Krumme Gesetzvorlage Kopieren ja, aber bitte nicht gucken!

Die Versuche, die Urheberrechte an die Realitäten des digitalen Zeitalters anzupassen, bringen immer neue Absurditäten hervor. Eine australische Copyright-Gesetzesvorlage verpflichtet die Bürger unter anderem dazu, ihre TV-Mitschnitte nach einmaligen Anschauen zu vernichten.


"Das sind Ergänzungen, die dem gesunden Menschenverstand entspringen", feierte am Wochenende der australische Justizminister Philip Ruddock die Arbeit seiner Behörde, "sie werden sicherstellen, dass Australiens Copyright-Gesetze die besten der Welt bleiben."

Multimedial aufgemotztes Wohnzimmer: Die tägliche Praxis im Home-Entertainment beißt sich mitunter mit bestehenden Gesetzen
GMS

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Zumindest über Teile dieser Aussage könnte man kräftig streiten. Dem "gesunden Menschenverstand" ist längst nicht mehr erklärlich, was Gesetzgeber in aller Welt so in Sachen Copyright unternehmen. In Australien, wo bisher jede Form der Kopie untersagt war, bedeuten die Vorstellungen der Regierung immerhin so etwas wie eine Liberalisierung. Trotzdem klingt es wie Realsatire, wie dort künftig mit den Kopierrechten umgegangen werden soll: 

  • TV-Mitschnitte: Künftig darf man Sendungen aus dem Fernsehen aufnehmen. Diese dürfen allerdings nur einmal angesehen werden und müssen dann gelöscht werden. Sie aus der Wohnung zu entfernen und sie beispielsweise mit Verwandten oder Freunden gemeinsam zu sehen, ist verboten, der Verleih natürlich auch.
  • CD-Kopien: Das neue Recht soll es erlauben, CDs in ihrer exakten Zusammenstellung in ein anderes Format - beispielsweise MP3 - zu übertragen, um sie legal auf einem entsprechenden Player hören zu können. Sicherungskopien von CDs sind allerdings verboten, außer man überträgt die Musikdateien in ein anderes Format. Nur dann darf man sie auch brennen, wenn man die Zusammenstellung der Songs nicht verändert. Eigene Zusammenstellungen von Liedern sind natürlich verboten.
  • DVD-Kopien: Anders als bei CDs sind hier sowohl Kopie als auch der Formatwechsel verboten. Legal ist es, ein Videoband auf DVD zu übertragen, aber nicht umgekehrt. Verboten ist auch die Übertragung von DVD-Dateien auf mobile Geräte oder Computer.
  • DRM und Kopierschutz: Wie sie damit umgehen soll, ist der australischen Regierung noch nicht ganz klar. In Deutschland wiegt das Recht der Industrie, ihre Waren zu schützen, schwerer als die Rechte der Kunden: Die dürfen hierzulande beispielsweise Sicherheitskopien ihrer CDs anfertigen, die Industrie darf das aber per DRM verhindern. Ein Bruch des DRM ist den Kunden in solchen Fällen verboten.
  • Ausnahmeregelungen soll es für Schulen und Universitäten geben.

Dass Industrie und Gesetzgeber mit solchen Regelungen auf weitgehendes Unverständnis stoßen, liegt an einem Verständnisproblem. Der gemeine Kunde glaubt hartnäckig daran, dass er im Plattenladen eine CD kaufen und die Musik darauf dann besitzen könne. Das war immer und ist natürlich immer noch falsch: Man erwirbt Nutzungslizenzen für die Werke, die ein anderer auf Tonträgern (oder Videoträgern) verteilt - mehr nicht. Die kann man relativ weit fassen oder - per Vertrag mit dem Kunden, der durch den Kauf zustande kommt - fast beliebig einschränken.

Das klingt zunächst abstrakt und reichlich verschroben, ist aber relevant: An diesem feinen Unterschied reiben sich zum Beispiel Kunden, die sich darüber erregen können, dass der neueste Kopierschutz verhindert, dass die teuer erstandene CD im Auto-CD-Player läuft. Für die Industrie sind solche Fälle dagegen kein Problem, weil sich dann eben die Nutzungslizenz der CD nicht auf einen bestimmten Gerätetyp erstreckt.

Rechtliche Regelungen und Alltagspraxis laufen dabei immer weiter auseinander. Das Beispiel Australien zeigt das sehr deutlich: Bisher gab es - abgesehen vom direkten Einkauf in legalen Online-Download-Shops - dort keine Möglichkeit, einen iPod oder MP3-Player überhaupt legal zu befüllen. Verkaufsschlager sind sie trotzdem, natürlich auch in Australien.

