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Lauschangriff per Trojaner: Staatliche Lottogesellschaft ließ illegal E-Mails auslesen

In Deutschlands Unternehmen und Behörden geht das Schnüffelfieber um. Der Skandal um die Bayerische Lotterieverwaltung zeigt einmal mehr, dass die vorhandenen technischen Möglichkeiten stets ausgeschöpft werden - egal, ob dies legal ist oder nicht.

München - Die Staatliche Lotterieverwaltung in Bayern sieht sich mit Spionagevorwürfen konfrontiert. Die dem Landesfinanzministerium unterstellte Behörde hatte ein Detektivbüro mit der Beschaffung von Informationen für einen Zivilprozess beauftragt. Dabei drang einer der Ermittler in einen privaten Computer ein und spähte den E-Mail-Verkehr per Trojaner aus.

Lotto: Deutschlands staatlich sanktioniertes Glücksspiel ist eine Institution, genießt das Vertrauen der Tipper
DPA

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Dies geht aus einer eidesstattlichen Erklärung des Detektivs hervor, der sich darin selbst der Tat bezichtigt. Das Schriftstück liegt der Nachrichtenagentur ddp vor.

Die Grünen des Landtages zeigen sich entsetzt. Der Grünen-Abgeordnete Martin Runge forderte am Samstag "unverzüglich personelle und organisatorische Maßnahmen" bei der Lotterieverwaltung und im Ministerium. Es müsse eine umfassende Aufklärung der Vorgänge und ein Ende des illegalen Geschehens geben, sagte Runge.

Doch das Finanzministerium sieht als Aufsichtsbehörde derzeit keinen Grund zum Eingreifen. Ministeriumssprecherin Judith Steiner verwies auf die Lotterieverwaltung als Ansprechpartnerin für den Fall. "Wir äußern uns dazu nicht", sagte Steiner.

Was möglich ist, wird auch gemacht

Dafür geht immerhin der Präsident der Lotterieverwaltung, Erwin Horak, sehr offen mit den Vorwürfen um. Er bestätigte, dass seine Behörde eine Münchner Detektei mit Ermittlungen betraut habe. Es sei dabei um Informationen und Beweise für einen Zivilprozess der Lotterieverwaltung gegen einen Betreiber von zwei Lotto-Annahmestellen in Schwabach in Mittelfranken, gegangen.

Horak wirft dem Mann vor, mit einem privaten Lottovermittler zusammengearbeitet zu haben. Dies sei ein Verstoß gegen Verträge mit der staatlichen Lotterieverwaltung. Horak sagte, es gehe um Beträge in Millionenhöhe, die unrechtmäßig an Provisionen kassiert worden seien. Ein Urteil steht hier aber noch aus.

Methoden, die der Polizei verboten sind

Die Münchner Detektei nahm der eidesstattlichen Erklärung zufolge im Oktober 2006 Kontakt zu Detektiv Hans R. in Wassertrüdingen auf. Der Chef der Münchner Detektei habe ihn beauftragt, drei E-Mail-Adressen anzuzapfen und auf Hinweise für eine Zusammenarbeit des Mannes mit einem privaten Spielevermittler zu überprüfen. Der Detektiv räumte ein, dass ihm solche Spähattacken bereits bei anderen Ermittlungen mehrfach geglückt seien.

Lotteriechef Horak betonte, er habe nichts von diesen Ermittlungsmethoden gewusst. Horak versicherte, die Detektei sei bei der Beauftragung ausdrücklich darauf hingewiesen worden, "dass alles nach Recht und Gesetz geschehen muss". Das Verhalten der Detektei sei deshalb "völlig inakzeptabel". Darum habe man bei der Staatsanwaltschaft Ansbach auch Anzeige erstattet.

Ulrich Meyer, ddp

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