Google-Chef: Android ist "nicht entscheidend" für Google

Wenn ein Konzern wie Google Milliarden Dollar in den Ausbau seiner Mobil-Sparte investiert, scheint deren Bedeutung ziemlich offensichtlich. Von wegen! Vor Gericht hat Firmenchef Larry Page jetzt die Rolle des Betriebssystems Android heruntergespielt.

Google-Logo hinter Android-Maskottchen: Google käme auch ohne Handy-Software aus Zur Großansicht
AP

Google-Logo hinter Android-Maskottchen: Google käme auch ohne Handy-Software aus

Im Java-Patentstreit mit Oracle hat das Gericht in Kalifornien sich am Mittwoch einen interessanten Film angeschaut: die Aufzeichnung der schon im August letzten Jahres aufgenommenen Aussage von Google-Chef Larry Page. Fast eine Stunde lang stellte er sich den Fragen des Gerichts. Eine überaschende Aussage des Firmengründers betrifft die Rolle des Mobilgeräte-Betriebssystems Android für das Unternehmen. Die Software-Plattform sei "wichtig, aber nicht entscheidend", sagte Page demnach.

Android steht im Zentrum der Klage: Das System basiert auf der offenen und kostenlosen Programmiersprache Java. Seit 20120 gehört deren Entwicklerfirma jedoch zum Softwarekonzern Oracle, der nun Schadensersatz von Google fordert. Oracle wirft Google vor, sieben seiner Patente mit Android zu verletzen - von mehr als sechs Milliarden Dollar ist die Rede.

Googles mobiles Betriebssystem - ein Nett-zu-haben-Extra, das keine kritische Rolle für das Unternehmen spielt?

"Das ist einfach nur dumm", kommentiert etwa "BusinessInsider" die Aussage des Google-Chefs. Andere unterstützen die These, dass der Konzern wohl kaum mehrere Milliarden Dollar in den Kauf von Motorolas Handysparte investieren würde, wenn der Mobile-Bereich nur eine untergeordnete Bedeutung für die Gesamtstrategie hätte.

Doch Page, dessen Auftreten unter anderem der "Guardian" als unsicher beschreibt, wurde augenscheinlich von seinen Anwälten gut vorbereitet. Es würde ihn nicht wundern, wenn der Aufsichtsrat eine andere Auffassung zur Rolle von Android habe, sagte er weiter. Das hänge wohl davon ab, wie man "entscheidend" definiere.

Der Prozess gegen Google hat in dieser Woche begonnen und soll zwei Monate dauern. Unter anderem halten Oracles Anwälte der Beklagten vor, sich bewusst gewesen zu sein, dass ein Lizenzabkommen nötig und angemessen gewesen wäre. Im Kern steht die Frage, ob die freie Programmiersprache Java in so essentieller Weise für ein neues Produkt - Android - genutzt werden darf, ohne dass dessen Hersteller dafür zur Kasse gebeten wird.

Larry Page ist nicht der einzige, der vor Gericht ausweichende Antworten gibt. Bereits zuvor war sein Namensvetter, Oracles Firmenoberhaupt Larry Ellison, in den Zeugenstand gerufen worden. Auf die Frage, ob Java frei sei, verweigerte Ellison eine klare Antwort und sagte stattdessen: "Ich weiß es nicht."

can

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Ha.Maulwurf 19.04.2012
Zitat von sysopAPWenn ein Konzern wie Google Milliarden Dollar in den Ausbau seiner Mobil-Sparte investiert, scheint deren Bedeutung ziemlich offensichtlich. Von wegen! Vor Gericht hat Firmenchef Larry Page jetzt die Rolle des Betriebssystems Android heruntergespielt. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,828453,00.html
Anders gesagt, die geschätzte Frau Neumann glaubt, dass ihre Einschätzung über die Strategie der Firma richtiger ist, als die des Firmenchefs? Natürlich _ist_ Android für Google wichtig, aber bei knapp 50 Milliarden Barreserven ist auch der Kauf von Motorola keine Entscheidung über Leben und Tod.
2. Das glaube ich gerne
al2510 19.04.2012
Man kann bei der Menge von Entwicklern jeder Zeit eine neue Platform bauen. Und was gibt es besseres für eine Firma, als ein neues Produkt, dass mit dem alten nicht kompatibel ist, dann müssen alle sich ein neues Gerät kaufen. So viel Arbeit steckt in Android auch nicht.
3.
Abbuzze 19.04.2012
Mit Android verdient Google kein Geld, da es kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Einzig die Gebühren im Market erwirtschaften Umsatz. Insofern ist die Aussage richtig, das Android für Google nicht entscheidend ist. Langfristig sinnvoll ist natürlich eine andere Sache.
4. schlechte Recherche
Mr Bounz 19.04.2012
Zitat von sysopAPWenn ein Konzern wie Google Milliarden Dollar in den Ausbau seiner Mobil-Sparte investiert, scheint deren Bedeutung ziemlich offensichtlich. Von wegen! Vor Gericht hat Firmenchef Larry Page jetzt die Rolle des Betriebssystems Android heruntergespielt. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,828453,00.html
Bei bereits 5 der angeblichen Patente ist entschieden das die Patente entzogen werden. Es geht nur noch um 2 Patente und einen Streitwert von 1 Milliarde. Lustig finde ich das eine frei Programiersprache nicht frei ist wenn Google sie benutzt.
5.
Konstruktor 19.04.2012
Zitat von AbbuzzeMit Android verdient Google kein Geld, da es kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Einzig die Gebühren im Market erwirtschaften Umsatz. Insofern ist die Aussage richtig, das Android für Google nicht entscheidend ist. Langfristig sinnvoll ist natürlich eine andere Sache.
Umsatz ist nicht Gewinn. Google spart sich u.a. im Gegensatz zu Apple die Prüfung eingestellter Apps, aber da im Market viel mehr kostenlose Apps geladen werden, müssen sie auch mehr quersubventionieren. Ist also unwahrscheinlich, daß Google damit Gewinn macht – was Apple bei gleichem Umsatzanteil (und trotz viel höherem Gesamt-Umsatz) ja auch nicht tut. Nein, Google ist eine *Werbefirma* und ihre tatsächlichen *Kunden* sind Firmen, die Werbung über sie buchen. Android war vor allem anderen der Versuch, im Mobil-Bereich Googles Werbe-Umsätze zu pushen. Und obwohl die meisten kommerziellen Android-Apps sich über Werbung finanzieren (von der ein erheblicher Anteil über Google verkauft wird), ist der Gesamt-Werbe-Umsatz von Google über das Konkurrenz-System iOS meines Wissens immer noch höher als über Android, und das trotz inzwischen höheren Stückzahlen bei Android. Es ist also immer fraglicher, ob es sich wirklich gelohnt hat, sich Apple, Sun/Oracle und viele andere zu direkten Konkurrenten und Gegnern zu machen, nachdem sie zuvor noch mit den meisten davon gut zusammengearbeitet hatten. Sieht inzwischen eher nach einer ziemlich gescheiterten Strategie aus.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Web
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 14 Kommentare
Zur Autorin
  • Carolin Neumann berichtet und bloggt aus Hamburg über die Zukunft der Medien. Nebenbei schaut sie viel zu viele Serien.

Netzwelt auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel.


Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon kaufen.