Krypto-Handys Feind hört mit

Firmenbosse, Militärs und Politiker schätzen Diskretion beim Telefonieren. Doch wer weiß schon, wie sicher ein teures Spezialhandy mit eingebauter Verschlüsselung wirklich ist? Fest steht: Die Geheimdienste mischen munter mit beim Chiffrieren und Dechiffrieren.

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Spezialhandy der Schweizer Crypto AG: Diverse Verschwörungstheorien

Spezialhandy der Schweizer Crypto AG: Diverse Verschwörungstheorien

In der Krypto-Branche kursieren viele unglaubliche Geschichten und Legenden rund ums Belauschen und Ausspionieren. Da ist die Rede von einem deutschen Geschäftsmann, dessen teures Mobiltelefon mit integrierter Verschlüsselung während eines Flugs nach Frankreich verschwand. Und von Geheimdiensten, die angeblich einen Generalschlüssel zum Dechiffrieren haben und somit alles mithören können.

Mancher Gerätehersteller beginnt ein Telefonat zum Thema gar mit der Frage: "Ihnen ist hoffentlich klar, dass unser Gespräch jetzt abgehört wird, oder?" Die Mischung aus Verfolgungswahn und Verschwörungstheorie scheint durchaus angebracht, denn Krypto-Handys sind ein heißes Thema.

Ob Minister, Geheimdienstler, Firmenboss oder General - sie alle möchten sicher telefonieren. Doch immer weniger Staaten wollen zulassen, dass ihre Bürger vollkommen unkontrolliert und ohne Überwachungsmöglichkeit miteinander kommunizieren.

Schlapphüte hören gern im Klartext, wie Terroristen den nächsten Anschlag verabreden. Genauso gern lauschen sie bei Preisverhandlungen oder fangen Patentanmeldungen ab. Es ist ein offenes Geheimnis, dass beispielsweise französische und amerikanische Geheimdienste gezielt Firmen im Ausland ausspionieren und ihre Erkenntnisse Unternehmen in der Heimat stecken.

Schnüffeln unter Freunden

Die spektakulärsten bekannt gewordenen Industriespionage-Fälle betreffen den deutschen Windkraftanlagenbauer Enercon und den ICE-Hersteller Siemens. Enercon wurde in den achtziger Jahren systematisch von der US-Konkurrenz ausspioniert. Die Folge: Eigene Erfindungen waren in Amerika schon längst von dortigen Firmen zum Patent angemeldet, als Enercon auf dem US-Markt einsteigen wollte.

Siemens erging es nicht besser. 1994 fingen französische Agenten ein Preisangebot für ICE-Züge an Südkorea ab. Danach war es für die britisch-französisch Konsortium GEC Alsthom ein leichtes, den Auftrag für den eigenen TGV hereinzuholen.

ICE-Züge: Preisangebot an Südkorea von französischen Agenten abgefangen
AP

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In Paris kann man das Ausspähen von Firmengeheimnissen inzwischen studieren - an der 1997 gegründeten Eliteschule "Ecole de Guerre Economique". Der französische Geheimdienst schnüfftelt US-Unternehmen gar mit einer eigens eingerichteten Abteilung aus, wie dessen früherer Chef Pierre Marion einräumte: "Wenn es um wirtschaftlichen und technologischen Wettbewerb geht", dann sind wir Konkurrenten", so der Geheimdienstler.

Zerhackte Worte

Das Belauschen von Telefonaten ist für Geheimdienste ein Kinderspiel. Das gilt auch für Handy-Gespräche, denn nur die Verbindung zwischen Telefon und Funkzellen-Antenne wird dabei chiffriert. Die weitere Übertragung über Kabel oder Richtfunk geschieht unverschlüsselt wie im normalen Festnetz.

Klar, dass immer mehr Vertriebsleiter, Vorstände und Geschäftsführer zu Krypto-Geräten greifen, wenn es um Millionendeals geht. Die Spezial-Handys zerhacken die Worte in unverständliches Rauschen, bevor sie gesendet werden. Erst ein baugleiches Telefon am anderen Ende der Leitung fügt den Datensalat wieder zu verständlichen Tönen zusammen.

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Weltweit sind eine Handvoll Gerätetypen erhältlich - ihre Reputation ist verschieden. Aus den USA stammt ein Krypto-Aufsatz des Anbieters General Dynamics, der sich wie ein Akku in ein handelsübliches Motorola-Handy stecken lässt.

Auf seinen Webseiten wirbt der Hersteller mit einer Zertifizierung durch die NSA, den auf elektronische Überwachung spezialisierten US-Geheimdienst. Entsprechend skeptisch regieren Chiffrier-Experten: "Das Modul von General Dynamics genießt den Ruf, dass die CIA den Schlüssel hat", sagt der Mitarbeiter eines deutschen Krypto-Telefonherstellers, der lieber ungenannt bleiben möchte. Ähnlich misstrauisch beäugt die Branche das Krypto-Handy des französischen Herstellers Sagem.

Die Schweizer Crypto AG vertreibt ein Gerät namens "Secure GSM", das technisch auf dem Sagem-Telefon aufbaut, jedoch einen eigenen Verschlüsselungschip nutzt.



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