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Internet der Dinge: Kühlschrank verschickte Spam-Mails

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Vernetzter Kühlschrank (Symbolbild): Gekaperte Haushaltsgeräte Zur Großansicht
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Vernetzter Kühlschrank (Symbolbild): Gekaperte Haushaltsgeräte

Cyberkriminelle haben ein neues Werkzeug. Statt wie bisher Computer zu kapern, nutzen sie vernetzte Haushaltsgeräte für ihre Angriffe. Sicherheitsexperten haben erstmals eine Spam-Welle dokumentiert, an der auch ein Kühlschrank und TV-Geräte beteiligt waren.

Die Bösewichter sind ihrer Zeit mal wieder voraus. Während der Großteil der Menschheit noch nichts vom Internet der Dinge weiß, nutzen Cyberkriminelle die neue Technik bereits für ihre Zwecke. Experten der auf Sicherheitslösungen spezialisierten Firma Proofpoint haben jetzt dokumentiert, was wohl als erste großangelegte Cyberattacke mit Hilfe vernetzter Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik gelten darf.

Dem Unternehmen zufolge waren die Geräte Teil eines Botnets, das zwischen dem 23. Dezember 2013 und dem 6. Januar 2014 mehr als 750.000 Spam-E-Mails verschickt hat. Insgesamt seien mehr als 100.000 Heimnetz-Router, Multimedia-Player, Smart-TVs und sogar ein smarter Kühlschrank an der Spam-Welle beteiligt gewesen. Damit stellten Haushaltsgeräte ein Viertel aller für die Aktion missbrauchten Geräte, den Rest erledigten herkömmliche Computer und Router.

Thermostate mit Internetanschluss

Immer mehr Haushaltsgeräte und Unterhaltungsgeräte werden heutzutage mit integrierten Rechnern ausgestattet, die beispielsweise eine Steuerung per App oder den Zugang zum Internet ermöglichen. TV-Geräte nutzen das, um ähnliche Apps wie Smartphones verfügbar zu machen, Kühlschränke und Waschmaschinen liefern auf diese Weise Statusinformationen oder lassen sich über das Netz fernsteuern.

Weil alle diese Geräte mit dem Internet verbunden sind, spricht man vom Internet der Dinge. Dazu werden Monitore in Tierställen, medizinische Geräte, Bordcomputer in Autos oder beispielsweise Bojen gezählt - oder intelligente Thermostate wie Nest oder Tado, die diese Woche wegen einer Milliardeninvestition Googles in den Fokus rückten.

Bis 2015 werde die Zahl solcher vernetzten Geräte auf 25 Milliarden steigen, bis 2020 auf 50 Milliarden anwachsen, prognostiziert das Sicherheitsunternehmen Bitdefender. Das Marktforschungsunternehmen IDC geht sogar davon aus, dass 2020 schon 200 Milliarden Geräte als Teil des Internets der Dinge vernetzt sein werden.

Eingang durch die Vordertür

Diese Zahlen lassen erahnen, weshalb Kriminelle in diesem Bereich ein lohnendes Ziel sehen. Hinzu kommt, dass sich Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik meist kaum gegen Angriffe zur Wehr setzen können. "Viele dieser Geräte sind bestenfalls schlecht geschützt, und die Anwender haben keine Möglichkeit, Infektionen zu entdecken oder zu beseitigen", sagt Proofpoint-Manager David Knight.

Umso leichter ist es für Angreifer, sich Zugang zu diesen Geräten zu verschaffen. Während sie bei Computern und Laptops in der Regel Anti-Viren-Programme und Firewalls austricksen müssen, um ihre Schadsoftware auf dem Rechner zu platzieren, können sie im Internet der Dinge quasi durch die Vordertür eintreten. Sogenannte Exploits, mit denen sich Sicherheitslücken in Betriebssystemen wie Windows ausnutzen lassen, sind nicht nötig. Tatsächlich ließen sich viele der missbrauchten Geräte offenbar schlicht mit Hilfe eines Standard-Passworts kapern.

