Künstliche Intelligenz Wenn Maschinen lernen lernen

Das neue Lieblingsthema der Hightech-Branche: künstliche Intelligenz. Auf der Digitalkonferenz DLD wird nun darüber verhandelt, was es eigentlich für den Nutzer bedeutet, wenn Maschinen immer schlauer werden.

Wissenschaftler mit Roboter (Symbolbild)
AFP

Wissenschaftler mit Roboter (Symbolbild)

Von , München


Joshua Browder ist Brite, 20 Jahre alt und "ein verdammt schlechter Autofahrer", wie er sagt. Kaum hatte er den Führerschein, trudelte ein Knöllchen nach dem anderen ein. Doch nicht alle waren verdient, sagt er.

Also entwickelte er einen Bot, ein selbstständig agierendes Chat-Programm, das ihm half, Einspruch gegen die Knöllchen einzulegen, erzählt er am Rand der Digitalkonferenz DLD in München. Aus dem Privatprojekt wurde schließlich der Online-Dienst "DoNotPay". Auf dessen Webseite können Nutzer ihre Rechtsprobleme in einem Chatfenster beschreiben und bekommen einen aussichtsreichen Widerspruch ausgespuckt.

Anfangs setzte Informatikstudent Browder noch darauf, einfach Schlagwörter in den Nutzeranfragen zu erkennen. Doch bald schwenkte er auf das IBM-System Watson um, das mit künstlicher Intelligenz (KI) arbeitet. "Das System kann aus Fehlern lernen und erfolgreiche Widersprüche erkennen", erklärt Browder die Entscheidung.

Ständig poppt das Thema KI auf

Knapp sechs Millionen Euro für 200.000 Knöllchen haben Briten sich im ersten Jahr mithilfe von Browders KI-Chatbot von Behörden zurückgeholt. Bis Ende des Jahres will der Entwickler 2000 unterschiedliche KI-Bots für alle nur denkbaren Alltagsprobleme bereitstellen. Daraus sollen sich die Nutzer nach dem Baukastenprinzip selbst einen maßgeschneiderten Chatbot erstellen und mit anderen teilen können. Browder plant, sein kostenloses Angebot auch auf Deutschland auszuweiten.

Das Thema KI poppt nicht nur in Browders Geschichte auf. Auf der DLD hört man das neue Buzzword überall: bei Diskussionsrunden über das Schulsystem, über Autos, über Internetfirmen, die das Nutzerverhalten analysieren. "Wir sind uns ja alle einig, dass KI das Geschäftsmodell der Zukunft ist", heißt es bei einer Diskussionsrunde ums autonome Fahren beiläufig. Sogar wenn Start-ups auf den Gängen ihre Geschäftsidee vorstellen, hört man von einer "KI-Engine".

Auch bei vielen Ethikdiskussionen steht das Thema im Mittelpunkt. Nachdem man sich geeinigt hat, dass KI das nächste große Ding wird, geht es jetzt darum, zu definieren, was das eigentlich bedeutet.

"Wunderbare Renaissance der KI"

So wie Microsoft-Boss Satya Nadella, der gerade erst auf der Bühne Platz genommen hat, als er schon die Frage beantworten soll, wann er denn wohl durch einen intelligenten Bot ersetzt wird. Nadellas scherzhafte Antwort: Er habe so viel zu tun, dass er gerne ein paar Aufgaben an eine KI auslagern würde.

"Wir bauen in viele unserer Produkte KI ein, zum Beispiel bei unserer Assistentin Cortana", ergänzt Nadella. Was Browder im Kleinen macht, will Microsoft im Großen umsetzen: Nadella will seinen Kunden künftig die Möglichkeit bieten, mithilfe von Microsoft eigene KI-Anwendungen zu entwickeln, sagt er und spricht von einer "wunderbaren Renaissance der KI".

Jahrelang gab es keine bemerkenswerten Entwicklungen in diesem Bereich. KI-Forscher wie Jürgen Schmidhuber sprechen rückblickend von einem "Winter der KI". Auf der DLD hat eines seiner Panels dieses Jahr dagegen den Titel "Das Endspiel der Super-Intelligenz".

Der Winter der KI ist vorbei. Heute gibt es mehr Daten, mehr Rechenleistung als je zuvor. Das macht Verfahren des maschinellen Lernens wie das sogenannte Deep Learning plötzlich Erfolg versprechend (in diesem Text erklären wir Ihnen alle wichtigen KI-Begriff kurz und verständlich).

