Verschollene Boeing Hacker kapern Website von Malaysia Airlines

Die Airline des verschwundenen Flugs MH370 ist Opfer eines Hackerangriffs geworden. Dahinter soll die Gruppe Lizard Squad stecken. Die Angreifer behaupten, bald gestohlene Informationen von der Fluggesellschaft zu veröffentlichen.

Makaberer Scherz: Manipulierte Webseite der Fluggesellschaft
REUTERS

Makaberer Scherz: Manipulierte Webseite der Fluggesellschaft


Kuala Lumpur - Die Internetseite der Fluggesellschaft Malaysia Airlines ist gehackt worden. Die Seite war am Montag nicht erreichbar. Stattdessen erschienen ein Schriftzug mit den Worten "404-Plane Not Found" (Flugzeug nicht gefunden) und das Foto einer Eidechse im Frack. Die Fehlermeldung 404 wird im Web verwendet, um darauf hinzuweisen, dass die aufgerufene Webseite nicht gefunden wurde.

Unter dem Bild der Echse wurde der Text "Gehackt von Lizard Squad - Offizielles Cyber-Kalifat" eingeblendet. Gleichzeitig war Rap-Musik zu hören.

Einige Medien berichten, zuvor habe dort außerdem "ISIS will prevail" gestanden, was so viel heißt wie "der IS wird überdauern". IS ist die Abkürzung für die Terrormiliz "Islamischer Staat". Daher wird derzeit über einen islamistischen Hintergrund spekuliert.

Über einen Twitter-Account teilte die Hackergruppe unterdessen mit, sie wolle in Kürze Informationen veröffentlichen, die sie auf den Servern der Fluggesellschaft erbeutet hätte. Konkrete Hinweise zur Motivation der Hacker gibt es bislang nicht.

Lizard Squad hat im vergangenen Jahr immer wieder mit Hacks und Erpressungen auf sich aufmerksam gemacht: In den öffentlichen Äußerungen tritt die "Echsentruppe" humoristisch und mit übergroßem Selbstbewusstsein auf. Sie verhöhnt ihre Gegner, argumentiert äußerst selbstgerecht, spielt sich hin und wieder als moralische Instanz auf und wirft dann wieder Nebelkerzen, die von konkreten Motiven ablenken. Kurz: Der Lizard Squad erinnert stark an LulzSec, die Hackergruppe, die ab Mai 2011 mit ähnlichen Aktionen für Aufruhr sorgte, dabei aber früh vom FBI unterwandert wurde und aufflog.

22 Stunden Wiederaufbauzeit

Malaysia Airlines erklärte, die Seite selbst sei nicht gehackt worden, Besucher würden beim Versuch die Seite aufzurufen lediglich auf eine Seite der Hacker weitergeleitet. Die Angreifer sollen dazu das sogenannte DNS (Domain Name System) manipuliert haben. Das DNS dient im Internet dazu, Domainnamen (etwa www.spiegel.de) in Netzwerkadressen (im Fall von Spiegel.de: 195.71.11.67) zu übersetzen.

Die Daten von Passagieren seien sicher und Buchungen würden nicht beeinflusst. Innerhalb der nächsten 22 Stunden solle der Zugang zu www.malaysiaairlines.com wieder problemlos möglich sein. Am Montagmorgen war lediglich eine Rumpf-Webseite mit erheblichen funktionellen Einschränkungen erreichbar.

Im vergangenen Jahr trafen die Fluggesellschaft gleich zwei Katastrophen. Im März 2014 verschwand Flug MH370 mit 239 Menschen an Bord auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking. Trotz einer lange andauernden internationalen Suchaktion ist die Maschine bis heute verschollen. Ermittler vermuten einen Absturz im Indischen Ozean, Tausende Kilometer von der eigentlichen Flugroute entfernt. Im Juli desselben Jahres stürzte Flug MH17 wahrscheinlich nach einem Raketenbeschuss in der Ukraine ab, an Bord waren 298 Menschen.

