Lesertipps zu Live-Looping: Das sind die besten Videos der Soundschleifer

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Mit digitalen Soundschleifen simulieren Solo-Musiker ganze Orchester - ein faszinierendes Klangerlebnis. SPIEGEL-ONLINE-Leser haben jede Menge Videotipps zu Künstlern eingeschickt, die das Beste aus den sogenannten Loopern herausholen. Hier sind die populärsten und originellsten Clips.

Musiker simulieren mit digitalen Effekten und Loopern live auf Straße oder Bühne ganze Bands und Orchester. Mitte Dezember hat SPIEGEL ONLINE Videos solcher Auftritte veröffentlicht. Offenbar hat das vielen Lesern gefallen. Sie schickten Tipps und Hinweise zu weiteren Videos. Hier eine Auswahl der besten Vorschläge.

Neben dem australischen Straßenkünstler Dub FX, der im Mittelpunkt unseres ersten Berichts zum Thema Live Looping stand, fielen immer wieder zwei Namen: Beardyman alias Darren Foreman ist mit seiner Mischung aus Beatboxing und musikalischer Comedy international bekannt. Das gilt auch für den aus Dresden stammenden Musiker Rico Loop alias Rico Dießner.

Auf dem Video unten sieht man den loopenden Weltenbummler, der seit einigen Jahren in Berlin lebt, bei einer Schulveranstaltung. Nur mit einer Wasserflasche, einem Looper und einem Mikro zaubert er Musik.

Für Mobilnutzer: das Video bei Youtube.

Beardyman ist seit rund sechs Jahren in der Szene aktiv, vor allem in Großbritannien ist er ein populärer Live-Act. In seinen Shows bietet er einen wilden Mix aus Musik und Comedy, häufig tritt er verkleidet auf. Bekannt wurde er ursprünglich durch seine Beatboxing-Performances, bei denen er live und ohne Loops und Effekte einfach mit einem Mikro Musik produziert.

Oft startet er seine Shows auch heute noch so, bevor er den Weg zu seinen Effektboards sucht. Auf Konzerten, Festivals und in Clubs produziert Beardyman seine Musik live mit Hilfe von Loopern und Effekboards. Er arbeitet dabei mit teils extremen Verzerrungen, moduliert seine Stimme zu Instrumenten und landet so bei verblüffend überzeugenden, tanzbaren Nummern. Beardyman ist eine echte Größe in der britischen Drum&Bass-Szene. Wenn er wie 2010 auf dem Glastonbury-Festival aufspielt, tanzen Zehntausende - und nicht wenige singen seine Texte mit.

Auch das, was er hier für das "Whosjackmag" zum Besten gab, ist fast vollständig "mundgemacht": Als einziges Instrument ist hier ein Keyboard zu hören (aber nur wenige Töne).

Für Mobilnutzer: das Video bei Youtube

Kaum weniger Empfehlungen liefen für THePETEBOX ein, was kaum überraschend ist: Der Engländer tritt seit 2004 als live loopender Beatboxer auf und gilt als einer der besten seiner Zunft. Wie Beardyman und Rico Loop kann er neben Konzerten und Festival-Auftritten auch auf zahlreiche TV-Auftritte verweisen. Loops von THePETEBOX hört man auch in Clubs, beispielsweise in Stücken des Techno-DJ Sven Väth.

Alle drei stehen für die professionelle Seite des Live-Loopings. Sie haben den Sprung von der Straßenmusik ins kommerzielle Business zumindest in Ansätzen geschafft. Sie tauchen in TV-Shows aber immer noch eher als Kuriositäten auf. Dabei gibt es Live-Looping seit mehr als einem Jahrzehnt, Beatboxing hat eine mittlerweile über 30 Jahre lange Geschichte. Und doch werden Musiker wie Beardyman im Fernsehen nicht als Künstler präsentiert. Looper sind eben noch nicht im Mainstream angekommen. Das technische Gerät wird eher als Gimmick denn als Instrument wahrgenommen.

Für Mobilnutzer: Das Video bei Youtube

Einige Musiker sehen das anders, wie die originellsten Tipps unserer Leser zeigen. Was etwa der Berliner Didgeridoo-Spieler Marc Miethe seinem Instrument entlockt, verblüfft seit rund zwanzig Jahren die Zuhörer seiner Konzerte. Mit dem Live-Looper erweitert er seine Möglichkeiten beträchtlich, macht sich selbst zur One-Man-Band.

