Schadprogramme: So sichern Apple-Nutzer ihre Macs

Von Uli Ries

Viren, Trojaner, Computerschädlinge: Ein Schadprogramm hat Hunderttausende Macs gekapert und ein Botnet aufgebaut. Es könnte der Beginn einer Angriffswelle auf Macs sein. Absoluten Schutz gibt es nicht - eine Mischung aus Technik und gesundem Menschenverstand mindert das Risiko.

Macbook Air: Computer-Kriminelle nutzen eine Java-Lücke zum Angriff Zur Großansicht
Matthias Kremp

Macbook Air: Computer-Kriminelle nutzen eine Java-Lücke zum Angriff

Es ist eine unbequeme Wahrheit, die der derzeit grassierende Trojaner namens Flashback ans Licht bringt: Der Cyber-Untergrund greift von nun an auch Apple-Rechner - und damit deren Besitzer - mit dem perfiden Werkzeug der Drive-by-Downloads an. Bei dieser Art Malware-Infektion muss der Nutzer weder einen E-Mail-Anhang öffnen, noch ein Stück Software herunter laden. Vielmehr genügt der simple Aufruf einer verseuchten, aber ansonsten legitimen Website im Browser.

Es ist neu, dass auf diesem Weg auch Apple-Rechner verseucht werden können. Bis zum Abschalten der Downloadquellen vor wenigen Tagen hat sich so der Mac-Schädling namens Flashback verbreitet. Wie groß der zweifelhafte Erfolg von Flashback ist, belegen Statistiken von Virenforschern: Kaspersky ermittelte 685.000 Opfer, von denen 98 Prozent aus dem Apple-Lager stammen. Cirka 180.000 Infektionen dürften auf das Konto der Drive-by-Downloads gehen.

Flashback-Infektion prüfen

Wer prüfen möchte, ob sein Mac von Flashback befallen ist, kann dies mittels zweier Web-Dienste von Dr. Web oder Kaspersky tun. Die von den Diensten benötigte Hardwarekennung (UUID) findet sich am Mac nach einem Klick auf den Apfel in der Menüleiste oben links. Anschließend "Über diesen Mac", "Weitere Informationen" und "Systembericht" anwählen. Unter dem Reiter "Hardware" findet sich rechts die verlangte Hardware-UUID.

Hardware-UUID: Über den "Systembericht" leicht zu finden Zur Großansicht
Uli Ries

Hardware-UUID: Über den "Systembericht" leicht zu finden

Kostenlos Virenwächter für Macs

Los wird man Flashback - manchmal auch Flashfake genannt - im Falle einer Infektion am einfachsten mit Hilfe dieses kostenlosen Programms des Softwareherstellers Kaspersky. Ein weiterer Weg sei "die Installation einer Antivirensoftware", sagt Candid Wuest, Virenexperte bei Symantec. Für das rasche Entfernen bieten sich voll funktionstüchtige Demoversionen von Virenwächtern wie Intego Virus Barrier oder die gänzlich kostenlose Software von Sophos an.

Experten wie Wuest sehen Flashback nur als Startschuss: "Wir werden von nun an weitere Drive-by-Angriffe auf Macs sehen. Insbesondere die weitverbreitete und unter Windows oft angegriffene Software Adobe Flash könnte als Einfallstor für die Infektionen dienen", sagt der Virenexperte. Die jüngsten Flashback-Varianten machten Java zum Steigbügelhalter für den Angriff, prinzipiell kann aber auch jede andere Anwendung zum Einbruch missbraucht werden.

Die von den verschiedenen Experten empfohlenen Schutzmaßnahmen gegen diese Attacken klingen vertraut, werden sie doch Windows-Nutzern seit Jahren mit auf den Weg gegeben:

  • Installation einer Antivirensoftware: Noch ist die Anzahl an Mac-Schädlingen überschaubar, so dass Antivirensoftware ein wirksamer Basisschutz ist.
  • Wechsel zu einem sicheren Browser wie Google Chrome: Chrome kann Drive-by-Infektionen verhindern und sichert auch Adobe Flash besser ab als Safari oder Firefox.
  • Installation eines Link-Prüfers: Das kostenlose Browser-Plugin Web of Trust zeigt bereits vor dem Klick auf einen Link, ob das Ziel als unbedenklich gilt.
  • Ständige Updates des Systems und aller installierten Anwendungen: Das Aktualisierungsintervall in Mac OS X sollte mittels Systemeinstellung (Softwareaktualisierung) unbedingt auf "täglich" eingestellt werden. Adobe Reader sollte mindestens auf Version 10.1, Adobe Flash auf Version 11.2 gebracht werden (Stand: 11. April 2012).
  • Abschalten von nicht benötigten Browser-Erweiterungen wie Java.

