Netzwelt-Ticker: Encyclopaedia Britannica nur noch online

Von

Nach 244 Jahren nur noch online: Die Encyclopaedia Britannica zieht komplett ins Web um. Außerdem im Überblick: US-Kartellbehörde will Googles Verträge mit Apple prüfen, Datenschützer kritisieren den Facebook-Zwang bei Spotify.

Encyclopaedia Britannica: Print-Version wird eingestellt Zur Großansicht
REUTERS

Encyclopaedia Britannica: Print-Version wird eingestellt

Beinahe ein Vierteljahrtausend, 244 Jahre, gab es die Encyclopaedia Britannica in gedruckter Form. Die Ausgabe von 2010 umfasste 32 Bände und sie wird die letzte ihrer Art sein. Die Macher der altehrwürdigen Wissenssammlung erklärten, man wolle sich künftig auf das Online-Geschäft konzentrieren. Ohne die durch den Papierdruck bedingten Begrenzungen könnten die einzelnen Einträge mit größerer Tiefe behandelt werden.

Firmenchef Jorge Cauz schreibt zum Ende der gedruckten Ausgabe: "Schon jetzt übersteigt unser digitaler Datenbestand unsere Möglichkeiten bei weitem, was wir noch in Druckfassungen unterbringen können. Und er ist aktuell, weil wir imstande sind, ihn innerhalb von Minuten zu aktualisieren, was wir mehrmals am Tag tun."

Nun wird allen Interessenten zum Jahresabopreis von 69,95 Dollar ein vollständiger Zugang zur kompletten Online-Ausgabe gewährt. Die Nutzung der Online-Britannica soll nun anlässlich der Einstellung der gedruckten Ausgabe eine Woche lang gratis sein. Von der letzten Auflage wurden überhaupt nur noch 8000 Stück abgesetzt, weitere 4000 stehen noch zum Verkauf bereit.

US-Kartellamt verlangt von Apple Details zum Google-Pakt

Die US-Kartellbehörde FTC untersucht Googles Geschäftsgebaren. Im Rahmen der Ermittlungen hat nun Apple Post bekommen. Der Elektronikkonzern soll über die geschäftlichen Rahmenbedingungen Auskunft geben, unter denen er die Google-Suchmaschine als Voreinstellung auf iPhones und iPads installiert. Wie "Bloomberg" unter Berufung auf Insider berichtet, will die Behörde Einsicht in die entsprechenden Verträge nehmen. Einzelne Details könnten die Frage zu klären helfen, inwieweit Google seine vorherrschende Stellung bei der Internetsuche missbraucht, um seine Erträge im mobilen Werbemarkt zu steigern. Neben Apple haben noch weitere Elektronikhersteller gleichlautende Schreiben von der FTC erhalten.

Datenschützer kritisieren Facebook-Zwang bei Spotify

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar bezeichnet den Anmeldevorgang des Online-Musikdienstes Spotify in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" als rechtswidrig. So sei ein Zugang zu Spotify nur mit einem Profil beim sozialen Netzwerk Facebook möglich.

Wer sich bei Spotify anmeldet, muss sein Facebook-Konto mit dem Dienst verknüpfen. Standardmäßig ist damit auch ein Dienst aktiviert, den Spotify euphemistisch als "automatisches Posten" bezeichnet: Spotify veröffentlicht auf Facebook für jeden ersichtlich, was man gerade hört. Man kann dies nachträglich in der Spotify-Software unterbinden (Bearbeiten > Einstellungen > Musik, die ich höre, auf Facebook teilen).

Schaar verwies auf das Telemediengesetz, das Anbieter dazu verpflichte, eine anonyme oder pseudonyme Nutzung des Dienstes anzubieten. Spotify gewähre dieses Recht jedoch nicht, da Nutzer sich zunächst bei Facebook registrieren müssten. (lis/afp)

"Warum ich Google verlassen habe"

Über ehemalige Arbeitgeber zu reden, bedeutet häufig, kritisch zu reden. James Whittaker macht da keine Ausnahme, wenn er über seine dreijährige Zeit als Technischer Direktor für Google+ räsoniert. Passenderweise im Blog seines neuen Arbeitgebers Microsoft, für den er schon einmal, vor seiner Zeit bei Google, arbeitete. Den Anspruch auf Objektivität erhebt Whittakers Abrechnung sicher nicht, aber immerhin spricht da jemand über Unternehmenskultur, der in der entsprechenden Firma tatsächlich gearbeitet hat. Whittaker schreibt:

"Das Google, für das ich mich begeisterte, war ein Technologie-Unternehmen, das seine Mitarbeiter zur Innovation ermunterte. Das Google, das ich verließ, war eine Werbefirma mit einem rein unternehmensbezogenen Fokus."

