Megaupload-Nachfolger: Kim Dotcom beklagt Radio-Werbeboykott

Wenige Tage vor dem Start des Megaupload-Nachfolgers Mega plagt Firmenchef Kim Dotcom neuer Ärger. Eine neuseeländische Mediengesellschaft weigert sich, Radiowerbung für das geplante Angebot auszustrahlen. Andernorts läuft es für den umstrittenen Unternehmer besser.

Kim Dotcom alias Kim Schmitz: Keine Mega-Radiowerbung Zur Großansicht
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Kim Dotcom alias Kim Schmitz: Keine Mega-Radiowerbung

Der Chef des Anfang 2012 stillgelegten Online-Hosters Megaupload, Kim Dotcom, steht mit seinem neuen Projekt Mega kurz vor dem Start. Für den 20. Januar ist eine Pressekonferenz in Dotcoms angemieteter Villa in Neuseeland angekündigt, während der das neue Online-Angebot vorgestellt werden soll. Um von Anfang an möglichst viel Aufmerksamkeit auf Mega zu lenken, hatte Dotcom bei neuseeländischen Radiostationen 500 Werbespots gebucht. Doch drei Tage vor dem Start hat die Sendergesellschaft MediaWorks Dotcoms Radiokampagne gestoppt.

Gegenüber dem "New Zealand Herald" erklärte eine MediaWorks-Sprecherin, die Dotcom-Spots würden aus "geschäftlichen Gründen" nicht ausgestrahlt werden. Dazu, um welche Gründe es sich konkret handelt, sagte sie nur, die Vereinbarungen mit Werbekunden würden grundsätzlich vertraulich behandelt. Allerdings fügte die Sprecherin an, die Annullierung einer Werbekampagne sei ungewöhnlich.

Für Dotcom waren die Schuldigen schnell gefunden. Via Twitter verkündete er: "Offensichtlich haben sich einige Musik-Labels bei MediaWorks wegen unserer Anzeigen beschwert." Allerdings nahm er die Radiogesellschaft von seiner Kritik aus. MediaWorks treffe keine Schuld, es sei ein großartiges Unternehmen mit großartigen Leuten. "Es sind die Musik-Labels, die wieder einmal ihre Macht missbrauchen."

An anderer Stelle hatte Dotcom mehr Erfolg. Im Rahmen der Polizeiaktionen gegen seine Web-Angebot Megaupload sind auch in Kanada 32 Server inklusive der darauf gespeicherten Daten beschlagnahmt worden. Das US-Justizministerium wollte nun auf dem Wege der Amtshilfe von den kanadischen Kollegen Zugriff auf das Datenmaterial gewährt bekommen. Doch die Amerikaner blitzten vor einem kanadischen Gericht ab.

Wie der kanadische Juraprofessor Michael Geist berichtet, hat das Gericht in der Provinz Ontario die US-Anfrage abgewiesen und dies mit der Aufforderung verbunden, das Ersuchen möge präziser gehalten werden. Den US-Behörden wurde aufgegeben, im Ersuchen daraufhin genauer zu fassen, was für den Fall relevant sei und was nicht.

Megaupload hatte selbst nie die Zurückgabe der Server beantragt, jedoch damit argumentiert, die dort gespeicherten Daten seien für den Fall eben nicht relevant.

