Lokaljournalismus: Ebay-Erfinder gründet Online-Zeitung

Der darbende Lokaljournalismus soll wiederbelebt werden, das hat sich der Ebay Gründer Pierre Omidyar vorgenommen. Sein Rezept zur Rettung: Eine Online-Zeitung, deren besonderes Merkmal die Diskussionsforen sein sollen - ohne anonyme Beiträge. Das Abonnement soll 20 Dollar im Monat kosten.

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Nachrichtenportal: Omidyar steigt in das Zeitungsgeschäft ein - übers Internet natürlich

Mit der Online-Handelsplattform Ebay hatte Pierre Omidyar schon eine geniale und sehr erfolgreiche Geschäftsidee. Jetzt will der Milliardär es in einem Bereich versuchen, der derzeit tief in der Krise steckt - in den Medien.

Omidyar hebt auf Hawaii eine Online-Nachrichtenseite aus der Taufe, die Redakteure und Leser zusammenbringen soll. Finanziert werden soll das Unternehmen dadurch, dass die Leser 20 Dollar im Monat bezahlen. "Es ist absolut wichtig, einen neuen Weg zu finden, um einen Journalismus zu machen, der mit den Bürgern in einer besseren Art und Weise in Verbindung steht", sagt Omidyar. "Ich denke, das ist es, was fehlt. Die Branche ist zu sehr mit ihrem Niedergang beschäftigt, sie hatte noch nicht die Gelegenheit, sich neu zu erfinden. Als Start-up haben wir diese Möglichkeit und können den Journalismus wieder in das Zentrum rücken."

Seine Website Civilbeat.com ist jetzt schon online, offiziell starten soll das Nachrichtenportal am 4. Mai. Versprochen werden tiefgehende Reportagen und Analysen und ein Platz zum Meinungsaustausch für die Bewohner der Insel. Ein zentraler Punkt sind die "Moderatoren-Reporter", die Artikel schreiben, sich den Fragen der Leser stellen, ihre Geschichten durch Updates auf dem neuesten Stand halten und Diskussionen leiten sollen. "Der Journalismus hat eine zentrale Rolle dabei, wie Demokratie funktioniert, vor allem in diesem Land. Und unsere Demokratie funktioniert nicht, wenn der Journalismus nicht funktioniert", sagt Omidyar. "Als ich den Niedergang der Branche sah, machte ich mir Sorgen." Er entschied sich schon vor zwei Jahren, eine Nachrichtenseite ins Leben zu rufen, die alle Bereiche des Lokaljournalismus abdeckt.

"Verrückte" aus Foren vertreiben

Ein besonders Merkmal von Civilbeat.com sollen die Diskussionsforen sein. Im Unterschied zu vergleichbaren Foren bei den existierenden Zeitungen sollen sie bei Civilbeat.com frei von obszönen, unsinnigen, rassistischen oder beleidigenden Kommentaren von anonymen Lesern sein. Ihre Meinung sagen können bei Civilbeat.com nur registrierte und zahlende Leser. "Wir haben zu ihnen eine Geschäftsbeziehung und wissen, wer sie sind", sagt Omidyar.

Zeitungsabonnenten seien eine begehrte Kundschaft, erklärt Gerald Kato von der Universität von Hawaii. Es seien meist ältere, gebildete und wohlhabendere Menschen. Von normalen Foren seien sie wegen der "Verrückten", die oft dort ihr Unwesen trieben, abgeschreckt. Genau das wolle Civilbeat.com offenbar ändern und diese Personen herausfiltern. "Der Filter heißt: Nur wer zahlt, macht mit."

Omidyar hofft nach eigenen Worten auf Diskussionen auf hohem Niveau. "Ich glaube, die Qualität einer Konversation ist etwas, das einen Wert für die Menschen schafft", vor allem für die, die sich in ihrer Gemeinde engagieren und eine inhaltliche Debatte wollten.

Start in schwierigem wirtschaftlichem Umfeld

Wie viel er bislang in das Projekt gesteckt hat, möchte Omidyar nicht sagen. Er hat großzügige Büros in der Nähe von Honolulu gemietet und rund ein Dutzend Leute eingestellt. Chefredakteur ist Zeitungsveteran John Temple, der zuvor Chef der "Rocky Mountain News" war, die im Februar 2009 eingestellt wurde. Pläne, über Hawaii hinauszugehen, gibt es derzeit nicht. Omidyar müsse wirklich ein qualitativ hochwertiges Produkt liefern, damit die Leute bereit seien, 20 Dollar im Monat zu zahlen, sagt Kato. Das sei eine echte Herausforderung. Trotzdem will er nicht gegen Omidyar wetten. "Wer hätte gedacht, dass Ebay funktioniert? Es ist echt erfolgreich. Ob man aber Leute findet, jetzt in dieser Wirtschaftslage, die bereit sind, 20 Dollar im Monat zu zahlen, ich weiß es nicht. Ich wünsche ihm viel Glück."

AP-Korrespondent Jaymes Song/apn

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Interessant . . .
lalito 28.04.2010
. . . und bevor alles zu Staub wird, weiß das Netz dann auch noch was wer, wo, wann und warum dachte, oder immer noch nicht. Was nichts ist kostet nichts?
2. Warum die Artikel nicht einfach "versteigern"?
3of5 28.04.2010
besser als eine Gebühr umd ie Spreu vom Weizen zu trennen wäre ein funktionierendes Ratingsystem, in dem Leute, die bessere Ratings bekommen auch mehr Gewicht in ihren Bewertungen haben. Gute Artikel und Kommentare bekommen gutes Rating und dadurch auch gute Publicity, ebenso steigt das Gewicht der Meinung solchermaßen honorierter Diskussionsteilnehmer. Natürlich bräuchte man Mechanismen, um Missbrauch zu verhindern, aber gerade E-Bay hat doch einige Erfahrung auf dem Gebiet. Wenn man natürlich, wie in den USA üblich nur den Dollar den Markt regulieren lassen will (die Mär vom sich selbst regulierenden Markt), dann könnte man den Autoren der Artikel abhängig von der Bewertung durch die User Geld zuführen, das wiederum von den Abogebühren kommt. Ich denke, dieses System würde funktionieren, auch wenn ich etwas unsicher über die letztendliche Qualitätskontrolle bin (was letztendlich von den Verkaufszahlen der BILD, oder auch der Italienischen Medienlandschaft herrührt). Lg 3of5
3. Nur mit PayPal?
Dynander 28.04.2010
Klingt ja an sich recht interessant. Wenn man einfach Geld verdienen möchte, baut man einfach eine riesige Plattform, in der man dann die Dinge von anderen Verkauft. Wenn jetzt jeder über Apple Artikel verkaufen kann, verdient Apple gut daran und jeder auf dem iPad kann für ein paar cent dann Artikel kaufen. Oder man bekommt für die 20€ eine Menge Punkte, die man dann an die Autoren verteilen kann. Vergibt man keine Punkte, geht das Geld einfach an den Betreiber, ansonsten bekommen die Autoren Geld.
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