Das Internetportal Cnet findet den Whittaker-Rant reichlich albern: "Wo war dieser Mann begraben? Willkommen in der wirklichen Welt. Nach zehn Jahren verändern sich Unternehmen eben."

Auch das noch:

  • Google lässt sich Werbung beim Rufzeichen patentieren. Keine Sekunde ohne Werbung, scheint das Motto des Suchmaschinenbetreibers. Ein neues Patent beschreibt, wie das Rufzeichen beim Wählen einer Telefonnummer und dem Warten bis zum Abheben durch Reklame ersetzt wird. Die Spots sollen personalisiert und standortbezogen sein.
  • Pentagon-Forschungschefin wechselt zu Google. Bislang leitete Regina Dugan die Darpa, die militärische High-Tech-Schmiede der USA. Nun zieht sie ins gehobene Google-Management um. Vielleicht wird sie künftig dem geheimnisumwitterten "Projekt X" vorstehen.
  • Firefox 11 ist da. Mit leichter Verspätung, denn die Mozilla-Mannschaft wollte noch den Microsoft-Patchday abwarten und Genaueres über neu entdeckte Sicherheitslücken in Erfahrung bringen.
  • Xbox-360-Fehler löscht Spielfortschritte. Da hat man sich mühsam hochgespielt und dann steht man beim nächsten Einschalten der Konsole plötzlich wieder ganz am Anfang eines Spiels. Die Leerung des Caches und der erneute Download des Profils von den Xbox-Live-Servern sollen Abhilfe bringen.
  • BBC beschuldigt Iran wegen Cyber-Attacke. Sender-Direktor Mark Thompson wies auf "Koinzidenzen" mit anderen Ereignissen zum Nachteil der BBC hin. Außerdem sei der BBC-Empfang in Iran behindert worden, es habe Versuche gegeben, die Londoner Zentrale mit automatisierten Telefonanrufen zu überfluten.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
dongerdo 14.03.2012
So sehr ich es von wirtschaftlicher Seite verstehen kann - das die Encyclopaedia Britannica als Print eingestellt wird tut schon weh. Natürlich ist sie teuer, unpraktisch, sperrig und und und, aber es ist noch immer quasi ein Stück Menschheitsgeschichte.... Ich bin echt am überlegen ob ich mir die letzte Auflage zulege....
2.
murun 14.03.2012
Zitat von dongerdoSo sehr ich es von wirtschaftlicher Seite verstehen kann - das die Encyclopaedia Britannica als Print eingestellt wird tut schon weh. Natürlich ist sie teuer, unpraktisch, sperrig und und und, aber es ist noch immer quasi ein Stück Menschheitsgeschichte.... Ich bin echt am überlegen ob ich mir die letzte Auflage zulege....
Auf jeden Fall wird es heutzutage keine Wertanlage sein wie in früheren Zeiten, sondern nur nur ein eine Erinnerung an alte Zeiten. Brockhaus ca. 3.000 Euro, andere grundlegende Nachschlagewerke wie das "Allgemeine Künstlerlexikon" mit Preisen pro Band von mehr als 250 Euro (man ist seit 1991 gerade beim Buchstaben G angelangt, pro Jahr kommen vier Bände heraus) sind auf Dauer für mich tote Projekte. Außer gut positionierte Bibliotheken kann sich so etwas niemand leisten.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Web
RSS
alles zum Thema Netzticker
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 2 Kommentare
Zum Autor
  • Richard Meusers schreibt als Autor für SPIEGEL ONLINE über die Digitalisierung.

Netzwelt auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel.

Fotostrecke
Bücherdigitalisierung: Vom Bütten zum Bit


Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon kaufen.