meu

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1.
themistokles 17.01.2013
Zitat von sysopWenige Tage vor dem Start des Megaupload-Nachfolgers Mega, plagt Firmenchef Kim Dotcom neuer Ärger. Eine neuseeländische Mediengesellschaft weigert sich, Radiowerbung für das geplante Angebot auszustrahlen. Andernorts läuft es für den umstrittenen Unternehmer besser. Mega: Kim Dotcom beklagt Werbeboykott - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/mega-kim-dotcom-beklagt-werbeboykott-a-878079.html)
Der Arme... Soll ich jetzt Mitleid haben? Megaracer ist ein mehrfach vorbestrafter Krimineller, der auch gerne mal seine eigenen Kunden in die Pfanne haut, wenn es um seine Haut geht: Kim Schmitz (http://de.wikipedia.org/wiki/Kim_Schmitz)
2. US Recht gilt nur in den USA
thorland 17.01.2013
Das Problem mit MEGA-Upload ist die Rechtsauffassung der USA - angetrieben durch wirtschaftliche Interesse US-amerikanischer Medienkonzerne, dass US-Recht auch auf Straftaten anzuwenden ist, die nicht auf oder vom Boden der USA begangen werden. Diese Rechtsauffassung spiegelt sich in so krassen Fällen wie Guantanamo wieder, WikiLeaks mit Julian Assanges; Aber auch in Zusammenhang mit Straftaten gegen das US-amerikanische Urheberrecht. Kurz: Um vor irgendeinen Provinzrichter in Alabama oder Wisconsin zu landen, reicht es im Prinzip schon, wenn von irgendeinem Ort auf der Welt bspw. eine Urheberrechtsverletzung (Nach US-Recht!) gegen ein US-Unternehmen im Zuständigkeitsbereich des betreffenden Gerichts begangen wird, ohne dass man im Zusammenhang mit der Tat selber überhaupt die USA betreten haben muss. Julian Assanges hatte das WorldWibeWeb benutzt, um Geheim-Unterlagen, die nach amerikansischen Recht besonders geschützt werden, zu veröffentlichen. Ebenso mit MEGA-Upload - Es wurden im Internet raubkopierte Medien zum Download angeboten, wobei hier besonders US-Konzerne angeblich geschädigt worden sind. Dies geschah weder vom Boden der USA aus, noch wurden Werbeeinnahmen im Zusammenhang damit in den USA steuerpflichtig und hinterzogen. Nun mal auf den Punkt: Wo kommen wir hin, wenn jedes Land seine eigene Rechtsauffassung auf den ganzen Planeten, ja auf die Milchstraße ausdehnt. So könnte es denn passieren, dass ich demnächst in den IRAN ausgeliefert werden könnte, weil ich deren Fastenregeln nicht beachte und dieses dort strafbar ist. Oder ich beleidige nur so zum Spaß den König von Thailand und werde nach meiner Auslieferung wegen dieses vergehens dorthin die nächsten 20 Jahre in einem Knast in Thailand weggesperrt? Wenn Herr Schmitz in Neuseeland eine Straftat begangen hat, ist es das Recht der Neuseeländer, dort und nur dort angeklagt zu werden. Auch wenn es eine traurige Nachricht für die USA ist: Eure Gesetze gelten in den USA und nur dort!
3. US Recht gilt nur in den USA
thorland 17.01.2013
Das Problem mit MEGA-Upload ist die Rechtsauffassung der USA - angetrieben durch wirtschaftliche Interesse US-amerikanischer Medienkonzerne, dass US-Recht auch auf Straftaten anzuwenden ist, die nicht auf oder vom Boden der USA begangen werden. Diese Rechtsauffassung spiegelt sich in so krassen Fällen wie Guantanamo wieder, WikiLeaks mit Julian Assanges; Aber auch in Zusammenhang mit Straftaten gegen das US-amerikanische Urheberrecht. Kurz: Um vor irgendeinen Provinzrichter in Alabama oder Wisconsin zu landen, reicht es im Prinzip schon, wenn von irgendeinem Ort auf der Welt bspw. eine Urheberrechtsverletzung (Nach US-Recht!) gegen ein US-Unternehmen im Zuständigkeitsbereich des betreffenden Gerichts begangen wird, ohne dass man im Zusammenhang mit der Tat selber überhaupt die USA betreten haben muss. Julian Assanges hatte