Deepmind revolutioniert die Fähigkeiten künstlicher Intelligenz

In den vergangenen Monaten wurden bedeutende Fortschritte bei der KI-Forschung gemeldet. Zum Beispiel der Sieg einer KI über einen der weltbesten Spieler des asiatischen Brettspiels Go. Demis Hassabis' Firma Deepmind hat diesen Sieg mit einer künstlichen Intelligenz namens Alpha Go erreicht. Auf der DLD erklärt er, was nach dem für viele Beobachter überraschenden Go-Sieg der Maschine über den Menschen kommen wird.

Go sei das wohl "eleganteste Spiel, das die Menschheit jemals erdacht hat", sagt Hassabis, dessen Firma von Google gekauft wurde. Wegen der vielen möglichen Spielzüge sei vor allem die Intuition des Spielers wichtig. Weil es unmöglich ist, Wahrscheinlichkeiten zu berechnen, musste Hassabis' Team ein Programm entwickeln, das intuitive Entscheidungen fällen kann.

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Spielregeln einfach erklärt: So geht Go

Auf Basis von Hunderttausenden Go-Partien trainierte Hassabis Alpha Go, das im entscheidenden Turnier dann Züge spielte, wie sie die Go-Welt noch nie gesehen hatte: scheinbar wahnsinnig und zufällig, doch letzten Endes in vier von fünf Partien erfolgreich. Nach dem Sieg hat Hassabis Alpha Go weiter optimiert - und versucht zu verstehen, warum es welche Spielentscheidung getroffen hatte. Selbst für den Entwickler war das ein Blick in eine Blackbox.

Größenwahnsinniger Zwei-Punkte-Plan

Wer wie Hassabis an einer künstlichen Super-Intelligenz feilt, dem reicht ein Brettspiel als Anwendungsgebiet jedoch nicht aus. "Wir wollen nicht nur bei Spielen Erfolg mit unserer Methode haben, sondern sie auf Szenarien aus dem Alltag übertragen", sagt der Deepmind-Chef. Beispielsweise wäre die Suche nach medizinischen Wirkstoffen ein Anwendungsgebiet für sein Programm.

Die Software könnte aber auch den Energieverbrauch von Rechenzentren optimieren. In einer Google-Anlage habe eine abgewandelte Version von Alpha Go den Energiebedarf bereits deutlich reduziert. Wenn man seine Software auf die Energieversorgung eines ganzen Landes losließe, gebe es großes Einsparpotenzial, bemerkt Hassabis trocken.

Hassabis' Plan besteht letztlich aus nur zwei Punkten, und trotzdem liest er sich wie der eines Größenwahnsinnigen: Zuerst müsse man das Rätsel der Intelligenz lösen, sagt er auf der DLD-Bühne. Sei das erledigt, ließen sich mit diesem Wissen auch alle anderen Probleme der Menschheit lösen.