Hunderttausend Thingbots

Haben Angreifer die Kontrolle über ein vernetztes Gerät übernommen, kann auch ein Router, ein Smart-TV oder eben ein Kühlschrank derart manipuliert werden, dass er Spam verschickt oder sich an einem Überlastungsangriff auf einen Server beteiligt. Der Besitzer eines derart zum sogenannten Thingbot umfunktionierten Geräts bekommt davon nichts mit. Beim Fernseher wird das Bild nicht schlechter, im Kühlschrank wird nichts auftauen, wenn er im Hintergrund ein paar E-Mails verschickt.

Denn mehr ist es oft nicht, was die Internet-Gangster den gekaperten Geräten abverlangen. Im konkreten Fall etwa sind laut Proofpoint pro Gerät nur zehn Spam-Nachrichten verschickt worden. Die geringe Zahl war offenbar gewählt worden, um Gegenmaßnahmen zu erschweren. Schickt ein einzelnes Gerät Tausende solcher Nachrichten, ließe sich das mit Schutzsoftware blockieren, schicken aber 100.000 Thingbots nur je zehn Nachrichten, ist eine Gegenwehr weit schwieriger.

Eine Goldgrube für Kriminelle

Angesichts der rasant zunehmenden Zahl in irgendeiner Weise vernetzter Geräte wächst dieses Problem. Wer sich jetzt darauf spezialisiert, Haushaltsgeräte als Thingbots auszunutzen, wird daraus viel leichter als bisher Botnetze weben können, in denen weit mehr Geräte als zuvor zusammengefasst sind - mit einer ungeheuren Schlagkraft.

Das zu verhindern, ist Sache der Hersteller. Sie müssen dafür sorgen, dass ihre Geräte nicht mehr mit Standard-Passworten geöffnet oder falsch konfiguriert werden können. Proofpoint-Manager Michael Osterman nutzt die Gelegenheit selbstverständlich, um ein bisschen für die Dienste seines Unternehmens zu werben: "Das heutige Sicherheitsmodell kann dieses Problem einfach nicht lösen."

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1. Selber Schuld ...
reever_de 17.01.2014
Was muss man sich auch so ein "hippes & trendiges" Gerät in die Küche stellen um damit vor Nachbarn und Freunden zu protzen was man für ein Nerd ist? Selber Schuld wenn nun der Kühlschrank spamt ... eigentlich nur zum Lachen.
2.
KarlFaktor48 17.01.2014
Entschuldigung, aber ich finde das total witzig.
3. Nunja...
chb_74 17.01.2014
Zitat von sysopdpaCyberkriminelle haben ein neues Werkzeug. Statt wie bisher Computer zu kapern, nutzen sie vernetzte Haushaltsgeräte für ihre Angriffe. Sicherheitsexperten haben erstmals eine Spam-Welle dokumentiert, an der auch ein Kühlschrank und TV-Geräte beteiligt waren. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/kuehlschrank-verschickt-spam-botnet-angriff-aus-dem-internet-der-dinge-a-944030.html
...hat ernsthaft jemand damit gerechnet, dass sowas nicht passieren könnte...? Bei Geräten, auf deren "tiefe" Prozesse der Nutzer so gut wie keinen Einfluss hat, führt schon eine kleine Schlampigkeit der Programmierung zu Lücken, die solche Kriminellen begierig ausnutzen - und anders als bei MS Windows gibt es sicher nicht den wöchentlichen "Patch Day", um die Lücken auszumerzen. Genau aus dem Grund werden solche Geräte bei mir auch absehbar keinen Platz im Haushalt finden, denn sie stellen ein Einfallstor in mein Heimnetzwerk dar, das ich letztlich nur begrenzt schützen kann.
4. Im Moment noch hip...
SPONU 17.01.2014
...übermorgen Standard. Dann werden diese Dinger mit Zugang ausgeliefert. Dann muss man -sofern man überhaupt kann- diese Funktionen aktiv ausschalten.
5.
totalmayhem 17.01.2014
Zitat von reever_deWas muss man sich auch so ein "hippes & trendiges" Gerät in die Küche stellen um damit vor Nachbarn und Freunden zu protzen was man für ein Nerd ist? Selber Schuld wenn nun der Kühlschrank spamt ... eigentlich nur zum Lachen.
Das Lachen wird ihnen Vergehen, wenn NSA und deren Handlanger im Bundesinnenministerium ihren Speiseplan ausspionieren. Rein vorsoglich natuerlich, Wunderwaffe im Krieg gegen den Terrorismus und so...
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Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potenziell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.


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