"Sandy" im Web: Falscher Taucher in der U-Bahn, Hai auf der Straße

Hurrikan "Sandy" ist am Dienstag in sozialen Netzwerken und anderswo im Internet Thema Nummer eins. Über Webcams und Fotoblogs kann man einen Eindruck von den Folgen des Sturms gewinnen - doch dabei ist Vorsicht geboten.

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Sammelseite Instacane: Echte, falsche, alte Bilder?

Bei Ereignissen wie dem Hurrikan "Sandy", die weltweite Aufmerksamkeit erzeugen, sollte man vorsichtig sein, wenn man in sozialen Netzwerken oder auf Websites auf Fotos und Videoclips stößt: Vom Taucher in der U-Bahn bis zur Haifischflosse in der Mitte einer überfluteten Straße kursieren viele Bilder, die Hingucker sind, aber keineswegs authentisch. Bei Facebook, Twitter und anderswo ist "Sandy" am Dienstag das wichtigste Thema, und viele versuchen, von der Aufmerksamkeit zu profitieren.

Neben Photoshop-Montagen werden Bilder als echt und aktuell deklariert, die bereits vor Monaten oder Jahren erstmals auftauchten. Oft zeigen Sturmbilder auch andere Orte als behauptet. Sogar ein Screenshot aus dem Film "The Day After Tomorrow" macht als angebliches Sturmfoto die Runde, bei Facebook und Twitter beispielsweise, gelegentlich garniert mit dem Logo eines New Yorker TV-Senders. Populär ist auch ein Bild, das angeblich den Hurrikan über der Freiheitsstatue heraufziehend zeigt, doch auch hier hat man es mit Bildbearbeitung zu tun, nicht mit Dokumentation.

Die Hoffnung auf ein "Gefällt mir" oder einen Retweet scheint so manchem Bildfälscher als Ansporn zu reichen. Empfehlenswert ist deshalb ein Besuch bei "The Atlantic": Die Website hat damit begonnen, vermeintlichen "Sandy"-Aufnahmen die Etiketten "Real" und "Fake" zuzuordnen. Dieser Service soll in den kommenden Tagen fortgeführt werden. Wem spektakuläre Bilder erst mal wichtiger sind als Authentizität, für den lohnt ein Besuch bei Instacane.com, einer Sammlung von Instagram-Bildern, in der neben Fotos von Privatpersonen, auch Agenturbilder und abfotografierte TV-Bildschirme auftauchen. Eine Prüfung, ob die verlinkten Bilder echt sind, gibt es hier augenscheinlich nicht. Agenturtexte und -bilder sowie Aufnahmen von Privatpersonen verbindet recht ansehnlich die New Yorker Zeitung "Daily News" in einem Liveblog.

Webcams aus New York

Schwieriger zu manipulieren als Fotos sind Videoaufnahmen, nicht nur deshalb explodieren die Zugriffszahlen auf Webcams aus New York. Viele Kameras, die auch schon vor dem Sturm Livebilder ins Netz übertrugen, laufen derzeit allerdings nicht mehr. Folgende fünf Kameras sendeten am Dienstagvormittag noch:

  • Wie die Freiheitsstatue bei gutem Wetter aussieht, weiß man von zahlreichen Fotografien. Eine auf die Ikone New Yorks gerichtete Webcam zeigt die jetzige Situation.
  • Eine zweite Kamera, die direkt in der Fackel befestigt wurde, funktionierte am Dienstag bereits nicht mehr.
  • Ungewohnt menschenleer präsentiert sich momentan der Times Square, hin und wieder fährt ein Auto durchs Bild.
  • Bilder aus einem Apartment auf der 1st Avenue liefert laut zugehöriger Beschreibung dieser offenbar private Livestream. Er läuft seit Montag.
  • Auch die "New York Harbor Webcam" hält durch, mit Blick auf Upper Bay und Lower Manhattan. Sie gehört zur Pension Harbor House Bed & Breakfast auf Staten Island.
  • Journalismus dokumentarischer Art bietet die "New York Times", die auf ihrem Gebäude eine Webcam aufgestellt hat.

Auswirkungen hatte "Sandy" übrigens auch auf bekannte Websites. Gawker und BuzzFeed meldeten via Twitter, dass ihre Seiten wegen des Hurrikans nicht mehr online seien. Auch die Internetpräsenz der "Huffington Post" war am Dienstagvormittag nicht zu erreichen. Über "Sandy" berichten wollen die Mitarbeiter natürlich trotzdem: BuzzFeed-Reporter Andrew Kaczynski zum Beispiel sammelt Netzfundstücke zum Sturm einfach in sein Tumblr-Blog.

mbö

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"Sandys" Weg an der US-Ostküste

Vorhersage für Sandy:
Die rote Linie zeigt den vorhergesagten wahrscheinlichsten Weg von "Sandys" Sturmzentrum.

Der grüne Bereich zeigt weitere mögliche Pfade, die "Sandy" einschlagen könnte.

Der rote Punkt zeigt die Position des Sturmzentrums.

Stand: 13:20 Uhr
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Jahrhundertsturm: "Sandy" wütet an der US-Ostküste

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Wirbelsturm: "Sandy" sorgt für Chaos

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"Sandy": US-Ostküste wappnet sich für Monstersturm
Was die Hurrikan-Stärken bedeuten
Hurrikans werden nach der sogenannten Saffir-Simpson-Skala je nach Intensität in Kategorien von 1 bis 5 eingestuft. Wichtige Merkmale zur Einordnung sind Windgeschwindigkeit und Zerstörungskraft.
Windgeschwindigkeiten von 119 bis 153 Kilometer pro Stunde - minimale Schäden an Bäumen und schlecht verankerten Gebäuden.
Windgeschwindigkeiten von 154 bis 177 Kilometer pro Stunde - Bäume werden entwurzelt und Schilder umgerissen, auch können Hausdächer, Fenster und Türen beschädigt werden. Küstenstraßen werden überflutet, kleinere ungeschützte Schiffe aus der Verankerung gerissen. Bewohnern an Küstenstreifen wird empfohlen, sich in Sicherheit zu bringen.
Windgeschwindigkeiten von 178 bis 209 Kilometer pro Stunde - mobile Häuser werden zerstört, ebenso leichtere Bauwerke in Küstennähe. Der Wind drückt Fenster ein und deckt Dächer ab. Große Bäume werden entwurzelt oder knicken einfach um. Die Überflutungen werden stärker. Ein Küstenstreifen von etwa 400 Metern Breite sollte geräumt werden.
Windgeschwindigkeiten von 210 bis 249 Kilometer pro Stunde - extreme Schäden an Gebäuden. Wohnwagen werden zerstört oder weggeweht. Bauwerke an der Küste werden durch Wind und Wellen schwer beschädigt oder zerstört, tiefer liegende Gebiete überflutet. Massive Evakuierungen sind notwendig. Menschen können zu Schaden kommen oder getötet werden.
Windgeschwindigkeiten ab 250 Kilometer pro Stunde - die Zerstörungen sind katastrophal. Es gibt schwere Überschwemmungen, Häuser werden zerstört oder fortgeblasen. Es gibt massenweise abgedeckte Dächer, zertrümmerte Türen und Fenster. In Küstengebieten sind manchmal große Evakuierungsaktionen erforderlich. Wer sich nicht in Sicherheit bringt, kann verletzt oder getötet werden.

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