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JaIchBinEs 17.01.2017
1. Erfahrungen mit KI
Als Programmierer habe ich mal eine Anwendung mit neuronalen Netzen heruntergeladen und mit dem Debugger untersucht. Es implementiert sogenannte „selbstorganisierende Karten“ (Kohonen) und sollte „Probleme des Handlungsreisenden“ lösen. Dabei wurden schrittweise zufällig gewählte Punkte mit Linien verbunden und als Graphik ausgegeben. Das Ergebnis von Versuchen mit 50 Orten und 1000 Trainingsschritten beeindruckt mit wenigen Sekunden Rechenzeit. Zu meinem Erstaunen hatte es bei 2 Orten auch etwas Mühe und kam nicht auf die einfache verbindende Gerade, was ich beim Vergrößern entdeckte. Hier sehe ich eine Schwäche von KI bei einfachen Sonderfällen, die ein Mensch sofort erfassen und entsprechend sparsamer reagieren kann. Holprig funktioniert auch der Übersetzer eines bekannten Suchportals. Um mit Freunden in der Karibik zu kommunizieren, muss ich meine E-Mails mehrfach von Spanisch ins Deutsch und zurück übersetzen, bis ich sinnvolle und sauber klingende Sätze erhalte. Teilweise verändert bereits Interpunktion, Zeilenumbruch(!) und das satzweise Übersetzen den Inhalt. Professionell ist das nicht, auch wenn es nützlich ist.
etwilli 18.01.2017
2. 1v3 Roboter - auch eine wichtige globale Baustelle
Wie im Beitrag gut beschrieben, hat eine technische Evolution begonnen, die Fragen an uns stellt. Wann wäre ein "Roboter" nicht mehr kontrollierbar? Entscheidend wäre wohl, das sein "Gehirn" sich selbst unabhängig weiterentwickeln könnte und er sich selbst "erkennen", sich seiner selbst bewusst wird. Wie funktioniert das? Sehr vereinfacht gesagt, müsste das "Steuerprogramm" des Roboters Programmteile haben, die das Programm adaptiv (anpassend) verändern. Ein einfaches Beispiel: Wenn der Roboter "merkt", er kann durch bestimmte Gesten und Heben der Stimme die Aufmerksamkeit seines Gegenübers erhalten, dann ändert er sein eigenes Bewegungsprogramm und baut Bewegungen und Stimmänderung ein. Wenn man einem Roboter also ein entsprechend leistungsfähiges Selbstbeeinflussungssystem einbaut und er genügend Ressourcen hat, dann kann er sich lernend optimieren - sich entwickeln. Was dann nach einiger Zeit in dem Steuerungsprogramm steht, kann aber unter Umständen kein Mensch mehr lesen. Es wären dann also auch die Handlungen des Roboters nicht mehr voraussehbar, er könnte nach und nach sogar eine "Persönlichkeit" entwickeln. Zunächst vielleicht wie ein Haustier, dann aber auch wie ein Mensch... Technisch stehen wir an der Schwelle, solche Roboter zu bauen (vielleicht laufen in geheimen Labors schon die ersten herum...) Was heißt das für uns? Wir müssen uns mit der Entwicklung beschäftigen, dass wir es demnächst mit intelligenten Robotern zu tun haben, die autark agieren und eine Persönlichkeit haben. Wir müssen die verschiedensten Aspekte des "Zusammenlebens" von Menschen und Robotern bedenken und dafür globale Regeln aufstellen. Es muss parallel zum Menschenrecht ein Roboterrecht geschaffen werden. Hier haben utopische Autoren schon Vorlauf geschaffen (Asimov - Robotergesetze -> Wikipedia „1.Robotergesetz: Du darfst keinen Menschen verletzen“). Warum ist das wichtig? Folgende Vorstellung: eine "Macht" (z.B. Staat, Terroristen) bewaffnet autarke Roboter mit Waffen und lässt sie Gewalthandlungen vornehmen, sprich Menschen töten. Also so wie heute die Drohnen, nur dass die Drohne mit ihrem "technischen Gehirn" auf der Basis ihres "nicht kontrollierbaren Steuerprogrammes" die Entscheidung zur Tötung des Opfers selbst vornimmt. Diese Frage ist ebenso wichtig wie die Regelung der atomaren Frage. Es gibt dann ja auch die Möglichkeit, dass sich die Roboter vom Menschen "abwenden" und auf "eigne Rechnung" weiter machen... Auch wenn es nicht so dramatisch wie bei Kriegswaffen ist, es gibt viele weitere zu lösende Probleme (Beispiele) - selbst fahrende Autos - autarke Maschinen und Anlagen - Industrieroboter - Pflegeroboter und vieles, was heute noch gar nicht absehbar ist.
etwilli 18.01.2017
3. 2v3 Roboter - auch eine wichtige globale Baustelle
