Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Medienkrise: Warum Online-Werbung wichtig fürs Web ist

Von

2. Teil: Keine Werbung, kein Inhalt?

Werbeträger Computer: Keine Anzeigen - keine Inhalte Zur Großansicht
dpa

Werbeträger Computer: Keine Anzeigen - keine Inhalte

Von weltweit geschätzten 300 Millionen Firefox-Nutzern haben knapp über 74 Millionen diesen Werbeblocker installiert - jeder vierte Nutzer also. Nur knapp unter elf Millionen benutzen ihn allerdings auch täglich.

Statistiken für Adblock Plus: Zwischen neun und elf Millionen Werbeverweigerer am Tag Zur Großansicht

Statistiken für Adblock Plus: Zwischen neun und elf Millionen Werbeverweigerer am Tag

Allerdings: Die fleißigsten Werbeblockierer der Welt leben in Deutschland. Rund 20 Prozent aller aktiven Adblocker im Firefox-Browser laufen in der deutschen Programmversion:

Teutonen mit Werbeallergie: Niemand verweigert häufiger Online-Werbung Zur Großansicht

Teutonen mit Werbeallergie: Niemand verweigert häufiger Online-Werbung

Und zwar aus Prinzip. Nirgendwo ist die Zahlungsbereitschaft für Online-Medien geringer (acht Prozent), nirgendwo aber auch die Verweigerung von Werbung ausgeprägter als hier. Das gipfelt in einer aberwitzigen Haltung, die nur durch eine Verstaatlichung des WWW und seiner Inhalteangebote umzusetzen wäre: 40 Prozent aller Deutschen fordern laut einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung GfK aus dem Dezember 2009, dass Angebote im Web sowohl werbefrei als auch kostenlos sein sollten.

Das ist natürlich völlig realitätsfern: Die Verbeamtung aller Webmaster und Online-Redakteure ist derzeit nicht geplant. Diese Grundhaltung aber befördert die Wahrnehmung, dass ein Ausblenden von Werbung eine legitime Form der Notwehr gegen eine vermeintliche Belästigung ist.

"Die Alternative zur Online-Werbung wäre Paid Content"

Mit Notwehr versuchte es in der vorletzten Woche auch die vom US-Verlag Conde Nast betriebene Tech-Web-Seite "Ars Technica": In einem Experiment mit der eigenen Leserschaft blockierte die Web-Seite für Nutzer von Werbeblockern einfach auch die Inhalte - die Werbeverweigerer bekamen eine blanke Seite geliefert. Das Echo auf diese als Diskussionsanregung gedachte Aktion war heftig: Am Freitag vollführte die Redaktion einen sehr tiefen Kotau vor der aufgebrachten Leserschaft. Die Redaktion sei fälschlicherweise davon ausgegangen, dass die Werbeverweigerung aus bösem Willen geschehen sei, dabei seien die meisten Nutzer durchaus hilfsbereit.

Hinter verschlossenen Türen wird seit Jahren über solche Maßnahmen diskutiert. Niemand aber wagt, so etwas auch durchzuziehen. "Übergreifende Maßnahmen" seien auch innerhalb des Online-Vermarkterkreises nicht geplant, sagt dazu BVDW-Mann Paul Mudter: "Jeder Nutzer muss selbst entscheiden, ob er Online-Werbung akzeptiert und so zur Finanzierung eines Online-Magazins und der damit verbundenen journalistischen Arbeit beiträgt oder nicht. Die Alternative zur Online-Werbung wäre Paid Content, die aber nur in speziellen Fällen akzeptiert wird."

Da hat er allerdings recht. Wenn es einen Punkt gibt, über den sich alle Marktforscher einig sind, dann über diesen: Nur 16 Prozent aller Nutzer würden zahlen, ergab eine Forsa-Umfrage im Oktober 2009. Weltweit würden nur 13 Prozent zahlen, ermittelte die GfK im Dezember. Nielsen entdeckte im Februar 2010 immerhin 15 Prozent Zahlungsbereitschaft. PEW geht dagegen nur von sieben Prozent aus - den Rest zur Kasse zu bitten sei so, als wolle man "einen Schmetterling zurück in seinen Kokon zu zwingen".

Notwendig ist ein Bewusstseinswandel

Was aber bleibt dann? Kann man in Zeiten, in denen der Werbemarkt derart schwächelt, die Werbeblocker einfach weiter ignorieren, sie als schwer zu beziffernden Streuverlust verbuchen?

Nein. Mehr Adblocker bedeuten eine Erhöhung des redaktionellen Aufwands und damit der Kosten, um die im Rahmen der Werbeschaltung garantierten Reichweiten zusammen zu bekommen. Die Erlöse sinken damit weiter, zugleich wird ein quantitativer Druck zur Triebfeder statt einer qualitativen Orientierung. Es kann nicht sein, dass Web-Nutzer, die zum einen Qualität einfordern und billig Produziertes zurecht ablehnen, reflexhaft abwehrend auf Werbung reagieren: 16 Prozent aller Web-Nutzer klicken sofort weiter und weg, wenn in einem Video ein Werbespot auftaucht. Auf News-Seiten seien es 25 Prozent, ermittelte das auf Nutzerstatistiken von Web-Videos spezialisierte Unternehmen TubeMogul.

