Live-Berichte aus dem Orbit "Hubble"-Reparatur wird Web-Ereignis

Wer hätte gedacht, dass ein Reparaturauftrag so spannend sein kann? Die Arbeiten an dem Weltraumteleskop sollen Live ins Web übertragen werden, die Astronauten halten ihre Fans per Twitter auf dem Laufenden - und Hunderttausende lesen mit.


Die Nasa macht den Wartungseinsatz am Weltraumteleskop Hubble zum Web-Ereignis. Seit Monaten begleitet die US-Weltraumbehörde die Vorbereitungen zu der Mission mit der Bezeichnung STS-125 im Internet, berichtet in Blogs über aktuell anstehende Arbeiten des fünf Monate hinter dem Zeitplan liegenden Projekts. Aber nicht nur die Techniker, auch die Astronauten sind in die Web-Berichterstattung voll eingebunden. Seit Montag berichtet Missionsspezialist Michael J. Massimino per Twitter von den letzten Startvorbereitungen, soll nun auch aus dem All Mitteilungen senden.

Space Shuttle "Atlantis": Der Flug der Raumfähre wird ins Web übertragen, die Ereignisse von Bord per Twitter kommentiert
DPA

Space Shuttle "Atlantis": Der Flug der Raumfähre wird ins Web übertragen, die Ereignisse von Bord per Twitter kommentiert

Seinen letzten Tweet, so nennt man Nachrichten die in die Microblogs von Twitter geschickt werden, verschickte Massimino kurz vor dem Start der Raumfähre: "Ich ziehe jetzt meinen Raumanzug an. Nächster Halt: Erdumlaufbahn!"

Der 47-jährige Massimino, der auf Twitter unter dem Nutzernamen " Astro_Mike" aus dem All berichtet, ist bereits zum zweiten Mal mit dem Shuttle unterwegs zu "Hubble". Er reiste bereits 2002 im Rahmen der Mission STS-109 zu dem Weltraumteleskop und nahm auf zwei Weltraumspaziergängen Reparaturen an "Hubble" vor.

Damals aber wurde ihm kaum derart viel Aufmerksamkeit zuteil wie auf dieser Reise: Immerhin fast 225.000 Menschen verfolgen Massiminos Berichte auf Twitter. Schon jetzt berichtet der Kommandant der nächsten "Atlantis"-Mission zur Internationalen Raumstation ISS, Mark Polansky, unter dem Namen Astro_127 auf Twitter über seine Vorbereitungen für den Start im Juni. Polansky freute sich in einer Nachricht über den geglückten Start seiner Kollegen: "Astro_Mike und STS-125 Crew sind im All. Wir sind die nächsten. Ich liebe meinen Job!"

Twitter
Prinzip
zu Deutsch zwitschern oder schnattern, ermöglicht es, kurze Textnachrichten als Mikroblog per SMS, Instant Messaging oder Web-Oberfläche zu veröffentlichen. Andere Nutzer können diese Meldung beispielsweise mit ihrem Mobiltelefon oder RSS-Reader verfogen. Der Dienst heißt Twitter, die SMS-ähnlichen Nachrichten Tweets. mehr zu Twitter auf der Themenseite
Geschäft
Twitter hat bislang kein Erlösmodell. Im Gespräch sind Werbung oder kostenpflichtige Twitter-Accounts für Unternehmen. Ende 2008 lehnte CEO Evan Williams ein Übernahmeangebot über 500 Millionen Dollar von Facebook ab. Akute Geldsorgen hat die Firma dennoch nicht - 55 Millionen US-Dollar Risikokapital hat das Unternehmen seit Gründung erhalten, zuletzt brachte eine Finanzierungsrunde noch einmal 35 Millionen US-Dollar.
Dienste von SPIEGEL ONLINE

Auf der Nasa-Website zur aktuellen Shuttle-Mission sollen ständig aktualisierte Informationen zum Ablauf des Einsatzes bereitgehalten werden. Alle fünf Außenbordeinsätze sollen zudem live ins Web übertragen werden. Die Astronauten haben unter anderem die schwierige Aufgabe zu erfüllen, das Weltraumteleskop mit einer neue Kamera auszurüsten, deren Bilder viel schärfer sein sollen.

An Bord der Raumfähre wurde in Kooperation der Nasa mit IMAX und der Filmfirma Warner Bros. außerdem eine IMAX-3D-Kamera ins All befördert. Mit ihr sollen alle Schritte der "Hubble"-Reparatur festgehalten werden.

Aus diesen Bildern und den Aufnahmen des Weltraumteleskops aus den Tiefen des Alls soll dann ein Film entstehen, der als "Hubble 3D" im Frühjahr 2010 im Kino erscheinen soll. Es nicht die erste Zusammenarbeit der Nasa mit IMAX. 2001 flog erstmals eine 3D-Kamera ins All. Damals entstand daraus der Film "Space Station 3D".

"Hubbles" bewegte Geschichte
April 1990
An Bord der Raumfähre "Discovery" wird "Hubble" ins All geschossen. Benannt ist das Teleskop nach dem 1953 gestorbenen US-Astronomen Edwin Hubble.
Juni 1990
"Hubble" sorgt zunächst für eine große Enttäuschung. Das Gerät liefert nur unscharfe Bilder. Der Hauptspiegel des Teleskopes war defekt. Durch einen falsch geschliffenen Messstab kam es zu einer Abweichung von 1,3 Millimetern - für optische Präzisionsgeräte fatal. Der Fehler verhinderte die Fokussierung, so dass die lang ersehnten Bilder aus dem All zunächst völlig nutzlos waren. John Campbell, Chef des Flug-Direktoriums, erinnerte sich später: "Die Häme ging so weit, dass man damals nicht zugab, Mitarbeiter der Hubble-Mission zu sein."
1993
Die Reparaturarbeiten beginnen. Astronauten der Raumfähre "Endeavour" installieren Linsen, die "Hubbles" Sehschwäche korrigieren. Fünf Tage lang reparierte die Besatzung und verhinderte so, dass der sehschwache Krüppel zum Milliarden-Flop wurde. US-Astronom Edwin Turner nannte die Mission damals "ein gewaltiges Vabanquespiel".
1995
"Hubble" liefert sensationelle Bilder aus dem sogenannten Adlernebel. Nie zuvor gab es so genaue Einblicke in die Geburt von Sternen.
1997-2002
Drei weitere Instandsetzungsmission finden statt.
2004
Die fünfte und letzte geplante Instandsetzungsmission wird nach der Explosion der "Columbia" abgesagt. Das "Hubble"-Projekt wird ausgesetzt.
2006
Die NASA nimmt das Projekt wieder auf und plant zunächst eine Roboter-Mission, um "Hubble" auf den neuesten Stand zu bringen.
2008
"Hubble" fällt aus und sendet vorübergehend keine Bilder. Durch den Ausfall verzögert sich der letzte Flug zu dem Teleskop um sieben Monate.
2009
Die lange umstrittene Reparatur von "Hubble" wird im Mai endlich durchgeführt. Astronauten der Raumfähre "Atlantis" ersetzen kaputte Teile und rüsten das Teleskop auf. Die Operation war ein voller Erfolg: Im September veröffentlichen Astronomen die ersten Fotos nach der Reparatur -: sie sind spekakulär.
Nach 2020
Mit einem Sturz in den Pazifik soll die Geschichte des "Hubble"-Teleskops enden.

mak/AFP/AP



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