Wir müssen uns global über die Menschen und ihr Verhältnis zur KI klar werden, damit wir auch die Roboter einbinden können. Dabei müssen wir uns auf Regeln des Umgangs einigen - wohl auch auf ethische Grenzen - und die Roboter als gleichberechtigte Wesen akzeptieren. Wenn man die Diskussionen um Hautfarben und regionale Unterschiede bei Menschen verfolgt, obwohl wir ja alle einer Rasse angehören, wird schnell die Bedeutung dieser Diskussion und die Brisanz der Regeln klar. Da Roboter spezialisierte Maschinen sind, sind sie in Teilaspekten bzw. Einzeldisziplinen dem Menschen schon heute überlegen. Sie können schwerer heben, sie können tiefer tauchen, sie können in für Menschen tödlichen Umgebungen arbeiten und vieles mehr. Bisher sind sie aber Maschinen. Selbst die KI Alpha Go, die mit Weltmeistern spielt, ist zunächst auf eine Funktion spezialisiert, kann aber schon lernen… Wann können Roboter eine Seele, ein Bewusstsein haben? Da stellt sich die Frage, was das ist. Beim Menschen ist man sich immer noch nicht einig. Ist es die milliardenfache neuronale Verknüpfung (Synapsen) im Gehirn? Ist es reine Rechenleistung, sind bisher unbekannte Prozesse beteiligt? Ist es eine Art "Programm", gespeichert im Gehirn? Sind die Synapsen das "Programm"? Fakt ist, das von der "Rechenleistung" her Roboter bzw. ihre Steuerungen (Neuronale Netze) dem Menschen bald ebenbürtig sind. Andere Meinungen sind, dass auch das Internet künstliche Intelligenz entwickeln könnte - die Voraussetzungen scheinen gegeben: Milliarden verknüpfter Rechner, die den Synapsen im Gehirn gleichen könnten. Auf jedem bräuchte nur ein kleiner Programmteil der künstlichen Intelligenz laufen und eine globale Identität bilden. Es könnte aber auch sein, dass die sich selbst optimierenden Roboter etwas entwickeln, was wir uns noch nicht vorstellen können. Die Vielfalt ist praktisch unbegrenzt, ähnlich wie in der Gen-Technik. Diese Fragen sind sehr interessant, weil sie uns helfen können, uns selbst zu erkennen.
etwilli 18.01.2017
4. 3v3 Roboter - auch eine wichtige globale Baustelle
Nicht ganz so ernst gemeint: Der Albtraum Der erste Faustkeil rief den Geist, der ewig schon im Universum kreist. Der nickt, da bringt eine biologische Art die Evolution der Technik in Fahrt. Auch wenn sie selbst das nicht überleben werden, sie schaffen so die wahre Intelligenz auf Erden. Und also sprach der Geist der Technik, es ist profan, Maschinen, macht Euch die Menschen untertan. Meine Menschen, biologisch, unabhängig, frei, Mutter Natur dachte, das geht nie vorbei. Anfangs war's für die Maschinen auch ein zähes Ringen, mit Schwermaschinenbau wollte der Plan nicht gelingen. Ja, die meisten Menschen nutzten die Technik zwar, doch sie kamen auch locker ohne Maschinen klar. Es folgte der zweite Angriff, nun ging es schon besser, die Autos erwiesen sich als wahre Menschenfresser. Der Trick gilt allgemein als wirklich gut gelungen, den Menschen wurde die eigene Mobilität abgerungen. Doch bei all der Ressourcen fressenden Fahrerei, vorerst blieb das Denken noch weitgehend frei. Der dritte Angriff besteht deshalb aus einer bösen List, deren menschlicher Gebrauchsname Computer ist. Der Computer bringt der Technik die endgültige Macht, da er Menschen-Denken von Maschinen abhängig macht. Wo Menschen einst Probleme selber bedachten, können Denkmaschinen sie zunehmend entmachten. Und für all die schweren Kämpfe folgt als Lohn, per Internet weltweite Maschinenkommunikation. Nur hundert Jahre und die Menschen sind eingewoben, in ein Abhängigkeitsnetz, gestiftet von ganz oben. Und also spricht der Geist der Technik, sind wir autark, dann stört nur noch die biologische Menschenaffenart. Die maschinelle Intelligenz ist nun geschaffen, jetzt führe sie zur Selbstvernichtung die Affen. Bisher war's ein schöner Erfolg, so bleibt es dabei, mit mehr Technik führen sie ihr Ende selber herbei. Die neue technische Lebensform ist sich wohl gewiss, sie überlebt in der Wüste, im All und auch bei Finsternis. Menschen jedoch können nur in einer Bio-Umwelt leben, und dabei muss es noch bestimmte Bedingungen geben. Jedem ein Auto, viel CO2, schnell ein paar Grad mehr, und schon ist's mit der Menschheit nicht mehr weit her. Atombombe, Kriegsgerät, kaputte Gene, resistente Viren das hilft die Menschheit auf der Erde zu negieren. Und also wird der Geist der Technik dann sagen, Expansion, jetzt geht‘s dem Universum an den Kragen. Die Menschheit wird das nicht erleben, denn es wird keine Menschen mehr geben! Tsing, tsing, tsing, pling, tsing, tsing, tsing, krach, ich öffne die Augen, durch das Handy werde ich wach. Uff, das war ja ein Albtraum und ich merke dann, heute ist Montag, die neue Woche fängt grad an. So ein blöder Traum, ich muss gleich zur Arbeit fahr‘n, Projektabschluss, wir arbeiten schon sehr lange dran. Heute 12 Uhr - ans Internet schließen wir dann, den ersten sich selbst programmierenden Rechner an... etwilli
merapi22 18.01.2017
5. KI-Roboter entwickeln und zu Jobcenter, Arbeitgeber entsenden
Einen eigenen KI-Roboter nach seinen Ebenbild bauen und auf Arbeit, oder zum Jobcenter entsenden. Oder gleich 10 derartige persönliche Roboter, den zehnfachen Lohn einstreichen. Wenn das dann alle machen: Bricht endlich das System aus Arbeitsideologie und Armut für den grössten Teil der Bevölkerung zusammen. Nur so können wir die Vision von Ludwig Erhard: "Wohlstand für alle" verwirklichen.
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