Logokrise Sputnik im Google-Logo erzürnt US-Patrioten

Eine Gag für Google, ein Riesenskandal für erzkonservative Amerikaner: Weil die Suchmaschine zum Sputnik-Jubiläum einen kleinen Satelliten im Logo führte, beschweren sich nun Patrioten: Während die kommunistische Ikone gefeiert werde, ignoriere Google seit Jahren die Veteranenfeiertage.

Von


Wenn es etwas zu feiern gibt, ist die Suchmaschine Google meist vorn dabei. Mit kleinen Variationen des Firmenlogos weist das Unternehmen auf besondere Tage hin. Zum Beispiel auf Mozarts 250. Geburtstag, auf den Muttertag oder den amerikanischen Unabhängigkeitstag.

Vergangene Woche feierte man den fünfzigsten Jahrestag des Starts des Sputnik, des ersten von Menschen in die Erdumlaufbahn geschossenen Satelliten. Googles Grafiker ersetzten das zweite "g" im Firmennamen einen Tag lang mit einer Zeichnung des berühmten Erdtrabanten. Einigen konservativen Eiferern ging bei diesem Anblick der Hut hoch.

Besonders laut protestierte die erzkonservative Website WorldNetDaily. "Google hat konsequent amerikanische Feiertage wie den Memorial Day und den Veterans Day ignoriert", beklagen sich die Macher der Seite. Stattdessen habe Google eine Errungenschaft der kommunistischen Sowjetunion gefeiert. Wie könne das sein?

Schließlich hat WorldNetDaily bereits im Mai darauf hingewiesen, dass Google "den Memorial Day erneut brüskiert" hat. Bereits "zum neunten Mal in Folge", so heißt es auf der Webseite, habe es der Suchmaschinengigant versäumt, sein Logo im Gedenken an die Gefallenen der Kriege zu modifizieren. Zwar würde man mit entsprechenden Grafiken auf das Chinesische Neujahrsfest, den Valentinstag, Halloween und ähnliche Ereignisse hinweisen, kümmere sich aber nicht um Feiertage des amerikanischen Patriotismus.

Google-Logos sind zu fröhlich

Google hatte bereits 2006 auf die Vorwürfe der Patrioten reagiert - mit einem Firmenbrief. In dem entschuldigte sich das Unternehmen: man würde Kriegsteilnehmer und Gefallene zwar gerne mit einem speziellen Google-Logo ehren, die modifizierten Logos wären in der Regel aber "zu fröhlich". Deshalb wäre es "eine große Herausforderung", ein passendes Logo zu solchen ernsten Anlässen zu schaffen. Man wolle nicht Gefahr laufen, eine Grafik zu erstellen, die in irgendeiner Weise "despektierlich interpretiert werden könnte."

Nichtsdestotrotz - darauf wies man bei WorldNetDaily zu Recht hin - sei es für Googles kanadische Außenstelle kein Problem gewesen, ein solches Logo zu kreieren und am kanadischen Remembrance Day online zu stellen. Die Kanadier hatten ihr Logo schlicht mit ein paar Mohnblumen geschmückt.

Logisch, dass die WorldNetDaily-Betreiber, Joseph und Elizabeth Farah, hinter Googles Verhalten eine Verschwörung wittern. Schließlich, so die Argumentation, habe das Unternehmen Zeit seines Bestehens auch Weihnachten ignoriert. Des weiteren führen die Farahs an, habe Google es beispielsweise abgelehnt, Werbung für ein Buch anzunehmen, dass sich kritisch mit Bill und Hillary Clinton auseinandersetzt - sich gleichzeitig aber reichlich Bush-kritischer Themen angenommen. Auch Googles vielfach kritisiertes Verhalten gegenüber den Machthabern in China stößt dem Ehepaar sauer auf.

Google-Mitarbeiter sind zu liberal

Und damit sind die beiden nicht allein. Schon seit Jahren ist Google den amerikanischen Konservativen wegen seiner offensichtlich sehr liberalen Grundhaltung ein Dorn im Auge.

Die "LA Times" rechnet vor, zwar habe das "politische Aktionskomitee" des Unternehmens in diesem Jahr fast die Hälfte seiner Gelder den Republikanern zukommen lassen. Insgesamt seien jedoch bloß 22.100 Dollar im Topf gewesen - im US-Präsidentschaftswahlkampf, in dem mehrere hundert Millionen Dollar Spenden eingesammelt werden, nicht mal ein Tröpfchen auf dem heißen Stein.

Allerdings gingen 98 Prozent der privaten Parteispenden von Google-Angestellten an die Demokraten. Diese augenscheinlich sehr einseitige Ausrichtung der Mitarbeiter wiegt viel schwerer für WorldNetDaily.

250 Vorschläge für Gedenklogos

Unterstützung bekamen die Konservativen nun von der Website Zombietime. Dort wurde ein Logomalwettbewerb ausgerufen. Man wolle Google zeigen, "dass es nicht so schwer ist", das Google-Logo in angemessener Weise für Feiertage wie den Memorial Day auszuschmücken. Immerhin 250 Vorschläge trudelten daraufhin auf der Webseite ein.

Die Gewinnerlogos dieses Wettbewerbs will der anonyme Betreiber der Webseite nun an Google schicken. Er störe sich nicht daran, dass Google "obskure Feiertage" und "triviale Jubiläen" mit speziellen Logos zelebriert, sagte er der "LA Times". Das gelte allerdings nur, sofern der Konzern auch auf die "wichtigen Feiertage" mit speziellen Logos hinweisen würde. Kaum vorstellbar, dass man sich im Google-Hauptquartier von solchen Argumenten umstimmen lassen wird.



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.