Krisen-PR wegen Ölpest: BP kauft Suchmaschinenergebnisse

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Je schlimmer die Krise, desto besser muss die PR sein. Diese Weisheit hat sich auch der BP-Konzern zueigen gemacht und versucht jetzt, mehr Websurfer auf seinen Info-Seiten zur Ölkrise im Golf zu locken. Nur dort kann das Unternehmen seine Sicht der Dinge ungestört verbreiten.

BP im Web: Besser dastehen bei Google & Co. Fotos

Die Ölpest im Golf von Mexiko ist nicht nur eine gewaltige Katastrophe für die Natur, sie ist auch eine gewaltige Herausforderung für die PR-Abteilung des britischen Konzerns. Das wiederholte Versagen bei Versuchen, den Ölaustritt am Meeresboden zu stoppen, Berichte über Beamtenbestechung und Bilder von verendeten Tieren im Ölschlamm kratzten nicht nur am Image des britischen Konzerns, sie haben es regelrecht demontiert. Mittlerweile fürchten britische Politiker, das Öldesaster könne sich sogar auf das Bild, das sich Amerikaner von Großbritannien machen, auswirken. Krisen-PR ist angesagt, um den Schaden für Firma und Vaterland einzugrenzen - und das auch im Web.

So könnte man zumindest BPs jüngsten PR-Coup verstehen. Das Unternehmen hat sich für bestimmte Schlüsselworte Top-Platzierungen in den Suchmaschinen Google, Yahoo und Bing gekauft. Wer jetzt Begriffe wie "oil spill" (Ölpest) in eine dieser Suchmaschinen eingibt, soll als ersten Treffer einen sogenannten Sponsored Link, einen bezahlten Link zur BP-Website zur Ölkatastrophe zu sehen bekommen.

Üblicherweise werden solche Sponsored Links von Firmen genutzt, um Websurfer mit werblicher Absicht auf ihre Seiten zu locken. Wer also etwa den Begriff "Turnschuhe" in das Textfeld einer Suchmaschine eingibt, bekommt als erste drei Treffer Links zu Online-Schuhhändlern präsentiert. Für Firmen wie Google zählen solche Werbeangebote zu den lukrativen Einnahmequellen.

"Wichtige Links zu Informationen"

"Wir haben Suchbegriffe bei Suchmaschinen wie Google gekauft, um es den Leuten leichter zu machen, mehr über unsere Bemühungen im Golf herauszufinden und um es ihnen zu erleichtern, wichtige Links zu Informationen darüber zu finden, wie man Ansprüche geltend machen, Ölfunde an Stränden melden oder sich selbst als Freiwilliger melden kann", bestätigte BP-Sprecher Toby Odone dem US-Fernsehsender ABC News.

Der Experte für Suchmaschinenoptimierung Matthew Whiteway von der auf spezialisierten britischen Consulting-Firma Greenlight erklärte die Kampagne zum "besten Zug den BP machen konnte, um sein Image unter den augenblicklichen Bedingungen zu schützen". Seinen Untersuchungen zufolge sind nach Abzug bezahlter Anzeigen 95 Prozent der Suchergebnisse bei Suchanfragen nach Schlüsselworten rund um BP und die Ölpest negativ. Bei einer Suche nach "BP Oil Spill" habe er diverse zynische Texte und eine Reihe von YouTube-Clips zu sehen bekommen, auf denen die Folgen der Ölverseuchung zu sehen waren. Ein enormes Problem für den Konzern, zumal sich immer mehr Menschen Informationen über die Vorgänge am Golf im Internet zusammensuchen.

Ein "PR-Meisterstück"

Whiteman hat für dieses Vorgehen volles Verständnis. Er argumentiert, BP würde Anwender ja nur "die Informationen geben, nach denen sie suchen". Zudem würde ja niemand gezwungen, auf die bezahlten Links zu klicken. Nach seiner Ansicht, so lässt er deutlich durchblicken, ist die Suchmaschinenaktion ein "PR-Meisterstück".

Mit dieser Ansicht steht Whiteman freilich ziemlich einsam da. Das Techblog Gizmodo etwa zitiert David Binkowski von der Word of Mouth Marketing Association mit der Feststellung, BP habe erst einen Monat nach Beginn der Katastrophe damit angefangen, sein Image im Web aufzupolieren. Ein Fehlschuss war seiner Ansicht nach auch BPs TV-Kampagne. 50 Millionen Dollar habe BP in diese Kampagne investiert, Geld, dass besser in die Bekämpfung der Ölpest hätte gesteckt werden sollen. Die Top-Platzierung in den Suchmaschinenergebnissen, so Experten, dürften den Konzern etwa 10.000 Dollar pro Tag kosten.

