Madonnas Flüche Vom Racheakt zum Rohrkrepierer

Pop-Sirene Madonna wollte Musikpiraten mal so richtig ärgern: Sie ließ Dateien in P2P-Börsen einspeisen, die dem Hörer statt Musik einen Fluch ins Ohr hämmern. Das Echo kam prompt: Madonnas Website wurde von Hackern neu gestaltet, ihr Fluch schwirrt in Remixes durchs Netz.


Madonna: Fluchen ist Silber, Schweigen ist Gold
DDP

Madonna: Fluchen ist Silber, Schweigen ist Gold

Los Angeles - Am heutigen Dienstag veröffentlichte Madonna ihr neues Album "American Life". Damit ihre Gewinne nicht allzu sehr geschmälert werden, warf sich die Pop-Millionärin höchstselbst ins Getümmel: Sie lieh der Warner Music Group ihre Stimme, um Musikpiraten eins auszuwischen. Die Plattenfirma schleuste manipulierte Versionen der neuen Songs in P2P-Netzwerke ein: Statt der neuen Musik ist in den Dateien, die genauso groß sind wir die echten Songs, Madonna selbst zu hören: "What the fuck do you think you're doing?"

Das war neu. Madonna ist zwar längst nicht der erste Star, der den räuberischen Musiktausch in P2P-Netzwerken durch Einspeisung gefälschter Kopien zu sabotieren versucht. Genervten Modem-Besitzern aber nach quälend langen Download-Zeiten den oben genannten Spruch zu verpassen, quasi als Sahnehäubchen auf den nutzlosen Song - das schrie offenbar nach Rache.

Die Website der Sängerin war wenig später in neuer Version zu sehen: Statt des neuen Plattencovers war unter www.madonna.com eine Liste mit noch unveröffentlichten Songs zu sehen, die auf Madonnas Homepage zum Download bereit standen. Überschrift: "This is what the fuck I think I'm doing". Als Urheber der Aktion outeten sich die Macher des Hackermagazins "Phrack". Darunter war ein Heiratsantrag an Morgan Webb zu lesen, auch wenn die Moderatorin des TV-Senders TechTV nichts mit Madonnas Fluch-Offensive zu tun hatte.

Kreativeren Zeitgenossen war das Defacement nicht genug: Sie mixten ganze Songs aus Madonnas Fluch und Fetzen ihrer Lieder. Die unabhängige Musik-Community Dmusic hat gar einen Wettbewerb ausgerufen, in dem der beste "What the fuck"-Remix prämiert wird. Der erste Preis: Ein T-Shirt und 100 Aufkleber mit dem Schriftzug "Boycott RIAA" - ein netter Gruß an die Record Industry Association of America, den Verband der Schallplattenindustrie, der unter anderem Napster aus dem Netz klagte.

"Madonna hat versucht, den Kids eins auszuwischen", sagte Morgan Webb dem US-Nachrichtensender CNN. "Sie ließen sie im Gegenzug wissen, dass sie weniger Kontrolle besitzt, als sie denkt."

Markus Becker



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