Harvard-Rede von Mark Zuckerberg Rette doch erst einmal Facebook

Facebook-Gründer und Uni-Abbrecher Mark Zuckerberg ist für eine Abschlussrede nach Harvard zurückgekehrt. Vor Absolventen schwärmt er von einer besseren Welt. Soll er doch in seiner Firma anfangen.

Zuckerberg in Harvard
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Zuckerberg in Harvard

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Er möchte gern die ganze Welt retten. So in etwa lässt sich die Rede von Mark Zuckerberg an der US-Eliteuniversität Harvard zusammenfassen. Über eine halbe Stunde sprach Zuckerberg vor dem diesjährigen Abschlussjahrgang über den Klimawandel, das bedingungslose Grundeinkommen, Automatisierung, Arbeitsplätze, Arbeitslosigkeit, Rassismus, das Gesundheitswesen, Einwanderung und - human touch - über seine Frau Priscilla.

Wie zuletzt bei seinem Facebook-Manifest geht es dem 33-jährigen Philanthropen um das große Ganze, die globale Gemeinschaft. Dass Facebook eine zentrale Rolle dabei spielt, diese Gemeinschaft zu stärken, versteht sich bei Zuckerberg fast von selbst.

Wenn Zuckerberg allerdings das Wohl der gesamten Welt in den Blick nimmt, wie er es in letzter Zeit immer häufiger tut, dann gibt ihm das nicht nur diesen quasi-präsidialen Touch, der Gerüchte anheizt, dass er - eigenen Dementi zum Trotz - bald ein politisches Amt anstreben könnte.

Es verstellt auch den Blick darauf, was Zuckerberg selbst in seiner eigenen Firma für diese großen, abstrakten Ziele noch tun könnte. Mit welchem Recht schwärmt ein Tech-Milliardär jungen Uniabsolventen von Vielfalt vor, der in seiner eigenen Firma kaum Minderheiten einstellt?

Zuckerberg verwendet viel Zeit seiner Rede darauf, über die Leistungen von Einwanderern zu sprechen. Er packte auch eine alte Anekdote aus über einen Jungen, den er kennenlernte, als er sozial schwache Jugendliche - überwiegend mit Migrationshintergrund - unterrichtete. Sie klingt rührend, hat aber wenig mit der Realität im Silicon Valley zu tun, die Zuckerbergs Firma entscheidend mitprägt.

Frauen und Minderheiten bei Facebook: Die Zahlen beschämen

Laut dem Diversity-Bericht von Facebook für 2016 sind nur vier Prozent der US-Belegschaft Latinos, zwei Prozent waren Schwarze. Seit 2014, als der erste Bericht veröffentlicht wurde, hat sich an diesen Zahlen nichts getan. In der rund 18.000 Personen starken weltweiten Belegschaft waren 2016 33 Prozent Frauen.

Diese Zahlen sind beschämend. Sicher, das gesamte Silicon Valley hat ähnliche Probleme. Aber man weiß nicht, ob es das besser oder schlimmer macht. Die Tech-Schmiede der USA ist immer noch das Tal der weißen Männer. Zuckerberg könnte mehr tun, um das zu ändern.

Solche Reden vor Abschlussjahrgängen, gern der Elite-Unis, sind in Amerika für Visionäre traditionell ein überaus beliebtes Format, Gedanken in die Welt zu bringen. Auch Harvard-Abbrecher und Tech-Milliardär Bill Gates kam so an seine Alma Mater zurück. 2005 hielt Uni-Abbrecher Steve Jobs, auch bekannt als Gründer von Apple, in Stanford eine viel zitierte Abschlussrede. Und Facebooks Top-Managerin Sheryl Sandberg nutzte ihre extrem persönliche Rede in Berkeley 2016, um zum ersten Mal öffentlich über den Tod ihres Mannes zu sprechen - und was sie daraus für ihr Leben gelernt hat.

Trotz der vielen Vorlagen aus der Tech-Welt ist es aber ganz und gar ausgeschlossen, dass jemand jemals eine bessere Absolventenrede hält als der Schriftsteller David Foster Wallace. 2005 trug er am Kenyon College "Das hier ist Wasser" vor.

Wallace' Rede handelt von den Zumutungen des Alltags, davon, wie schwer es ist, sein Denken nicht abschweifen zu lassen. Der Schriftsteller erzählt, dass es oft am schwersten ist, die offensichtlichsten, einfachsten Dinge im Leben zu sehen und zu benennen. Wer Mark Zuckerbergs Rede in Harvard hört, versteht, was Wallace gemeint haben könnte.

insgesamt 20 Beiträge
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pinsel66 26.05.2017
1. Einstellungskriterien
Soviel ich weiß stellen diese Firmen strikt nach anspruchsvollen Leistungstests ein. Die oben genannten Quoten spiegeln also die Anteile derer wieder die bestanden haben. Das ist vielleicht nicht politisch korrekt, aber für die Firma sinnvoll.
derpif 26.05.2017
2.
Ich dachte tatsächlich jetzt wird sich jemand über Facebooks Online-Präsenz beschweren. Das entlarvt jetzt entweder meine Einfältigkeit, vielleicht auch die der Medien. Interessanter Kommentar, angebrachte Kritik, sehr gut.
docsunshine 26.05.2017
3. Zuckerberg ist Philanthrop...
soll hoffentlich Satire sein?
sonnemond 26.05.2017
4. Möchte Mr. Zuckerberg etwas Gutes für die Welt tun, . . .
. . . . wäre es das Beste seinen Laden dicht zu machen.
hausfeen 26.05.2017
5. Da Facebook ein Kommunikationsmedium ist droht erst einmal die Deregulierung.
Wie Telefon, Mobilfunk, SMS dient Facebook im weitesten Sinne der Kommunikation. Nun stelle man sich mal vor, ich könnte mit meinem Vodafone-Vertrag nur mit Mitmenschen telefonieren, die ebenfalls bei Vodafone sind. Undenkbar. Aber bei den sozialen Netzen ist das eben genau so. Deswegen wird mittel-, oder im schlimmsten Fall langfristig eine Deregulierung nötig. Also die Festlegung von Schnittstellen zwischen konkurrierenden Systemen zum Zwecke der Interoperation. Dann wird auf jeden Fall schon mal die Welt ein wenig besser, Herr Zuckerberg.
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