Marken-Netzwerke Yahoo will endlich Geld mit Web 2.0 verdienen

Yahoo will seine Web-Einkäufe endlich gewinnbringend einsetzen. Flickr, Del.icio.us und der andere Angebote sollen stärker verknüpft werden. Innerhalb dieser Infrastruktur will man "Marken-Universen" schaffen - vernetzte Online-Auftritte zu bestimmten Filmen, TV-Shows oder Bands.


Man könnte Google von seiner Marktmacht her mit He-Man vergleichen. Yahoo liegt im Augenblick weit dahinter, aber das soll sich jetzt ändern: Mit viralen Marketing-Methoden will sich der Multi-Service-Anbieter aus dem kalifornischen Sunnyvale nun auch zum Master Of The Universe aufschwingen, zum Herrscher über nicht eines, sondern gleich 100 Markenuniversen.

ABC-Webangebot zu "Lost": "Virtuelles Umfeld für Fans"

ABC-Webangebot zu "Lost": "Virtuelles Umfeld für Fans"

Sprecher des Unternehmens teilten gestern auf einer Pressekonferenz in Kalifornien mit, Yahoo plane den konsequenten Auf- und Ausbau der hauseigenen PR-Infrastruktur zu einem ausgedehnten, eng verwobenen Netz aus Webauftritten, die bestimmte kulturelle Phänomene wie Filme, TV-Shows, Spiele, Bands oder Stars grenzenlos promoten können. Endresultat seien zahlreiche Marken-Universen, virtuelle Kultur-Räume, in denen Fans der jeweiligen Marke intuitiv die gewünschten Informationen finden und miteinander interagieren können.

Bislang sei die Suche nach bestimmten Inhalten noch eher kontraintuitiv, sagt Vince Broady, seines Zeichens Vorsitzender des Ressorts Spiele, Unterhaltung und Jugend bei Yahoo, der "New York Times". Die Firma habe riesige Ressourcen an Entertainment-Inhalten, die einzelnen Inhalte seien aber unzureichend miteinander verknüpft. Die User-Marke-Bindung leide darunter.

Ein virtuelles Umfeld für Fans

"Mit dem Marken-Universum bauen wir nun ein virtuelles Umfeld auf, in dem die Fans bestimmter Marken sich aufhalten können, wenn sie online sind", erläuterte Broady.

Das erste virtuelle Markenuniversum hat Yahoo bereits aufgebaut: Im Cyberspace kreisen zahlreiche Websites, Blogs, Flickr-Fotostrecken, Del.icio.us-Bookmarks und YouTube-Videos wie Satelliten um Nintendos neue Wii-Konsole. Viele dieser digitalen Außenstellen hat Yahoo errichtet. Durch die forcierte Kommunikation im Netz soll das bloße Produkt Wii zu einem kulturellen Phänomen werden.

Anders formuliert: Yahoo bemüht sich nun, die Einkäufe der letzten Zeit durch ein markengetriebenes Netz so miteinander zu verknüpfen, dass sich vielleicht Geld damit verdienen lässt. Denn Flickr, Del.icio.us und andere zugekaufte Web-Startups sind bislang vor allem Prestigeobjekte. Nicht zuletzt Marktforschung dürfte nun ein Ziel der neuen Offensive sein - Broady sagte der "New York Times", man werde in der Lage sein, die Anziehungskraft einzelner Marken über das Netzwerk hinweg zu beobachten und die gewonnenen Informationen mit den Marken-Inhabern zu teilen. Solche Nutzer-Beobachtung gilt Vermarktern derzeit als das nächste große Ding - der Kunde sagt dem Werber gewissermaßen selbst, was ihn interessiert.

Als nächstes kommen Harry Potter und Halo

Yahoo plant derweil schon die nächsten sechs "Marken-Universen": für die Romanfigur Harry Potter, die Videospiele "Halo" und "The Sims", die TV-Shows "The Office" und "Lost", sowie für die Spielzeugfiguren Transformers und deren weitverzweigte Produktlinien und Medienformate. Im Verlaufe des Jahres sollen weitere Marken-Universen hinzukommen, so Broady.

Möglicherweise bekommt Yahoo dann Probleme mit den Content-Produzenten, die eigene Online-Auftritten für ihre Marken entwerfen. Yahoo habe nicht vor, jeden einzelnen Anbieter um Erlaubnis zu fragen, sagt Broady. Sollten diese jedoch Einspruch erheben, werde man dieser Bitte Folge leisten.

Man rechne aber eher damit, dass die meisten Webseiten-Betreiber Yahoos virale Offensive als Chance begreifen werden, die eigenen Inhalte einem riesigen Publikum zu präsentieren. Man hoffe auf 100 Partner aus allen Entertainment-Bereichen, so Broady. "Sollten sich für bestimmte Marken wider erwarten keine Partner finden, nehmen wir uns einfach andere vor."

ssu



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.