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Mark Zuckerberg: Facebook-Boss nennt weniger Datenschutz zeitgemäß

Große Aufregung um ein angebliches Zitat: Facebook-Chef Zuckerberg soll das Ende der Privatsphäre verkündet haben. Ganz so drastisch hat sich der Weltvernetzer nicht geäußert, seine Erklärung für laschere Richtlinien klingt dennoch recht abstrus: Man passe sich der gesellschaftlichen Realität an.

Wie meint der Mann das? Facebook-Gründer Zuckerberg hat in einem Interview eine ungewöhnliche Begründung für laschere Einstellungen zur Privatsphäre gegeben: Das sei der gesellschaftliche Trend. Konkret ging es bei der Tech-Gala zur Verleihung der Crunchies Awards um die neuen Facebook- Datenschutzeinstellungen. Die hatte das Unternehmen (350 Millionen Menschen weltweit sind über Facebook vernetzt, davon knapp vier Millionen in Deutschland) im Dezember geändert.

Diese Veränderung war für viele Mitglieder eine Zwangsentblößung bis dahin privater Details: Einige der Nutzerdaten behandelt Facebook nun als "öffentlich zugängliche Informationen". Das bedeutet: Man kann Anwendungen von Drittanbietern, Facebook-Mitgliedern und Websites, auf denen man sich mit dem Facebook-Login anmeldet, nicht untersagen, diese Informationen zu verwenden. Konkret sind das Name, Profilbild, Geschlecht, Wohnort, die Liste der eigenen Facebook-Kontakte, Zugehörigkeit zu Netzwerken und Fan-Seiten.

Ausweichende Antworten zu heiklen Fragen

Warum Facebook den Mitgliedern vorschreibe, dass das von nun an aller Welt mitgeteilt werden muss, wollte Techchrunch-Blogger Michael Arrington von Zuckerberg wissen. Dessen blumige Antwort: "Als ich in meinem Zimmer in Harvard mit Facebook begann, fragten sich viele Menschen, warum sie überhaupt Informationen über sich ins Web stellen sollen." Das habe sich in den vergangen fünf Jahren stark geändert. Zuckerberg: "Menschen sind einverstanden damit, Informationen über sich mit anderen zu teilen und werden immer offener zu immer mehr Menschen. Die sozialen Normen hier haben sich in der Zeit entwickelt."

Facebook reagiere nur auf diese Entwicklung: "Wir sehen es als unsere Rolle in dem System an, ständig Veränderungen umzusetzen und unsere Software so anzupassen, dass sie widerspiegelt, wie die sozialen Normen gegenwärtig sind."

Einerseits hat Zuckerberg da natürlich recht - was Menschen als privat ansehen, was sie ins Netz stellen, ist einer ständigen Veränderung unterworfen. Andererseits ist nicht jede Veränderung im Verhalten per se gut, ganz abgesehen davon, dass sich Menschen nicht immer bewusst dafür entscheiden, peinliche Details über ihr Privatleben ins Web zu stellen.

Verfälschtes Zitat provoziert Empörung

Abgesehen von diesen grundsätzlichen Erwägungen beantwortet Zuckerberg eine wichtige Frage nicht: Warum zwingt sein Unternehmen Menschen dazu, bestimmte Informationen offenzulegen, wenn sie weiterhin den Dienst nutzen wollen? Schließlich könnte man die Nutzer weiterhin bewusst entscheiden lassen, was sie im Detail mit aller Welt, was mit ausgewählten Freunden und was mit niemandem teilen wollen.

So merkwürdig Zuckerbergs Argumentation ist - die Aufregung um seine Äußerungen im Web beruht auf einer arg überspitzten Version seiner Aussagen. Das Blog " Readwriteweb" hat einen Beitrag zum Zuckerberg-Interview mit diesem angeblichen Zitat überschrieben: "Zuckerberg sagt, das Zeitalter des Datenschutzes ist vorbei." Dieser Satz kursiert nun bei Twitter, nur ist er einfach falsch. So hat Zuckerberg das nie gesagt und auch nicht angedeutet, was man anhand des Originalmitschnitts des Interviews nachvollziehen kann (siehe unten).