150.000 Follower

Doch nicht nur seine Art, mit Geld umzugehen, auch seine Humorlosigkeit kostet den Konzern, der so verzweifelt um Sympathie buhlt, Zustimmung im Netz. So forderte BP den Betreiber des Twitter-Accounts BPGlobalPR auf, klarzustellen, dass es sich bei seinen Tweets um einen Parodie und nicht um echte BP-Meldungen handele, schreibt die " New York Times". Ein Ansinnen, das nur schwer verständlich scheint, wenn man liest, was unter diesem Pseudonym so getwittert wird. Nachrichten wie: "Unsere Anwälte verschicken jetzt Abmahnungen gegen die brüchige Erdkruste, dass sollte das Problem lösen", dürfte wohl kaum jemand als ernstgemeinte PR verstehen.

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. "Wir haben nichts mit Beyond Petroleum zu tun, jener Firma, die den Golf von Mexiko seit 52 Tagen zerstört", ist dort jetzt in der Selbstbeschreibung zu lesen. Dies, so erklärte der anonyme Betreiber des Twitter-Accounts, sei die einzige Änderung, zu der man bereit sei: "Wenn das ein Problem ist, werden sie uns abschalten müssen".

Doch wenn das passieren würde, würde BPGlobalPR wohl kaum still und leise aus dem Twitterversum verschwinden. Schließlich lesen mittlerweile mehr als 150.000 Follower täglich die bissige BP-Parodie.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 7 Beiträge
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1. Das sind keine gekauften Suchergebnisse
Comandante.Tatú 10.06.2010
„Sponsored Links“ sind keine gekauften Suchergebnisse. Sie sind eindeutig als Anzeigen zu erkennen – und mal ehrlich, wer hat je da drauf geklickt?
2. Das ist Manipulation im Internet
Viva24 10.06.2010
Wenn BP dies tut und dann womöglcih Blogger klosschickt, dann verstösst das Unternhemen gegen die guten Sitten und schafft Meinungen. Ein Unternehmen dieser Grösse hat eine eigenen Webseite und kann sich hier präsentieren und Gegendarstellungen äussern.
3. Ist der Ruf erst ruiniert...
frankarouet 10.06.2010
---Zitat--- Der Experte für Suchmaschinenoptimierung Matthew Whiteway von der (...) britischen Consulting-Firma Greenlight erklärte die Kampagne zum "besten Zug den BP machen konnte, um sein Image unter den augenblicklichen Bedingungen zu schützen". ---Zitatende--- BPs Ansehen erscheint mir derzeit nicht schützenswert. Die Macher des Unternehmens haben wohl geringe Ansprüche an ihren Ruf. Manche sind halt bescheiden... frankarouet
4. Erklärungsversuch
Satiro 10.06.2010
Zitat von Viva24Wenn BP dies tut und dann womöglcih Blogger klosschickt, dann verstösst das Unternhemen gegen die guten Sitten und schafft Meinungen. Ein Unternehmen dieser Grösse hat eine eigenen Webseite und kann sich hier präsentieren und Gegendarstellungen äussern.
auch noch etwas naiv? Nach den Finanzprodukt –Ingenieuren scheinen nun die Meinungs- Ingenieure gefragt zu sein. Auch in den Medien wie hier bei SPON, wo die Redaktion von Nachwuchsjournalisten aus dem GRÜN- roten- Spektrum dominiert wird, arbeiten bereits solche Spezis. Wenn man jung ist, ist man in der Regel auch links. Scheint ein Naturgesetz zu sein. Wenn man dann etwas älter wird wechselt man besser auf die andere Seite, denn es besteht die Gefahr, so lächerlich zu werden wie einige Alt – 68- ziger, welche die Kurve nicht kratzen konnten.
5. Wer klickt schon auf Anzeigen...
floxxy 11.06.2010
Zitat von Comandante.Tatú„Sponsored Links“ sind keine gekauften Suchergebnisse. Sie sind eindeutig als Anzeigen zu erkennen – und mal ehrlich, wer hat je da drauf geklickt?
ähhh... da klicken so viele darauf, dass Google damit Milliarden verdient?!
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