Lidl-Bahnfahrkarten: EBay erlaubt Tickethandel

Trotz des Weiterverkaufsverbots der Bahn werden die Blankofahrkarten bereits rege bei eBay gehandelt. Das Auktionshaus will gegen den Handel nicht vorgehen. Die ersten Auktionen starteten bereits 24 Stunden vor dem offiziellen Verkaufsbeginn in den Lidl-Filialen.

Lidl-Bahnticket bei eBay: Kein Verkaufsstopp

Lidl-Bahnticket bei eBay: Kein Verkaufsstopp

Auf die kleinen und großen Geschäftemacher bei eBay ist Verlass. Die heute morgen in den Lidl-Filialen verkauften Blankofahrkarten der Bahn haben sehr schnell ihren Weg auf die Auktionsplattform gefunden. Inzwischen laufen mehr als 200 Angebote zu den Eisenbahntickets. Mancher eBayer offerierte sogar einen Anstehservice.

Die Deutsche Bahn wollte einen solchen Handel eigentlich verhindern. Die bei Lidl zum Preis von 50 Euro verkauften Hefte enthalten zwei Fahrscheine, die für jede beliebige Strecke innerhalb Deutschlands verwendet werden können. Der Käufer muss nur Name, Strecke und Datum der Reise eintragen. Vor allem für längere Strecken, etwa von Hamburg nach München, ist der Einzelfahrpreis von 25 Euro für Bahnverhältnisse sehr günstig.

Pro Kunde durften die Lidl-Kassierer maximal fünf Tickethefte verkaufen. Die Bahn hat das Auktionshaus eBay um Unterstützung gebeten, um den Handel mit den Blankotickets zu verhindern. "Die Bahn ist an uns herangetreten", bestätigte eBay-Sprecherin Maike Fuest gegenüber SPIEGEL ONLINE. Doch eBay werde dieser Bitte nicht entsprechen, erkärte sie. "Gemäß unserem Verständnis von eBay als Marktplatz werden wir den Handel mit den Deutsche-Bahn-Tickets, die bei Lidl verkauft werden, nicht untersagen." eBay sei ein Online-Marktplatz, auf dem nahezu alle Dingen gehandelt werden könnten, sofern deutsche Gesetze dies erlaubten.

"Grundsätzlich ist der Wiederverkauf von Tickets in Deutschland nicht gesetzlich verboten", betonte Fuest. eBay habe intensive Gespräche mit der Bahn geführt. Das Weiterverkaufsverbot der Fahrkarten, das die Bahn in ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen aufgenommen hat, wird von eBay juristisch angezweifelt. Die Wirksamkeit sei "rechtlich unklar". Zudem seien die Tickets nicht namensgebunden, sagte Fuest, so dass der Käufer "nach unserer Überzeugung einen Anspruch auf die Beförderungsleistung" erwerbe.

Der Tickethandel liegt in den Händen weniger Verkäufer, die sich offenbar größere Kontingente gesichert haben. Der Händler mit dem eBay-Namen felgenhaus offeriert beispielsweise rund 50 Einzelfahrkarten. Erstaunlicherweise wurden die ersten Angebote bereits gestern eingestellt, obwohl die Tickets zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht erhältlich waren. Offenbar haben Verkäufer wie felgenhaus sehr gute Verbindungen zu Lidl oder der Bahn und sich die Fahrscheinhefte schon vor dem offiziellen Verkaufsstart beschafft.

Zuletzt hatte eBay das Organisationskomitee (OK) der WM 2006 verärgert. Obwohl das OK den Weiterverkauf von Eintrittskarten ausdrücklich untersagt hatte und diese obendrein personengebunden sind, tauchten wenige Tage nach der Auslosung die ersten Angebote bei eBay auf. Das Auktionshaus weigerte sich, die Auktionen zu stoppen.

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