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Leserbeteiligung: Das Kreuz mit den Foren

Wer eine lebendige Webseite produzieren will, muss seine Leserschaft beteiligen. Für Verlagshäuser ist das nicht nur ein juristisches, sondern auch ein logistisches Problem: Foren unter dem Dach großer Marken sind für die Anbieter ein wahrer Drahtseilakt.

Angesichts sinkender Auflagen versuchen immer mehr US-Zeitungen, ihre Leser im Internet stärker einzubinden. Dazu gehört auch die Möglichkeit, dass sie Beiträge kommentieren und eigene Berichte online einstellen können. Aber die Anonymität des Internets führt auch dazu, dass dies für Obszönitäten und rassistische Bemerkungen genutzt wird, die so nie in einer gedruckten Zeitung erscheinen würden.

Zeitungs-Leserin: Immer mehr US-Zeitungen wollen ihr Publikum auch im Netz an sich binden
AP

Zeitungs-Leserin: Immer mehr US-Zeitungen wollen ihr Publikum auch im Netz an sich binden

Auf der Website der Zeitung "The Tennessean" aus Nashville wurde zum Beispiel kürzlich den Angehörigen einer ethnischen Gruppe geraten, "da wieder hinzugehen, wo ihr hergekommen seid", andere wurden mit Insekten verglichen. Solche Ausfälle sind in Internet-Chat-Rooms oder in nicht moderierten Diskussionsforen zwar nicht ungewöhnlich, für Zeitungen stellt sich aber die Frage, wie sie ihre Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu den Online-Medien erhöhen, gleichzeitig ihre Standards in Anstand, Fairness und Verlässlichkeit beibehalten können.

Für Sree Sreenivasan, Direktor des Bereichs Neue Medien an der Journalistenschule der Columbia Universität, wiegt die Leserbeteiligung das Negative auf. "Viele Menschen wollen etwas tun, wenn sie eine Geschichte lesen", sagt Sreenivasan. "Früher konnte man das nur dem Kollegen an der Kaffeemaschine erzählen, wenn man empört war. Jetzt leitet man es an hundert Leute weiter und schreibt dazu: 'Da müssen wir etwas tun.'"

Wenn die Trolle kommen, bleibt nur das Notaus

Es gibt aber auch einige spektakuläre Fehlschläge. Die "Los Angeles Times" musste 2005 ein interaktives Online-Editorial über den Irak-Krieg nach nur drei Tagen schließen, weil die Seite mit vulgären Ausdrücken und pornografischen Bildern überschwemmt wurde. Zwar können Zeitungen die Online-Beiträge durch automatische Filter oder auch Redakteure überwachen lassen, aber das kostet Geld, das in einer Zeit, in der auch in den Redaktionen gespart wird, knapp ist.

Wie Leserkommentare am besten überwacht werden können, sei eine offene Frage, sagt Randy Bennett, Vizepräsident des Verbands der amerikanischen Zeitungsverleger (Newspaper Association of America). "Es geht darum, ein breites Publikum zu erreichen, dieses Publikum zu binden und Anzeigen zu verkaufen", sagt Bennett. Die Zeitungen machen derzeit fünf bis sieben Prozent ihres Umsatzes mit ihren Websites, der Anteil wird in den nächsten Jahren vermutlich aber noch steigen.

Einige Verleger befürchten, dass eine zu starke Kontrolle die Leser vertreibt. Die Zeitung "USA Today" lässt seit März Kommentare zu allen ihren Artikeln zu und hatte seitdem mehr als 140.000 Beiträge zu verzeichnen. "Das ist ein Drahtseilakt, bei dem wir versuchen, die richtige Umgebung zu schaffen, die auch unsere Marke widerspiegelt, und dabei gleichzeitig nicht zu sehr zu kontrollieren", sagt Chefredakteur Kinsey Wilson.

Kommentieren ist gut, Kontrolle ist besser

Eine der wenigen Zeitungen, die jeden Online-Beitrag kontrollieren lässt, ist die "New York Times". Nach dem Amoklauf an der Hochschule Virginia Tech waren fünf Redakteure gleichzeitig damit beschäftigt, alle Kommentare zu sichten, sagt Vivian Schiller, Vizepräsidentin und Geschäftsführerin von NYTimes.com. Damit solle sichergestellt werden, dass die Qualität der Zeitung sich auch im Internet spiegele, erklärt Schiller. "Ich kann die Leute nicht verstehen, die sagen, 'wir kapitulieren einfach vor den irrelevanten Informationen auf unserer Website'."

Für die Verleger, die noch auf der Suche nach dem richtigen Weg sind, wie sie die Diskussion unter ihren Lesern in die richtigen Bahnen lenken können, ist es vielleicht beruhigend zu wissen, dass auch Internet-Giganten damit immer noch ihre Probleme haben. Im Dezember mussten die Leser der Nachrichtenseite von Yahoo feststellen, dass etwas fehlte. Statt der üblichen Kommentarspalte gab es nur eine Mitteilung von Yahoo, in der es hieß, eine kleine Gruppe wortgewaltiger Nutzer habe die Diskussionen dominiert. Dann wurde angekündigt, dass das Diskussionsforum in einer anderer Form wiederkehren werde, die eine "bessere Diskussion unter allen unseren Nutzern" fördern werde.

Travis Loller, AP

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