das WorldWibeWeb benutzt, um Geheim-Unterlagen, die nach amerikansischen Recht besonders geschützt werden, zu veröffentlichen. Ebenso mit MEGA-Upload - Es wurden im Internet raubkopierte Medien zum Download angeboten, wobei hier besonders US-Konzerne angeblich geschädigt worden sind. Dies geschah weder vom Boden der USA aus, noch wurden Werbeeinnahmen im Zusammenhang damit in den USA steuerpflichtig und dort hinterzogen. Stört aber die Amis nicht... Nun mal auf den Punkt: Wo kommen wir hin, wenn jedes Land seine eigene Rechtsauffassung auf den ganzen Planeten, ja auf die Milchstraße ausdehnt? So könnte es denn passieren, dass ich demnächst in den IRAN ausgeliefert werden könnte, weil ich Herrn Achim Dineschad kritisiere und dieses dort nunmal strafbar ist. Oder ich beleidige nur so zum Spaß den König von Thailand und werde nach meiner Auslieferung wegen dieses Vergehens die nächsten 20 Jahre in einem Knast in Thailand weggesperrt? Wenn Herr Schmitz in Neuseeland eine Straftat begangen hat, ist es das Recht der Neuseeländer, dort und nur dort angeklagt zu werden. Auch wenn es eine traurige Nachricht für die USA ist: Eure Gesetze gelten in den USA und nur dort!
4. jepp
master-of-davinci 17.01.2013
Zitat von thorlandDas Problem mit MEGA-Upload ist die Rechtsauffassung der USA - angetrieben durch wirtschaftliche Interesse US-amerikanischer Medienkonzerne, dass US-Recht auch auf Straftaten anzuwenden ist, die nicht auf oder vom Boden der USA begangen werden. Diese Rechtsauffassung spiegelt sich in so krassen Fällen wie Guantanamo wieder, WikiLeaks mit Julian Assanges; Aber auch in Zusammenhang mit Straftaten gegen das US-amerikanische Urheberrecht. Kurz: Um vor irgendeinen Provinzrichter in Alabama oder Wisconsin zu landen, reicht es im Prinzip schon, wenn von irgendeinem Ort auf der Welt bspw. eine Urheberrechtsverletzung (Nach US-Recht!) gegen ein US-Unternehmen im Zuständigkeitsbereich des betreffenden Gerichts begangen wird, ohne dass man im Zusammenhang mit der Tat selber überhaupt die USA betreten haben muss. Julian Assanges hatte das WorldWibeWeb benutzt, um Geheim-Unterlagen, die nach amerikansischen Recht besonders geschützt werden, zu veröffentlichen. Ebenso mit MEGA-Upload - Es wurden im Internet raubkopierte Medien zum Download angeboten, wobei hier besonders US-Konzerne angeblich geschädigt worden sind. Dies geschah weder vom Boden der USA aus, noch wurden Werbeeinnahmen im Zusammenhang damit in den USA steuerpflichtig und dort hinterzogen. Stört aber die Amis nicht... Nun mal auf den Punkt: Wo kommen wir hin, wenn jedes Land seine eigene Rechtsauffassung auf den ganzen Planeten, ja auf die Milchstraße ausdehnt? So könnte es denn passieren, dass ich demnächst in den IRAN ausgeliefert werden könnte, weil ich Herrn Achim Dineschad kritisiere und dieses dort nunmal strafbar ist. Oder ich beleidige nur so zum Spaß den König von Thailand und werde nach meiner Auslieferung wegen dieses Vergehens die nächsten 20 Jahre in einem Knast in Thailand weggesperrt? Wenn Herr Schmitz in Neuseeland eine Straftat begangen hat, ist es das Recht der Neuseeländer, dort und nur dort angeklagt zu werden. Auch wenn es eine traurige Nachricht für die USA ist: Eure Gesetze gelten in den USA und nur dort!
100% agree Das Selbstverständnis der USA die einzigen Rechteinhaber dieser Erde zu sein, ist wirklich erschreckend.
5.
mm71 17.01.2013
Zitat von thorlandWenn Herr Schmitz in Neuseeland eine Straftat begangen hat, ist es das Recht der Neuseeländer, dort und nur dort angeklagt zu werden.
Soweit ich weiss, war der Dienst "Megaupload" nicht nur in Neuseeland verfügbar.
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