Makabere Witze bei Xing Tim Kretschmer aus Bremen hat Ärger

Er hat den gleichen Namen wie der Massenmörder von Winnenden - und jetzt richtig Ärger. Azubi Tim Kretschmer aus Bremen machte auf seinem Xing-Profil einen Amoklauf-Scherz, weil er von echten und vermeintlichen Journalisten bedrängt wurde. Daraufhin stellte ihn sein Ausbildungsbetrieb frei.


Bremen - Eigentlich sollte es nur eine Spitze gegen die Medien sein. "Suche: Handfeuerwaffen; biete: Amoklauf, Amokberatung" schrieb Tim Kretschmer, 21, Azubi aus Bremen, in sein Profil auf der Business-Plattform Xing, nachdem er in der vergangenen Woche plötzlich in den Fokus der Öffentlichkeit geriet - wegen des Amoklaufs seines 17-jährigen Namensvetters in Winnenden.

Der Azubi war nach eigenen Angaben mit Anfragen von echten oder vermeintlichen Journalisten überhäuft worden. Dem Radiosender Bremen 4 sagte Kretschmer, unmittelbar nach dem Amoklauf hätten ihn so viele Menschen kontaktiert, dass er mit der Profiländerung seine Empörung über Sensationsgier habe ausdrücken wollen. Über Twitter habe irgendjemand sogar einen Link zu einem Foto von ihm verschickt - mit dem Vermerk, es handele sich um ein Bild des Amokläufers.

Tatsächlich hatte die Profiländerung aber drastische Folgen für ihn: Sein Arbeitgeber habe ihn "von der Arbeit freigestellt", teilte Kretschmer mit. Entlassen könne er nicht werden, weil er noch in der Ausbildung sei. Jetzt habe er viel Zeit, sich auf seine Abschlussprüfung im Sommer vorzubereiten, sagte Kretschmer dem Radiosender.

Er könne die Entscheidung seines Arbeitgebers nicht ganz verstehen. Schließlich habe es sich um "private Dinge" gehandelt, die er getan habe - wobei er die Änderungen im Xing-Profil inzwischen selbst als "nicht korrekt" ansieht. Allerdings habe Xing sein Profil ohnehin nach einigen Minuten abgeschaltet.

Kretschmer äußerte sich auch im NDR-Medienmagazin "Zapp" kritisch über den Ansturm auf ihn. Von den Journalisten, die mit dem Bremer Kontakt aufzunehmen versuchten, scheint allerdings niemand den 21-Jährigen tatsächlich für den Täter gehalten zu haben. Blogs hätten verbreitet, er sei der Täter gewesen, sagte Kretschmer Bremen 4 - die großen Nachrichtenseiten oder Fernsehsender aber nicht.

Eine US-Seite, die auf besonders bizarre Nachrichten spezialisiert ist, übersetzte aber offenbar das Xing-Profil und machte daraus einen Bericht, in dem aus dem "IT-Fachmann" auch gleich noch ein Egoshooter-Spieler wurde.

cis/dpa



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