Wie man sein Facebook-Profil so abschottet, dass nach außen nur noch das dringt, was man will, beschreibt dieser Ratgeber auf SPIEGEL ONLINE.

lis

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 16 Beiträge
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1. Verantwortungslos
teutoniar 10.01.2010
Zuckerbergs Haltung war doch ohnehin schon klar, als er Teile seiner privaten Bilder bei Facebook veröffentlichte. Das diente als Demonstration dessen, was er von seinen Usern erwartete. "Verantwortungslos" nennt man das wohl. Aber Hauptsache, man scheffelt damit Geld.
2. Ganz im Gegenteil
sysiphos, 10.01.2010
Datenschutz und Privatsphäre sind unveräußerliche Rechte und Portale wie Facebook sollten alles tun um private Daten so Differenziert wie möglich zu schützen. Mediale Barbarei mag zwar im Trend der Jugend liegen, aber auch diese Jugendlichen werden Erwachsen! Wenn er das nicht Zurück nimmt, steig ich bei Facebook aus.
3. Anonymität ist der beste Schutz
Meckermann 10.01.2010
Meine personenbezogenen Daten kann er sich aus meinen toten, kalten Fingern holen ;-)
4. Zuckerberg weiss, wie man Geld macht...
elmard, 10.01.2010
Zitat Zuckerberg: Als ich in meinem Zimmer in Harvard mit Facebook begann, fragten sich viele Menschen, warum sie überhaupt Informationen über sich ins Web stellen sollen. Das frage ich mich auch, wenn ich Artikel über und um FACEBOOK oder TWITTER lese. Dazu fällt mir nur der uralte Spruch eines guten Verkäufers ein: *"Jeden Morgen stehen 100.000 Dumme aus dem Bett auf - Du musst sie nur finden und für dein Produkt begeistern."*
5. Nazissmus
shatreng 10.01.2010
Wer bei Facebook, StudiVZ usw. seine nazisstischen Züge auslebt ist selbst Schuld. Diese ganze Selbstdarstellerei aka virtueller "Schwanzvergleich": "Hier war ich im Urlaub" "Hier hab ich Party gemacht" "Hier war ich besoffen" "Das ist meine Haustier" (Haus, Boot, Frau) ist nur peinlich. Wers braucht sollte sich später auch nicht darüber beschweren..
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Facebook: Das Weltnetz
Mitglieder
Facebook
Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach Angaben von Goldman Sachs hatte Facebook Anfang 2011 600 Millionen Mitglieder weltweit, nach eigenen Angaben loggt sich jeden Tag die Hälfte von ihnen auf der Seite ein (Stand: Januar 2011).
Plattform
Seit Mai 2007 können externe Entwickler auf Nutzerdaten zugreifen, wenn die Facebook-Mitglieder dem zustimmen. Seit die Plattform für externe Entwickler geöffnet wurde, wächst das Angebot des einstigen Studentennetzwerk rasant – die Nutzer können aus mehreren tausend kostenloser Anwendungen wählen – Spielen, Fotoverwaltern, Programmen zum Abgleich von Lese-, Film- und Musikvorlieben zum Beispiel.
"Mir gefällt das"
Facebook überall: Die "Mir gefällt das"-Funktion können Website-Betreiber auf ihren eigenen Seiten einbauen. Mit einem Klick teilen Facebook-Nutzer ihren Freunden mit, was ihnen gefällt. Im Gegenzug kann Facebook Werbung gezielter schalten - und weiß, welche Seiten die Mitglieder ansurfen.
Geschäft
Der Umsatz von Facebook lag 2009 schätzungsweise bei 800 Millionen Dollar. Als Facebook-Gründer Mark Zuckerberg im November 2007 bei einer Präsentation in New York 250 Werbekunden ein "Interface, um Erkenntnisse über die Facebook-Aktivitäten von Mitgliedern zu sammeln, die fürs Marketing relevant sind", versprach, brach ein Proteststurm los.
Firmenwert
Facebook hat Google 2010 als meistbesuchte Website in den USA überholt. Anfang 2011 investierten die US-Großbank Goldman Sachs und die russische Beteiligungsgruppe Digital Sky Technologies 500 Millionen Dollar in das US-Unternehmen. Der Wert des Netzwerks klettert auf 50 Milliarden Dollar.
Hollywood
Der Film zum Phänomen: Die Gründungsgeschichte von Facebook wurde 2010 von David Fincher mit Jesse Eisenberg in der Hauptrolle verfilmt. "The Social Network" zeigt Zuckerberg als soziopathischen Nerd, der Facebook aus enttäuschter Liebe gründet.

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