistik eine Zunahme von Delikten verzeichnen, rekordverdächtige Passwort-Diebstähle, Betrug mit Kreditkartendaten, Viren und Trojanern. Das klingt furchtbar, ist aber keine Überraschung. Schließlich spielt sich das Leben von immer mehr Menschen zunehmend im Internet ab.

Das zieht auch Kriminelle an. Trotzdem ist das Internet keineswegs der wilde, gesetzlose Westen, als den ihn Polizei-Gewerkschafter und Verkäufer von Anti-Viren-Software gerne darstellen. Vergessen Sie den wilden Westen. Denken Sie lieber an einen viel besuchten Strand im Urlaub.

Würden Sie Ihre Tasche dort offen herumliegen lassen? Das Portemonnaie neben den Hotelzimmerschlüssel aufs Handtuch legen, dazu eine Adresse mit Wegbeschreibung? Handy und Fotoalbum gut sichtbar daneben platzieren und für ein paar Stunden verschwinden? Natürlich nicht. Sie würden nur das Nötigste mit an den Strand nehmen und auf Ihre Sachen aufpassen.

Das mit dem Aufpassen funktioniert auch im Internet. Nur, dass wir es lernen und immer wieder üben müssen. Mit ein paar einfachen Tricks können Sie das Schlimmste verhindern:

  • Behalten Sie einen kühlen Kopf. Ein nagelneues iPad für 70 Euro? Eine Erbschaft in Millionenhöhe? Das Internet ist ein Wunderwerk, aber es vollbringt keine Wunder. Zählen Sie vor einem Klick einfach bis drei.
  • Die nervigen Updates? Betriebssystem, Browser, Flash-Player? Nicht ignorieren, gleich installieren. Alte Programme sind Einfallstore für digitale Missetäter.
  • Dateien, die an E-Mails von dubiosen Absendern angehängt sind oder von unbekannten Webseiten stammen, sollte man mit Skepsis begegnen. Im Zweifel lieber ungeöffnet löschen.
  • Benutzen Sie keines Ihrer Passwörter doppelt. Klingt nervig, aber mit Hilfe eines Passwort-Managers ist das ganz einfach. Wird ein Account gehackt, sind die anderen trotzdem geschützt. Außerdem bieten die mit solchen Programmen automatisch erstellten Passwörter mehr Sicherheit.
  • Nutzen Sie die doppelte Anmeldung. So wie beim Online-Banking, bei dem Sie sich mit einem Passwort anmelden und dann jede Transaktion noch mit einem Code über SMS oder von einer Liste genehmigen müssen, können Sie oft wichtige Konten wie E-Mail mit einer sogenannten Zwei-Faktor-Authentifizierung absichern.
  • Machen Sie Back-ups. Sichern Sie wichtige Dateien - zum Beispiel Fotos - auf einem USB-Stick oder einer externen Festplatte. Wenn Ihr Rechner streikt oder von Viren befallen ist, können Sie einigermaßen entspannt bleiben.
  • Streuen Sie Ihre Daten. Wenn Sie Kontakte, Fotos, Dokumente, E-Mails und noch viel mehr gesammelt bei einem Anbieter ablegen, dann haben Sie einen sogenannten "single point of failure". Damit Kriminelle es schwerer haben, speichern Sie solche Dinge bei unterschiedlichen Diensten.

So machen Sie es Kriminellen schwerer. Völlig ausschließen lassen sich die Bedrohungen aus dem Internet zwar nicht. Wenn dann aber etwas passiert, hält sich Ihr Schaden hoffentlich in Grenzen. Ein Trost könnte immerhin noch sein, dass Ihnen niemand persönlich mit einer Brechstange aufgelauert hat. Online-Kriminalität bedeutet zum Glück oft nur, dass Zahlen kopiert werden.

Zum Autor
Jeannette Corbeau

Ole Reißmann ist Redakteur im Ressort Netzwelt bei SPIEGEL ONLINE. Er hat eine E-Mail-Adresse und freut sich über Nachrichten, verteilt aber gleichzeitig Aufkleber mit seiner persönlichen Kampagne "E-Mails? Nein Danke".

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insgesamt 38 Beiträge
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1. vor dem klicken
cptlars 27.08.2014
Kopf einschalten. ..
2. Absolute Sicherheit
telltaleheart 27.08.2014
Gute Tipps, keine Frage. Natürlich werden die Nerds sofort noch bessere parat haben und so tun als sei all das angeborenes Wissen, und jeder der das nicht wisse sei einfach nur strunzendoof. Aber der Computer als Massenphänomen und Alltagsgegenstand sollte natürlich auch für jedermann sicher zu gebrauchen sein. Da sehe ich realistischer Weise nicht nur den Nutzer gefordert, sondern auch Legislative, Judikative und Exekutive, sowie die Industrie. Wenn ich all meine Accounts und was auch immer per doppelter Authentifizierung absichere, werden sie irgendwann auch vor mir absolut sicher sein, sprich, ich komme nicht mehr rein.
3. Passwörter
icyphoenix 27.08.2014
Nicht zu vergessen: die meisten Passwörter werden mittels automatisierter Programme geknackt. Diese "probieren" der Reihe nach alle Buchstaben-/Zahlenkombinationen aus und beginnen oft mit Wörtern aus dem Wörterbuch. Simple Lösung: Da sich für jeden zusätzliche Stelle des Passworts (Buchstabe groß/klein, Zahl, Symbol) die Zahl der Kombinationen verhundertfacht, einfach ein längeres Passwort mit Zahl und Symbol verwenden. Und Wörter aus dem Wörterbuch vermeiden! Das knacken die Algorithmen nach aktuellem Stand der Rechnerleistung (ab ca 10 Zeichen) zu Lebzeiten nicht mehr.
4. genau daran haperts doch aber
lauterbachheiner 27.08.2014
Diese Ratschläge bekommen die Leute so oft erzählt und was passiert? Nichts! Warum gibt es immer noch Spam und Phishing? Weil es sich lohnt! Es gibt genug Leute die sich zumindest Spam total interessiert anschauen und auf diese Webseiten gehen. Ebenso sind viele Phishing Mail mittlerweile recht clever gemacht. Es wird die Neugier und die Angst der Nutzer ausgenutzt. Bei vielen Dingen hilft tatsächlich nur erstmal abzuwarten und den ersten Impuls zu unterdrücken. Man schreibt auch recht schnell eine harsche Mail oder setzt einen unbedachten Kommentar ab. Deswegen krachts ja auch so oft in der online Kommunikation ;-) Der Artikel ist gut gemeint, wird aber die eigentlich Zielgruppe kaum erreichen und damit nicht wirklich etwas bewirken. Leider...
5. Und ganz wichtig:
swanlake 27.08.2014
Lassen Sie den Browser IMMER in einer Sandbox laufen! So bleibt das System geschützt auch wenn man mal aus Versehen doch eine infizierte Datei geladen/gestartet hat. Ist zwar ein wenig mehr Arbeit einen gewollten (guten) Download aus der Sandbox zu holen, aber diese Klicks sind die höhere Sicherheit allemal wert.
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