Fast in der Natur der Sache liegt es, dass beim Looping besonders rhythmusbetonte, tanzbare Nummern herauskommen. Die Stücke basieren nun einmal auf kurzen wiederholten Sequenzen. Klingt erst einmal langweilig, ist aber weit davon entfernt: Der rhythmische "Teppich" gibt dem Musiker Raum zum Improvisieren, wie er ihn allein und ohne Looper niemals hätte. Da wird auch das vermeintliche Hintergrundinstrument Didgeridoo mit einem Mal höchst solofähig, wie man hier sieht und hört.

Für Mobilnutzer: das Video bei Youtube

Technik hin oder her, beeindruckend ist der Looper-Einsatz immer dann, wenn er spielerisch, beiläufig und virtuos daherkommt - egal, um was für eine Art von Musik es sich handelt.

Seit Anfang 2012 machen Videos des Straßenmusikers Bryson Andres aus Anchorage, Alaska, die Runde. Der Zwanzigjährige nutzt den Looper dazu, seine Violinsoli zu untermalen. Mitunter scheint da die Grenze zum Sport schon fast überschritten, aber darauf kommt es nicht an: Es macht das Busking, wie man die Straßenmusik international nennt, zum orchestralen Erlebnis - und brachte Andres bereits mediale Aufmerksamkeit ein.

Zurzeit ist Andres bei Jugendlichen vielleicht der populärste Geiger überhaupt, Links zu seinen Videos findet man auf Facebook zuhauf. Klar: Cooler als der Geiger mit dem Wow-Effekt serviert zurzeit kaum jemand klassische Musik.

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Der Looper ist aber noch für etwas anderes gut: Manchmal zeigt sich erst beim Live-Loop, was wirklich in einem Künstler steckt.

Es ist ein hartes Stück Arbeit, ein brauchbares Musikstück aus hintereinander eingespielten Sequenzen zu konstruieren. Wenn es gut klingen soll, muss es absolut perfekt sein. Die schottische Sängerin KT Turnstall hat ihre Karriere einst so begonnen, als sie das Publikum der britischen TV-Show "Live with Jools", bei der sie eigentlich nur als Ersatz für eine verhinderte Band eingesprungen war, mit einer souveränen Live-Looping-Nummer begeisterte.

Regelrecht sensationell ist aber, was Ed Sheeran im Mai 2012 bei TheWarnerSound ablieferte: Eine Loop-basierte, satt zehn Minuten lange, über weite Strecken improvisierte Interpretation von "You Need Me, I Don't Need You", die es wahrlich in sich hat. Wer noch glaubt, Sheeran sei nur eine Art Teenagerschwarm-Liedermacher, kann sich hier eines Besseren belehren lassen: Was er abliefert, ist ganz großes Kino. Zusammen bringen es die verschiedenen Mitschnitte aus der Warner-Session nicht von ungefähr auf weit über 20 Millionen Aufrufe.

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1. Sehr, sehr...
tartarus_merlot 07.01.2013
...beeindruckend! Musik ist Musik, egal, auf welche Art und Weise erzeugt. Für mich hat die Abfolge der Beiträge auch ganz klar eine qualitative Hirarchie - eben von oben nach unten. Wobei mein Favorit ganz klar THePETEBOX ist. Applaus!!
2. Jemand fehlt...
Lemmi1900 07.01.2013
und zwar Jarle Bernhoft. Für mich einen der besten was Looping angeht und gleichzeitig einer der "souligsten" jungen Künstler den ich kenne. Unbedingt mal reinhören...
3.
Jermanni 07.01.2013
Der hier fehlt aber noch ;) http://www.youtube.com/watch?v=gGWaKvllVVw
4. Ebenfalls fehlen...
ganz_wien 07.01.2013
...zwei großartige Fixpunkte in der Looping-Welt seit ca. 2005: Owen Pallett und Andrew Bird ... beide aber, wohlgemerkt, fernab der Straßenmusik-Szene: ...Pallett: https://www.youtube.com/watch?v=DGLe6wFxyOg ...Bird: https://www.youtube.com/watch?v=lSg8u8Rk3X4
5. Noch'n hammer Looper: PILI
ronibert 08.01.2013
Pili, der französische Franke, ist auf jeden Fall auch der HAMMER! z.B. seine geile Impro im Bamberger Kesselhaus (Alles mit dem Mund!): http://www.youtube.com/watch?v=vA5xE8Bq2PU
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