Wie sich die neuen Kopierbestimmungen mit Heimnetzwerken oder Festplattenrekordern vertragen, bleibt ebenfalls abzuwarten. Fertigt man eine Kopie an, wenn man die aufgezeichnete TV-Sendung ins Kinderzimmer streamt, weil Töchterchen den Film alleine sehen will, während Papa die Sportschau guckt? Und ist die einmalige Seh-Lizenz damit erschöpft? Gilt das auch für den Time-Shift beim Festplattenrekorder, wenn man das Programm kurzzeitig unterbricht, weil Besuch kam? Wäre das nochmalige Ansehen einer so aufgezeichneten Sendung ein Rechtsbruch, obwohl man beim ersten Sehen das laufende Programm doch nur "pausiert" und "zeitverschoben" hat?

Wie sieht es mit vernetzten Audio-Stationen aus, die sich ihre Musik on demand von einem Homeserver holen, möglicherweise sogar zeitgleich in zwei verschiedenen Räumen? Sind das dann illegale Kopien? Die Antworten, die Gesetzgeber bisher überall auf der Welt auf solche Fragen finden, gehen fast immer mit der Einschränkung der Möglichkeiten einher, die digitale Gerätschaften schaffen. Werden die Einschränkungen durchgesetzt, verliert die Hardware für den Kunden an Reiz. Die Diskussion darüber, wie dieser Konflikt zu lösen ist, hat gerade erst begonnen.

pat



insgesamt 50 Beiträge
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Seite 1
arte de la comedia, 15.05.2006
1.
---Zitat von sysop--- Viele der Regelungen, mit denen Gesetzgeber und Industrie digital vertriebene Waren schützen wollen, sind den Kunden kaum noch zu erklären. Reichen die bestehenden Rechte in Zeiten von DRM und Kopierschutz einerseits, Brennern, MP3-Sticks und Tauschbörsen andererseits überhaupt noch? Was müsste passieren, um allen Seiten gerecht zu werden? ---Zitatende--- Für Copyright reicht "digitales Wasserzeichen" (zB Steganographie) Alles andere ist (im Negativfall) Marketing oder (im Positivfall) Anlass zur Diskussion a) was Kultur -ist- und b) wer sie bezahlt. Alles ganz einfach.
DJ Doena 15.05.2006
2.
Was mich bei dieser ganzen Urheberrechtsdiskusion ankotzt, ist, dass es eigentlich weder um die Konsumenten, aber auch gar nicht wirklich um die Urheber geht. Es geht nur um die Standessicherung der Musikkonzerne, die in einer Umgebung Künster -> Website -> Konsument irgendwie überflüssig werden und um ihre Pfründe fürchten. Was dort an Gesetzesmaßnahmen beschlossen wird, hilft den Künstlern kaum, den "Zischenhändlern" aber sehr wohl.
picard95, 15.05.2006
3. DRM? Nein danke.
Gute Ware kaufe ich gerne, z.B. Musik CDs OHNE Kaufschutz (auch Abspielschutz o. Kopierschutz genannt). Leider muss man sich teilweise schon die CDs wie "Playing The Angel" von Depeche Mode in England kaufen, da in Deutschland und Frankreich nur minderwertige Ware mit Kaufschutz zu haben ist. Amazon.co.uk + Kreditkarte sei dank stellt das aber überhaupt kein Problem dar. Die DRM gedongelten 128 KBit Liedchen von diversen Onlineseiten mögen mich in punkto Qualität nicht zu überzeugen. Auch iTunes ist zu umständlich: - Kaufen - Downloaden - Auf CD-RW brennen - Rippen - Nach Mp3 umwandeln Das die ohnehin nicht zufriedenstellende Klangqualität leidet dürfte wohl klar sein. DRM = Nein danke Copyright = ok, wenn der Kunde nicht unnötig gegängelt wird. Die ganzen Kopierschutzmechanismen im Musik-CD Bereich sind lachhaft und führen zu einer absurden Situation: - früher war die Kopie minderwertiger (Kassette, MiniDisc) - dann war die Kopie gleichwertig (Musik CD digital auslesen) - heute sind die Kopien teilweise höherwertiger (kein Kopierschutz, der je nach System die Fehlerkorrektur der Musik CD missbraucht, kein Abspielproblem im Auto etc.)
Willi Wacker 15.05.2006
4. was ist mit der Zeitachse?
Eine Schallplatte, gekauft in jugendlicheren Jahren, kann ich, sofern noch funktionierend, auf meinen Schallplattenspieler abspielen. Was passiert eigentlich mit dem DRM-"geschütztem" Lied/Film, wenn es den ursprünglichen Hersteller nicht mehr gibt? Manche dieser überdesignten Schutzsysteme verlangen eine immer wieder erneute Autorisierung über das Internet. Garantiert mir dieser Hersteller eigentlich, das er sein System auch noch in einem, fünf, 10 oder 20 (500) Jahren parat hält? Eine Lutherbibel kann ich, sofern ich eine habe, auch heute noch lesen.
Benjowi 15.05.2006
5. Die sollen Ihren Mist behalten!!!
Selbsterklärend!
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