"Tofu ist schwules Fleisch": Geschmacklose Werbung sorgt nach Jahren für Ärger

Von Markus Brauck und

Eine preisgekrönte, aber nie offiziell verwendete Werbekampagne für die Restaurantkette Maredo sorgt für Ärger: Die Agentur Scholz & Friends hatte sich vor Jahren einen dummen Spruch ausgedacht, der nun wieder entdeckt wurde. Die Kritik im Netz ist groß - doch sie traf zunächst die Falschen.

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Jibkid's Blog: Der Eintrag vom 27. April 2009 zeigt die Idee von Scholz & Friends

Vielleicht sollte es lustig sein, vielleicht provokant. Am Ende war es aber nur peinlich, das Motiv, das sich in paar Kreative der Werbeagentur Scholz & Friends als Steakhausketten-Reklame ausdachten. Es zeigt ein Steak, gegrillt und verzehrfertig, darauf steht der Spruch "Tofu ist schwules Fleisch" - wie mit einem Brennstempel hineingesengt in die Fleischfasern. Das homophobe Fleischmotiv war Teil einer machohaften Kampagne, die sich die Werber für die Kette Maredo ausgedacht hatten. Ein anderes Motiv ist: "Wenn man Tiere nicht essen soll, warum sind sie dann aus Fleisch?"

Das letzte Motiv präsentiert der Art Directors Club (ADC) noch heute auf seiner Website, als Beispiel für die Kampagne "Brandeisen", die Scholz & Friends 2009 für die Steakhauskette Maredo entwickelt hatte. Für die Kampagne gab es bei der jährlichen Preisverleihung des ADC eine Auszeichnung in Silber.

Drei Jahre schlummerte das nie irgendwo eingesetzte homophobe Fleischmotiv in den Tiefen des Internets - man kann es beispielsweise noch in einem Blogeintrag zur Preisverleihung finden - und niemand regte sich auf. Bis es am vergangenen Dienstag plötzlich für Bewegung im Internet sorgte. Der Tofu-Spruch wurde schnell zu einem PR-Problem für die Steakhauskette.

Wer das Motiv ausgegraben hat, ist nicht mehr genau zu rekonstruieren, doch die sozialen Netzwerke zeigten einmal mehr, dass sie gut geeignet sind, der Wut einiger weniger Wucht zu verleihen. Bei Twitter und Facebook begannen sich ein paar Nutzer erbost über die Maredo-Kampagne zu unterhalten, und schnell kam jemand auf die Idee, dass man das Unternehmen anderswo noch härter treffen könnte: Bei der Bewertungsplattform Qype tauchten plötzlich unfreundliche Urteile über Maredo-Steakhäuser auf. Schließlich mischte sich auch der für Schwulenrechte stets streitbar eintretende Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck via Twitter in den Chor der Empörung ein.

Maredo selbst reagierte rasch. Schon am Dienstag veröffentlichte das Unternehmen eine Stellungnahme auf seiner Website und auf Qype. Man habe diese Kampagne nie bei Scholz & Friends in Auftrag gegeben. Die Agentur sei "im Jahr 2008 (...) unaufgefordert an uns herangetreten. Sie beabsichtigte an einem kreativen Agenturwettbewerb teilzunehmen und wollte sich dazu gerne mit dem Thema Maredo beschäftigen." Nie habe Maredo mit der Kampagne geworben. Und entscheidend: Das umstrittene Werbemotiv mit dem schwulenfeindlichen Spruch habe das Unternehmen nie zu sehen bekommen. Die Werbeagentur, so sieht man das bei Maredo, sei dafür verantwortlich, das Motiv aus dem Netz zu tilgen. "Scheinbar im Namen des Unternehmens wird da eine Aussage getätigt, die das Unternehmen selbst niemals tolerieren würde", erklärt ein von Maredo angeheuerter Kommunikationsberater.

Scholz & Friends bestätigt die Darstellung von Maredo. Das Motiv sei vom Kunden nie freigegeben worden und "aufgrund eines Missverständnisses im Haus" veröffentlicht worden, sagt ein Sprecher. Die Agentur habe sich entschuldigt und "alles uns mögliche getan", um das Motiv aus dem Internet zu entfernen. Eigentlich sei die Sache seit drei Jahren aus der Welt. Zum Werbemotiv selbst sagt der Sprecher: "Wir würden es heute nicht mehr machen, und wir bedauern, dass die Gefühle homosexueller Menschen verletzt wurden."

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insgesamt 163 Beiträge
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1.
PublicTender 21.03.2012
Schade eigentlich, ich finde die Werbung witzig! Klar, politisch TOTAL unkorrekt, aber so was muss es ja auch mal geben.
2. Ich
Steinwald 21.03.2012
Zitat von sysopEine preisgekrönte, aber nie offiziell verwendete Werbekampagne für die Restaurantkette Maredo sorgt für Ärger: Die Agentur Scholz & Friends hatte sich vor Jahren einen dummen Spruch ausgedacht, der nun wieder entdeckt wurde. Die Kritik im Netz ist groß - doch sie traf zunächst die Falschen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,822755,00.html
Also ich finds lustig.
3. Tolle kostenlose Werbung
wago 21.03.2012
für Maredo und die Werbeagentur auf spon und anderen Medien.
4. Empörung!
Arno Nühm 21.03.2012
Wird jetzt das Tofu beleidigt, weil es als "schwul" bezeichnet wird oder die Schwulen, weil sie mit Tofu in Verbindung gebracht werden? Und wenn ja, warum nicht? P.S. Delphine sind schwule Haie!
5.
alocasia 21.03.2012
Der Spruch ist halt die bittere Wahrheit. Ich wunder mich eh immer weshalb die Vegetarier Fleischersatz brauchen. Tofu Leberwurst voll gepumpt mit Chemie aber Hauptsache es schmeckt wie Leberwurst usw. Veganische Spaghetti Bolognese und was weiß ich noch nicht alles. Ziemlich inkonsequent wie ich finde.
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