Flugroute von MH370
SPIEGEL ONLINE

Flugroute von MH370

gam/mak/dpa/Reuters

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deesdrei 26.01.2015
1. Viele Fragen zu MH370
Wenn das malaysische Militär MH370, in westlicher Richtung fliegend, auf dem Radar (!!) hatte, warum wurden dann die Suchkräfte nach Südosten vor die australische Küste beordert? In die genaue Gegenrichtung? Warum ist auf der Grafik die Insel Diego Garcia nicht eingezeichnet? Für alle Verkehrspiloten, die in diesem Teil der Erde mit zweistrahligen Airlinern fliegen, ist Diego Garcia als Notfall-Ausweichlandeplatz vorgeschrieben - anderenfalls dürften Weitstreckenflüge mit zweimotorigen Jets dort gar nicht erfolgen. Allen Piloten dort ist das bekannt und sie trainieren im Simulator Anflüge auf Diego Garcia. Warum findet diese Tatsache keine Erwähnung? Richtig, weil Diego Garcia ein amerikanischer Marine- und Luftstützpunkt ist. Und keiner auf die Idee kommen soll(te), dort einmal genauer nachzusehen. Aber es wird noch besser: warum waren die Opfer von MH17 von ihrem Typus her mehrheitlich asiatisch/malaysisch und nicht europäisch, obwohl in Schiphol doch viele Holländer an Bord gegangen sein sollen? Und warum befand sich im aufgefundenen Gepäck der MH17-Opfer zumeist Winterkleidung, obwohl der Flug im Sommer stattfand und es am Zielort 33°C warm war? Wohingegen es im März 2014, als MH370 verschwand, am Zielort Peking zwischen -1 bis 11°C betrug, wo warme Sachen eher Sinn machen dürften?
gehvorran 26.01.2015
2. sicherheit
Ich habe mal gelesen das es Hacker möglich ist Flugzeuge und Schiffe auf See und in der Luft zu manipulieren . Was ist wenn das schon test waren ,bei dieser Fluggesellschaft , Flugzeuge zum Absturz zu bringen ?
deegeecee 26.01.2015
3. Irreführende Überschrift
Mit Verlaub: der Zusammenhang zur "verschollenen Boeing" ist an den Haaren herbeigezogen.
fxe1200 26.01.2015
4. SPON selbst hat....
auf seiner Seite: http://www.spiegel.de/panorama/mh370-auf-malediven-boeing-der-malaysia-airline-angeblich-gesichtet-a-959652.html berichtet, dass ein Flieger, gesichtet worden ist, obwohl zu dem Zeitpunkt kein einziges Flugzeug dort hätte zu sehen sein dürfen, weitab von jeglichen genutzten Flugrouten. Bei acht Zeugen, denen "offiziell" nicht geglaubt wurde, frage ich mich, warum die Malediven von der Staatengruppe ausgeschlossen wurden, die nach der Maschine suchen, nicht in dieser Richtung weiter ermittelt wird, und warum sich die U.S. immer noch bedeckt halten und keine Daten ihres satellitengestützten Aufklärungssystems bekannt geben. Wie ich gelesen habe, Quelle müsste ich neu recherchieren, sind einige der befragten Insulaner richtig sauer, dass sie der Lüge bezichtigt werden. - Da kann man nur hoffen, dass neue Informationen, egal von welcher Quelle bekannt werden, die offiziellen halten ja wohl dicht.
raber 26.01.2015
5. Malaysia Airlines. Ziel des Hackerangriffs?
Wenn dem so sein sollte, dass die Behörden keine richtige Aufklärung treiben, oder das Ergebnis verheimlichen wollen, dann ist das Hacken eine überlegenswerte Alternative um das Geheimnis zu lüften. Damit könnten möglicherweise auch die Familienagehörigen informiert werden. Was soll denn nun der Beweggrund und das Ziel dieser Hacker-Aktion gewesen sein?
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