Erfahrene Anwender können zudem durch Browser-Erweiterungen wie NoScript (Firefox) oder ClickToPlugin (Safari) für mehr Sicherheit sorgen. Beide Plug-Ins verhindern die automatische Ausführung von Java und anderen Plugins auf Websites. Nutzer müssen dann für jede angesteuerte Seite manuell die Erlaubnis zum Ausführen von Plugins geben. Diese Programme können nur wirksam schützen, wenn die von ihnen auferlegten Plugin-Sperren mit Fingerspitzengefühl aufgehoben werden. Die Programme sind nur versierten Mac-Nutzern zu empfehlen. Was kann man noch tun? Einen ausgewogenen Mix aus Tipps für technisch bewanderte Anwender und Einsteiger listet Kaspersky auf.

Ebenso wichtig wie die technischen Vorkehrungen ist die Einsicht, dass die Schonzeit für Apple-Nutzer vorbei ist. Es gilt von nun an, mit wachem Geist durchs Netz zu surfen und sich nicht länger darauf zu verlassen, dass Mac-Nutzer für Online-Kriminelle den Aufwand nicht wert sind. Flashback belegt das Gegenteil.

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Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potentiell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.

Viren und Trojaner - Informationen im Netz
Vireninfos von der Behörde
bsi-fuer-buerger.de: Wer sich im Internet über Viren und andere schädliche Programme informieren will, ist auf der Seite des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) richtig. Die Behörde mit Sitz in Bonn untersucht Risiken bei der Anwendung moderner Informationstechnik wie dem Internet und entwickelt Sicherheitsvorkehrungen. Für Bürger wurde die Infoseite eingerichtet, die über Gefahren im Netz informiert. Auch für Laien verständlich ist dort erklärt, wie Cyberkriminelle agieren, was Viren, Würmer und Trojaner sind. Außerdem bekommen Bürger Tipps, wie sie sich vor Gefahren aus dem Netz schützen können.
Mittel gegen Schädlinge auf dem Rechner
trojaner-info.de: Die Seite beschäftigt sich ausführlich mit dem Thema Trojaner. Nutzer können nachlesen, wie diese Computer-Schädlinge generell funktionieren, wie man sich am besten vor ihnen schützt und wie man sie entfernen kann. In der Rubrik Downloads gibt es kostenlos Programme, um Schädlinge von der heimischen Festplatte zu tilgen. Ein zuverlässiges Anti-Viren-Programm ersetzen diese Gratis-Downloads aber nicht.
Welche Würmer durchs Netz kriechen
viren-ticker.de:Sober, Bagle, Mytob - welche Schadprogramme aktuell im Netz kursieren, listet der Viren-Ticker des Bonner Fachverlags für Computerwissen auf. In kurzen Viren-Steckbriefen wird beschrieben, auf welchem Weg der Eindringling auf einen Rechner gelangt, woran er zu erkennen ist und wie er auf der Festplatte wütet, wenn er sich erst mal eingenistet hat.
Echte und unechte Viren
hoax-info.de: Mehr über Viren, die derzeit im Internet die Runde machen, liefert diese im Kooperation mit der Technischen Universität Berlin betriebene Seite. Ein Weblog bietet einen Überblick über Artikel in der Fachpresse, die sich mit der Internet-Sicherheit beschäftigen. Dazu gibt es Informationen über Hoaxes - vermeintliche Virenwarnungen per Mail - die Empfänger oft grundlos verunsichern.

Apples Erfolg in Zahlen
  • AFP
    So viele Gadgets verkaufte der kalifornische Konzern im vierten Quartal 2011

    iPhones: 37,04 Millionen (Steigerung um 128 Prozent gegenüber dem Vergleichsquartal 2010)

    iPads: 15,4 Millionen (Steigerung um 111 Prozent gegenüber dem Vergleichsquartal 2010)

    iMacs und Macbooks: 5,2 Millionen (Steigerung um 26 Prozent gegenüber dem Vergleichsquartal 2010)

    iPods: 15,4 Millionen (Rückgang um 21 Prozent gegenüber dem Vergleichsquartal 2010)

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