Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Mark Zuckerberg in Deutschland: Auf der Suche nach Likes

Von

Zuckerberg auf dem Mobile World Congress: Nach Barcelona kommt Berlin Zur Großansicht
AP

Zuckerberg auf dem Mobile World Congress: Nach Barcelona kommt Berlin

Der Facebook-Chef kommt nach Berlin. Seine Mission: Die Deutschen sollen sich mehr mit den Zukunftsprojekten seiner Firma beschäftigen.

Facebook, das vergisst der nörgelnde Deutsche manchmal, arbeitet an ganz wunderbaren Projekten, die a) arme Menschen weltweit ins Internet bringen, b) der virtuellen Realität ebenso zum Durchbruch verhelfen sollen wie c) der künstlichen Intelligenz.

Weil das im Alltag schon mal untergeht, kommt nun Mark Zuckerberg persönlich nach Berlin, um die Deutschen daran zu erinnern. Der Facebook-Gründer und -Vorstandsvorsitzende, mittlerweile 31 Jahre alt, weiß es stets, die Projekte des Konzerns mit Wohltätigkeit zu verknüpfen. Er bleibt zwei Tage und will dabei das Image seines Konzerns polieren.

Denn beim Schlagwort Facebook dachten viele Deutsche in den vergangenen Monaten weniger an Wohltätigkeit als an ausländerfeindliche Hetze auf der Plattform, an Kritik der Politik, an Schlagzeilen wie "das asoziale Netzwerk". Gerade in Deutschland braucht Facebook gute PR. Wie gut, dass Zuckerberg gerade in der Nähe war, also in Barcelona, wo er schon auf der Mobilmesse MWC von den neuen Möglichkeiten geschwärmt und bereits das passende Bild zur Disruptionsfähigkeit von Virtual Reality geliefert hat:

Journalisten mit VR-Brille beim MWC: Zuckerberg schleicht unbemerkt zur Bühne Zur Großansicht
Facebook / Mark Zuckerberg

Journalisten mit VR-Brille beim MWC: Zuckerberg schleicht unbemerkt zur Bühne

In Berlin will er bei diesen Themen nachlegen. Ganz nah am Mauerstreifen hat Facebook dafür einen "Innovation Hub" aufgebaut, einen Pavillon, in dem die Zukunftsprojekte ausgewählten Gästen vorgeführt werden: Forschungen zur künstlichen Intelligenz (KI) also sowie die Drohne "Aquila", die arme Gegenden in Afrika aus dem Himmel mit Internet versorgen sollen, und andere Teile von Zuckerbergs Wir-bringen-die-Welt-ins-Netz-Programms Internet.org (über das manche gar nicht erfreut sind).

Zuckerberg macht Politik - ein bisschen

Der Facebook-Chef wird Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) dort hindurchführen und sich mit seinen KI-Forschern unterhalten - und vielleicht auch eine Neuigkeit präsentieren.

Am Freitag folgt ein sogenanntes Townhall Q&A, eine Fragestunde mit eingeladenen Gästen: vor allem sind dies Studenten technischer Universitäten, auch andere Facebook-Nutzer, die ihre Fragen an Zuckerberg vorher im Netzwerk posten mussten. Die Fragestunde wird per Livestream übertragen. Mal schauen, wie kritisch es wird - beim letzten Townhall-Meeting in Neu-Delhi gab es freundliche Fragen und viel Applaus.

Während Zuckerberg dort auch Premierminister Narendra Modi traf, oder im Herbst mit Chinas Staatspräsident Xi Jinping auf Mandarin plauderte, ist in Berlin bislang nichts über ein Treffen mit der Kanzlerin oder ihrem Vize bekannt. Für manchen Politiker ist der Wahlkampf in den Ländern gerade wichtiger.

Auf die Kanzlerin traf Zuckerberg im September am Rande einer Uno-Veranstaltung in New York. Da sprachen sie nur kurz; weil ein Mikrofon mitlief, ist der Dialog bekannt. Merkel fragte, ob Facebook tatsächlich mehr gegen Hasskommentare unternehmen wolle. Zuckerberg antwortete: Ja.

Ein freundlicher Termin erwartet Zuckerberg am Donnerstagabend - er bekommt eine maßgeschneiderte Auszeichnung verliehen, den neu geschaffenen "Axel Springer Award". Im Springer-Haus wird dem 31-jährigen Milliardär dem Vernehmen nach eine eigene Abendrevue gewidmet, die sein Leben und Werk ehrt. Vorstandsvorsitzender Matthias Döpfner erklärt die Ehrung damit, dass Zuckerberg mit "Facebook das wichtigste Kommunikationsmittel einer neuen Generation geschaffen" habe.

Die volle Charmeoffensive eines Verlags, der sich als Digitalunternehmen neu aufstellt. Mit Google hat sich der Springer-Konzern öffentliche Auseinandersetzungen geliefert, auch vor Gericht. Mit Zuckerberg soll es offenbar anders laufen.

Lobby-Offensive in Deutschland

Der Autor auf Facebook

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 19 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. jaja
erzengel1987 25.02.2016
Facebook... Die Fremdenfeindlichkeit ist mir persönlich noch egal es ist eine extreme Art der Meinungsäußerung die glücklicherweise noch nicht direkt schmerzt wenigstens weiß man dann wer so extrem denkt. Mich stört eher, dass alle Daten von den Geheimdienst der USA gespeichert gelesen und verarbeitet werden. Das stört mich dass FB nichts anderes ist als ein perfides Spionagewerkzeug. Zudem flächendeckendes Internet braucht man nicht so dringend wie Frieden. Nicht um sonst gibt es den Spruch "Internet is for p...n" zumindest zu einem hohen prozentualen Anteil.
2.
p2063 25.02.2016
Zuckerberg will mit Sicherheit nicht die Welt ins internet bringen, sondern lediglich zu Facebook und in eine rosa vorsortierte Filterblase. VR und KI sind nur ein Instrument um die Massen gefügig zu halten, also von der Realität ab zu lenken. Gegen Hasskommentare wird FB auch weiter nichts machen, ein dislike-Button oder downvotes passen ja auch nicht zur unternehmensphilosophie...
3.
frechsprech 25.02.2016
FB-Aktien tendieren abwärts. Das Welt-wichtigste Unternehmen entpuppt sich als Lalla-Forum. Deswegen wird er innovativ, mit 3D-Brillen und sagt eine großartige vernetzte Zukunft voraus.
4. warum wird
marecs 25.02.2016
der Herr eigentlich in Deutschland hofiert? ist D so auf sein Geld angewiesen?
5.
spon_3139848 25.02.2016
Wieso sollte ich mich mit einem Webdienst beschäftigen, der meine Daten haben will und diese an dubiose Firmen weiterverkauft? Facebook gehört ignoriert!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: