Netzwelt-Ticker: Megaupload abgehört, Facebook-Entführer, Militär-Virus

Von Felix Knoke

Heute im Netzwelt-Überblick: Immer mehr Unternehmen wehren sich gegen die so dreisten wie cleveren Methoden eines US-Werbeunternehmens. Die SPD-Fraktion Berlin Mitte will Liquid Feedback ausprobieren und Apple macht schnellen Prozess mit der umstrittenen Java-Software. Das und mehr im Überblick.

Auto von Kim Dotcom: Geheimdienst half der Polizei Zur Großansicht
REUTERS

Auto von Kim Dotcom: Geheimdienst half der Polizei

Die Überwachung von Megaupload-Gründer Kim Schmitz alias Kim Dotcom durch den neuseeländischen Geheimdienst geschah möglicherweise widerrechtlich. Das geht aus einer Mitteilung des neuseeländischen Premierministers John Key hervor. Über ein Memorandum habe dieser erfahren, dass der Geheimdienst die Verdächtigen in einigen Fällen ohne gesetzliche Grundlage überwacht habe.

Key sagte, er habe den Vorfall zur Untersuchung an Paul Neazor, Generalinspekteur der beiden neuseeländischen Geheimdienste, übergeben; jetzt distanziert sich der Premierminister weiter von dem Fall: "Ich erwarte von unseren Nachrichtendiensten, dass sie sich an die Gesetze halten. Ihre Tätigkeit beruht auf öffentlichem Vertrauen."

Schon zuvor bezeichnete ein Gericht die dramatische Hausdurchsuchung bei Kim Dotcom als illegal. Kritisiert wurde von vielen Stellen das rabiate Vorgehen der Polizei, nachdem ein Video des Einsatzes veröffentlicht wurde, und die Rolle des FBI bei dem Einsatz.

Malware-Kampagne gegen Energie- und Militärfirmen

Hacker haben sich über einen Trojaner systematisch Zugang zu Computersystemen des taiwanischen Militärs, einer kanadischen Energiefirma, eines großen Ölunternehmens auf den Philippinen und mehrerer anderer Unternehmen in Brasilien, Israel, Ägypten und Nigeria verschafft. Laut der "SecureWorks Counter Threat Unit" des Computerherstellers Dell haben die Hacker dazu den sogenannten Remote Access Trojaner (Rat) Mirage eingesetzt und über individuelle E-Mails an Personen der mittleren und oberen Führungsebene der betroffenen Unternehmen verbreitet. Laut Dell gibt es Hinweise auf einen Ursprung der Angriffe in China.

Entführung live bei Facebook

Wenn Entführern der Stress des Entführens über den Kopf wächst, suchen sie Halt - oder zumindest ein Ventil - in sozialen Netzwerken. Das zumindest legt - schon wieder - ein neuer Fall von überraschender Gesprächigkeit nahe: Ein 22-Jähriger soll, noch während er ein Opfer in seiner Gewalt hatte, verzweifelte Facebook-Nachrichten mit seinen Freunden ausgetauscht haben: "Ich schaff's nicht mehr, ich bin erledigt, Junge", "Wie das ausgeht, hängt von euch allen ab, echt jetzt." Der Mann ließ erst dann von seinem Entführungsplan ab, als er eine ehemalige Freundin sprechen konnte - via Telefon.

Was am Montag sonst noch in der Netzwelt wichtig war

  • Straßenkünstler Paolo Cirio lässt die unkenntlich gemachten Straßeneckensteher aus Google Street View als Paste-up-Kunstwerk wiederauferstehen. Sein Projekt "Street Ghosts" zog er in London, New York und Berlin auf; es ist ein Statement gegen Googles Aneignung des öffentlichen Raums und eine Wiederaneignung durch die Verwendung der Google-Bilder ohne das Einverständnis des Unternehmens.
  • Laut den Marktforschern der GfK stieg der Umsatz von Musik-, Spiele-, Software-, Film- und Bücher-Downloads im ersten Halbjahr 2012 auf 392 Millionen Euro, 60 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Auf E-Bücher entfielen elf Prozent der Umsätze.
  • Man darf nicht vergessen, dass Google Maps anfangs auch reichlich Probleme hatte - trotzdem wirkt das neue Kartensystem auf Apples mobilem Betriebsystem iOS 6 wie eine Zumutung, der man am besten mit ein wenig Hackerkunst und Dreistigkeit entgegentritt.
  • Glaubt man den Mutmaßungen einiger Sicherheitsexperten, könnte Microsoft schon seit mindestens einem Monat von der gefährlichen Sicherheitslücke im Internet Explorer gewusst haben.
  • Die EU-Kommission will das Internet verstärkt zur Terrorabwehr einsetzen, doch das sogenannte CleanIT-Projekt stößt auf harsche Kritik. Jetzt hat die Bürgerrechtsbewegung European Digital Rights ein vertrauliches Dokument mit Plänen für CleanIT veröffentlicht, das die Vorwürfe anheizen dürfte. Erich Möchel vom ORF: "Das CleanIT-Projekt ist nichts anderes als der nächste Versuch, europaweit eine flächendeckende Überwachung des Internetverkehrs einzuführen."

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insgesamt 7 Beiträge
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1. Megaupload Kim Dotcom
Antiseptisch 24.09.2012
Zum Thema sicherlich sehr interessant ist auch dieser Beitrag des neuseeländischen Fernsehsenders 3 News: Megaupload - Arrestation de Kim Dotcom par le FBI.flv - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=1iM_2WuVBOU) Aber darüber möchte sicherlich niemand in den deutschen Medien berichten, weil "nicht im öffentlichen Interesse" und "nicht zielführend". :P Das "Doomsday Device" ist nach wie vor der absolute Knüller, das macht einen wirklich sprachlos...
2. Wo ist die vierte Gewalt?
lordas 24.09.2012
Zitat von sysopIm Netzwelt-Ticker: Neuseelands Premierminister lässt die Überwachung von Megaupload-Helfern durch den Geheimdienst untersuchen; Sicherheitsexperten decken Malware-Kampagne gegen Militär und Energiefirmen auf; ein Entführer lässt bei Facebook Dampf ab. Megaupload illegal überwacht Entführer plaudert auf Facebook - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/megaupload-illegal-ueberwacht-entfuehrer-plaudert-auf-facebook-a-857557.html)
Hat sich der Spiegel mal diesen Maßnahmenkatalog angesehen oder warum kommt das hier als letzter Unterpunkt in der Zusammenfassung des Tages? Das ist doch wohl um einiges wichtiger als irgendein Volldepp der sich über Facebook ausweint. Sorry aber die Punkte von CleanIT kann man im Prinzip auch ins Arabische übersetzen und dem Iran zur Verfügung stellen. Damit man dort mal wieder lernen kann wie "fortschrittlich" der Westen ist. Vor kurzem kam erst lang und breit das Jubiläum der Spiegel-Affäre und dann lässt man solche Dinge einfach links liegen? Das gehört auf die ERSTE Seite, nicht nur Online, sondern auch im Magazin selber. Mir kann keiner erzählen, dass es keine näheren Informationen gab oder printbares Material. Ich kann mir kaum vorstellen, dass weder Fefe, noch Udo Vetter, noch Netzpolitik.org, noch der Chaos Computerclup, noch jemand von European Digital Rights, noch irgendeiner anderen Menschenrechtsorganisation die sich Ansatzweise mit dem Internet beschäftigt, nicht bereit für ein Interview gewesen wäre. Zur vierten Gewalt wird man nicht automatisch mir dem Presseausweis, das muss man sich immer wieder verdienen. Sonst wird man mit der Zeit selbst obsolet.
3. Der dicke Kim
bittere_wahrheit 24.09.2012
Bin zwar normalerweise komplett gegen die Machenschaften der Contentmafia, aber hier triffts mal wirklich den richtigen. Gönne dem überheblichen Kerl jeden Tag den er hinter Gittern verbingt.
4. Nehmen sie es nicht zu ernst....
tylerdurdenvolland 25.09.2012
Zitat von AntiseptischZum Thema sicherlich sehr interessant ist auch dieser Beitrag des neuseeländischen Fernsehsenders 3 News: Megaupload - Arrestation de Kim Dotcom par le FBI.flv - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=1iM_2WuVBOU) Aber darüber möchte sicherlich niemand in den deutschen Medien berichten, weil "nicht im öffentlichen Interesse" und "nicht zielführend". :P Das "Doomsday Device" ist nach wie vor der absolute Knüller, das macht einen wirklich sprachlos...
Einfach öfters mal drüber lachen.... Da steht doch tatsächlich: "Ich erwarte von unseren Nachrichtendiensten, dass sie sich an die Gesetze halten. Ihre Tätigkeit beruht auf öffentlichem Vertrauen." 'nen besseren werden sie heute kaum noch finden....
5.
Zephira 25.09.2012
Zitat von lordasDas ist doch wohl um einiges wichtiger als irgendein Volldepp der sich über Facebook ausweint.
Der "Volldepp" ist ein verkappter Mörder. Er hat sich überlegt, zwei Polizisten mit einem Hammer anzugreifen und sich ihre Schusswaffen anzueignen, aber sich dann dagegen entschieden - das Risiko erschossen zu werden schien ihm zu groß. Schade, dass sein anderes Opfer unbewaffnet war. Klar ist nur: Der Mann muss für den Rest seines Lebens weggesperrt werden. Alternativ könnte man ihn natürlich als Nanny in den Haushalten der Menschen einstellen, die für seine Rehabilitierung plädieren.
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  • Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.

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