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Kostenloser Trashfilm "Kung Fury" ist grandioser Wahnsinn

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Filmszene aus "Kung Fury": Eine Hommage an die TV-Helden der Achtzigerjahre
Laser Unicorns

Filmszene aus "Kung Fury": Eine Hommage an die TV-Helden der Achtzigerjahre


Laser-Dinos, abtrünnige Cops und VHS-Störstreifen: Mit der Action-Komödie "Kung Fury" hat Regisseur David Sandberg dem Achtzigerjahre-Fernsehen ein Denkmal gesetzt. Den per Crowdfunding finanzierten Film kann man jetzt kostenlos auf YouTube sehen.

Der erste Schocker lässt dabei nicht lang auf sich warten: Mit bloßen Fäusten prügelt der Actionheld auf den wildgewordenen Spielautomaten ein, der sich mit Münzen aus der Parkuhr am Leben hält. Dann passiert es: Der Ton eiert, Störstreifen ziehen sich quer durch das Bild. Bei dieser Szene zuckt jeder zusammen, der schon einmal einen Film auf einer VHS-Kassette mit defektem Magnetband aufgenommen hat.

Doch der schwedische Regisseur David Sandberg hat Erbarmen mit seinen Zuschauern und lässt die Trash-Komödie "Kung Fury" nach ein paar Sekunden fehlerfrei weiterlaufen. Dieser Gag musste wohl sein, schließlich sind die VHS-Bildstörungen eines der prägendsten TV-Erlebnisse der Achtzigerjahre.

Über eine Million Mal aufgerufen

Am Donnerstagabend hat "Kung Fury" Premiere bei YouTube gefeiert. Über Nacht haben den Film bereits mehr als eine Million Nutzer angeklickt - und die meisten Zuschauer sind begeistert. "So verdammt gut", schreibt ein Nutzer bei Twitter. Ein anderer twittert: "'Kung Fury' hat meine Erwartungen übertroffen. Ein 30-minütiges Fest für Menschen mit Trashfilm-Affinität."

Hier gibt es "Kung Fury" in voller Länge:

Die Lobeshymnen sind angebracht. Denn Sandberg trifft den Zeitgeist der Achtzigerjahre, sein Film ist grandioser Wahnsinn. Der Held etwa ist ein abtrünniger Cop, trägt Chucks, Lederjacke und Stirnband. Nachdem er von einer Kobra gebissen und einem Blitz getroffen wurde, wird Kung Fury - den Sandberg selbst spielt - zum Kampfkunst-Helden und will den Kung-Führer Adolf Hitler ausschalten.

Doch nach einer Zeitreise landet Fury versehentlich in der falschen Epoche, was ihm nach einem kurzen Dialog mit den Einheimischen klar wird. "Es ist das Wikinger-Zeitalter", erzählt ihm eine Kriegerin, die auf einem Wolf reitet. "Das erklärt den Laser-Raptor", denkt sich Kung Fury.

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"Kung Fury": Trash-Film parodiert die Achtziger
Hammer time

Nur noch Thor kann jetzt helfen. Und auch der Donnergott legt noch einmal nach, mit dem Zitat aus einem Song, der in den Achtzigern aufgenommen wurde. Thor schwingt seinen Hammer und öffnet eine Zeitreise-Pforte mit den Worten: "Hammer time".

Irgendwann hat sogar die Achtziger-Ikone David Hasselhoff einen Auftritt. Immerhin hat der Star aus der Serie "Knight Rider" den Titelsong "True Survivor" eingesungen und war extra nach Schweden gereist, um ein Musikvideo mit Sandberg zu drehen.

Die Gags aus dem Film dürften vor allem Zuschauern gefallen, die das Achtziger-Fernsehen als Kinder erlebt haben: Menschen, die Serien wie "Masters of the Universe" und "Renegade - Gnadenlose Jagd" gesehen haben, die ihre Freizeit in Spielhallen verbracht und miterlebt haben, wie sich der Spiel-Controller "Power Glove" von Nintendo als Rohrkrepierer entpuppte. Mit seinen skurrilen Werbeclips, bunten Zeichentrick-Einlagen und Dinosaurier-Attacken vermittelt "Kung Fury" einen gar nicht so realitätsfernen Eindruck von damaligen Fernseh-Sonntagen.

Nazihorden aus dem Computer

Mit den 630.000 Dollar, die er über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter eingenommen hat, hat David Sandberg übrigens vor allem die Spezialeffekte und die Postproduktion des Films finanziert. Gedreht wurde "Kung Fury" größtenteils in Schweden, der Heimat des Regisseurs. Der Film spielt zwar in den USA, doch aufgrund des zunächst kleinen Budgets hatte Sandberg sich entschieden, die meisten Szenen vor einer grünen Wand zu drehen.

3D-Spezialisten haben später die Explosionen und Nazihorden eingefügt. So sind etwa die Beamten im Polizeirevier zunächst auf einem Laufband gefilmt und erst später in das virtuelle Büro eingebaut worden. Auch die Armee des Kung Führer besteht aus vielen einzeln gefilmten Akteuren. Doch für einen Trash-Film sind die Effekte ziemlich gut - so gut, dass die Profis immer mal wieder eine Störung einbauen mussten.

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3 Leserkommentare
Beteigeuze 30.05.2015
surkan_stabowich 30.05.2015
histo4535 01.06.2015

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