Lichtmalerei Fotokünstler malt den Matrix-Effekt

Kamera, Stativ, eine Taschenlampe und viel Belichtungszeit: Mit ganz einfachen Mitteln malt der finnische Künstler Janne Parviainen beeindruckende Lichtgemälde in die Dunkelheit. Wenn es in Helsinki draußen mal zu hell ist, weicht er ins Wohnzimmer aus.

Janne Parviainen/ jannepaint.com

Wenn Janne Parviainen zum Fotografieren aufbricht, ist es meistens ganz dunkel draußen. Der 32-jährige Künstler aus Helsinki braucht kaum Licht zum Fotografieren, das bringt er selbst mit: Er hat ein Stativ, eine Spiegelreflexkamera und LED-Taschenlampen in verschiedenen Farben dabei. Mit denen malt er seine Motive.

So entstehen Fotos wie dieses: Ein Treppenaufgang, rote Lichtwellen wabern die Stufen herab, hellorange Lichtstreifen an den Wänden laufen auf die dunkle Türöffnung im Hintergrund zu. Für dieses Foto ist Parviainen mehr als 16 Minuten lang die Treppe rauf- und runtergelaufen, dunkel gekleidet, damit man ihn nicht auf der Aufnahme sieht, eine rote LED-Taschenlampe in der Hand.

Seine Kamera hat er auf einem Stativ platziert, die extrem lange Belichtungszeit eingestellt. Weil es dunkel ist und durch die kleine Blendenöffnung (f/10) nur wenig Licht auf den Sensor der Kamera fällt, ist die Aufnahme trotz langer Belichtungszeit nicht überbelichtet. Man sieht dort Lichtstreifen, wo Parviainen die Taschenlampe entlang geführt hat. Und man sieht die Konturen der Treppen und Wände, weil sie das Licht der Lampe reflektiert haben.

Der finnische Winter ist ideal für Parviainens Lichtmalerei: "Die langen dunklen Monate sind hilfreich. Wenn Schnee liegt, ist es besonders gut, weil der so schön das Licht reflektiert." Zum Fotografieren bricht der Künstler mit einem Plan und Helfern auf. Komplexe Lichtgemälde hält er vorab in einer Skizze fest. Er sucht tagsüber geeignete Orte und notiert in einer Liste auf seinem Smartphone, welches Motiv man wo ausprobieren könnte. Dann zieht er mit seiner Frau, seinem Bruder oder Freunden los, wer immer gerade nachts Zeit hat.

Licht-Graffiti in Helskini

Zur Lichtmalerei kam Janne Parviainen vor fünf Jahren. Eigentlich malt er mit Ölfarben, er modelliert auch Skulpturen und gibt Unterricht an Kunstschulen in Helsinki. Als er einmal Lichtmalereien des US-Künstlers Dana Maltby sah, begann er selbst mit LED-Taschenlampen und einer Kamera zu experimentieren. Zuerst malte er Licht-Graffiti auf Wände in Helsinki. Dann malte er Menschen in der Dunkelheit - aus einem Hochzeitspaar in einem dunklen Kirchenraum wird mit Hilfe einiger Taschenlampen und eines Bettlakens ein gespenstisches Paar. Wie schnell und präzise der Lichtmaler solche Figuren ausleuchten muss, zeigt Parviainen in einem Video.

Für seine Licht-Topografien zeichnet Parviainen Räume nach. Er fotografiert zum Beispiel eine halbe Stunde lang seine Küche, während er die Oberflächen mit einer Taschenlampe nachzeichnet, manchmal skizziert er zu Hause auch seine schlafende Frau und eins der drei Kinder.

Ein sattes Schwarz als Hintergrund der Lichtgemälde ist im finnischen Sommer nur in geschlossenen Räumen zu finden. Es ist nachts nicht richtig dunkel draußen, bei Langzeitbelichtungen dominiert ein "magischer Blauton", wie Parviainen die Farbe der finnischen Sommernacht beschreibt.

Und bald ist wieder Winter, Lichtmaler-Jahreszeit.

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