Notwendig ist ein Bewusstseinswandel. Wer Werbung als Belästigung wahrnimmt, sollte sich eines klarmachen: Der Deal, der auch dieses Angebot hier möglich macht, funktioniert nur, solange nicht zu viele Nutzer die Werbung verweigern. Werbeverweigerer haben die Freiheit kostenlosen Web-Medienkonsums nur, solange sich ihnen nicht zu viele Nutzer anschließen. Steigt der Prozentsatz der Verweigerer zu stark, wird ein Angebot entweder kostenpflichtig oder geht unter.

Wann schalten Sie Ihren Werbeblocker ab?

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 480 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Titelblocker !
Olaf 22.03.2010
Zitat von sysopWenn man Online-Nutzer vor die Wahl stellt, ob sie Anzeigen akzeptieren oder für Informationen zahlen wollen, ziehen sie Werbung vor. Immer mehr User verweigern allerdings beides - und gefährden damit den Fortbestand kostenloser Angebote im Web. Medienkrise: Warum Online-Werbung wichtig fürs Web ist - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,683579,00.html)
Also ich surfe mit aktivem Adblocker. Der Grund diesen zu installieren war allerdings weniger die Werbung, sondern die verlängerten Ladezeiten beim Aufruf einer Seite. Aber gut, ich kann der Argumentation vom SPON schon folgen, als Zeichen des guten Willen habe ich den Ablocker für die Spiegel.de und das Forum abgeschaltet. ;-)
2. ABP + Whitelist = der gute Weg
ItchyDE 22.03.2010
Ich darf mich auch mal als ABP User outen - allerdings gilt dies nicht für spiegel.de und andere Webseiten, deren Dienste ich oft und gerne in Anspruch nehme. ABP bietet die Möglichkeit, ausgewählten Seiten das anzeigen von Werbung zu erlauben, eine Funktion, die ich jedem Nutzer ans Herz legen möchte. So bleibt man beim surfen in irgendwelchen "wilden" Gefilden von der wirklich nervigen Werbung verschont, gleichzeitig honoriert man die gute Arbeit der Seiten, die man oft ansurft.
3. Wann schalte ich meinen Werbeblocker ab?
claudilein 22.03.2010
Sobald die Ladezeit der Seite nicht mehr wesentlich von der Werbung gemindert wird und der Rechner durch massig Flash-Einlagen nicht in die Knie gezwungen wird. Bei einem „alten“ Laptop (ca. 4,5 Jahre) ist der Werbeblocker oft die einzige Möglichkeit, sich noch in annehmbarer Geschwindigkeit durchs Netz zu bewegen. Ansonsten hätte ich nichts dagegen, wenn man beim Werbeblocker einzelne Seiten vom Blocken der Werbung ausschließen könnte…
4. Werbung ja, aber bitte nicht zu aufdringlich
phipse 22.03.2010
Auch ich habe die Diskussion auf arstechnica verfolgt und im Anschluß arstechnica von meinem Adblocker ausgenommen. Die Gründe hierfür waren: 1) Die wirklich hochqualitativen Artikel auf der Seite (werde mir vermutlich sogar einen bezahlten Premiumaccount holen). 2) Besonders wichtig: Wenig aufdringliche Werbung (habe ich natürlich erst bemerkt, nachdem der Adblocker aus war). Töne, Popups und sehr aufdringliche Werbung sind für mich einfach nicht akzeptierbar. Schon Flash-Werbung kann erheblich stören (leider auch auf arstechnica), da sie teilweise erhebliche Prozessorleistung frisst - gerade unter Linux (aber auch MacOS oder unter Windows mit Google Chrome). Vielleicht sollte man als Redaktion zunächst erstmal darauf achten diese Ärgernisse abzustellen, bevor man sich über den Einsatz von Adblockern beschwert.
5. kontraproduktiv
user_187246 22.03.2010
Also, ich bin gerne bereit mir Werbung anzusehen, und habe auch keinen Ad-Blocker installiert. ABER, ganz wichtig: Dann muss auch sichergestellt sein, dass die Werbung ueberhaupt zu ertragen ist (!!) Wenn ich Spiegel Online benutze, und am rechten Rand huepft permanent jemand auf und ab, wackelt mit dem Finger und schneidet Grimassen, dann ist das schlicht und ergreifend unertraeglich. Man kann sich nicht mehr auf den Artikel konzentrieren, und niemand - niemand ! - wird jemals eine positive Assoziation mit dem dort beworbenen Produkt herstellen. Der anfaengliche Erfolg von Google ruehrt gerade daher, dass die Werbung sehr sachlich, 'unaufgeregt' daher kommt ... also, bitte keine Popups, fly-overs, und verzweifelt winkende Video-gestalten. Sonst installiert noch der letzte, inklusive meiner Oma, einen Ad-blocker !
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: