SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

19. Januar 2013, 17:30 Uhr

Mega

Das ist Kim Dotcoms neuer Online-Datenspeicher

Von

Am Sonntag ist es soweit: In Neuseeland stellt Kim Dotcom den Megaupload-Nachfolger Mega vor. Seinen neuen Online-Speicherdienst will der Internet-Unternehmer gegen Piraterie-Vorwürfe absichern, alle Daten narrensicher verschlüsseln. Wir haben den Dienst vorab ausprobiert.

Die Premiere war am Samstagabend: Genau um 18.48 Uhr mitteleuropäischer Zeit ging Mega ans Netz. Mit dem Online-Speicherportal wagt der Internetunternehmer Kim Dotcom einen Neustart. Das Angebot soll sein früheres Erfolgsmodell Megaupload ersetzen, das nach einer weltweit koordinierten Polizeiaktion vor einem Jahr vom Netz genommen wurde. Genau das ist auch der Grund für die ungewöhnliche Startzeit des neuen Angebots: Etwa um 6.48 Uhr am Morgen des 20. Januar 2012 landete der erste Polizeihubschrauber auf dem Anwesen des Multimillionärs.

Der Grund für die Polizeiaktion waren Vorwürfe, Dotcom betreibe mit Megaupload Internetpiraterie, bereichere sich auf kriminelle Weise am geistigen Eigentum anderer. Tatsächlich war Megaupload über Jahre als Sammelstelle für raubkopierte Filme, TV-Serien und Musik im Internet bekannt, wenngleich es auch Nutzer gab, die es ganz legal als Online-Festplatte verwendeten.

Und so sieht sich Kim Dotcom in der Opferrolle: Er glaubt, eine Verschwörung von US-Justiz und Medienindustrie stehe hinter der Anklage gegen ihn. Zudem gibt er sich von seiner Unschuld überzeugt. Schließlich hätten nicht er und seine Geschäftspartner illegale Daten auf die Festplatten seiner Server geladen, sondern die Anwender selbst. Und darauf habe er keinen Einfluss gehabt und Links zu Dateien, die gegen Copyrights verstießen, auf Antrag der rechtmäßigen Eigentümer löschen lassen.

Am besten mit Chrome

Genau solchen Problemen wollen Schmitz und seine Mitstreiter mit dem neuen Speicherdienst Mega aus dem Weg gehen. Der Trick: Alle Daten, die Anwender auf das neue Portal hochladen, werden sofort verschlüsselt. Die Schlüsseldaten, die nötig sind, um eine solche Datei wieder lesbar zu machen, verbleiben beim jeweiligen Anwender. Auf diese Weise könne er nun wirklich nicht dafür haftbar gemacht werden, was seine Kunden bei Mega abladen, lautet die einfache Argumentation, die sich Dotcom von seinen Anwälten hat zurechtlegen lassen.

Das System läuft komplett im Browser. Apps, um das Angebot komfortabel auf einem Smartphone benutzen zu können, oder Programme für Windows oder Mac OS X gibt es ebenso wenig. Stattdessen verlangt Mega nach einem aktuellen Browser, denn der Dienst macht ausführlich Gebrauch von Javascript und HTML5. Am besten funktioniert er mit Googles Chrome und recht gut mit dem Internet Explorer 10. Alle anderen aktuellen Webbrowser werden auf den Hilfeseiten von Mega mehr oder weniger schlecht bewertet.

Zugang nur mit Mega-Schlüssel

Die Benutzeroberfläche ist an den Windows Explorer angelehnt (siehe Fotostrecke), erinnert ein wenig an die Web-Oberflächen von Cloud-Speicherdiensten wie Dropbox und Stratos Hidrive. Alle Dateioperationen lassen sich komfortabel mit der Maus ausführen, Dateien oder ganze Ordner können einfach per Drag & Drop im Browser bewegt werden.

Neben seiner Funktion als Online-Datenspeicher, ist Mega vor allem auf einfaches Austauschen und Freigeben von Dateien ausgerichtet. So kann man ganze Ordner oder einzelne Dateien für andere Nutzer freigeben oder sie diesen über einen Link zum Download bereitstellen. Genau da unterscheidet sich Mega von anderen Cloud-Speicherdiensten. So kann man dem Empfänger einen Link mit integriertem Dekodierschlüssel senden. Wer diesen anklickt, kann die fragliche Datei sofort herunterladen.

Es gibt aber auch die Möglichkeit, Downloadlink und Schlüssel voneinander zu trennen. So könnte man den Link auf einer Webseite veröffentlichen, die Datei kann dann aber nur herunterladen, wer die dafür nötige Schlüsselsequenz, eine vielstellige Zeichenfolge, zugeschickt bekommt. Zum Einsatz kommen sogenannte RSA-Schlüssel mit 2048 Bit Länge. Fremde, egal ob Spione, Hacker oder Ermittlungsbehörden, dürften es schwer haben, derart stark verschlüsselte Daten zu entschlüsseln.

Mehr Platz für weniger Geld

Damit bietet sich Mega jedem an, der seinen Daten online vor unbefugten Einblicken sichern will. So dicht wie Mega hält wohl kaum ein anderer Anbieter. Und teuer ist das Angebot auch nicht. Die kostenlose Variante stellt 50 Gigabyte Speicherplatz zur Verfügung. Zum Vergleich: Bei Dropbox erhält man zum Einstand zwei Gigabyte. Nicht anders sieht es bei den kostenpflichtigen Upgrades aus. Für zehn Euro im Monat oder 100 im Jahr, werden 500 GB Cloud-Speicher bereitgestellt, bei Strato kostet diese Speichermenge das Dreifache.

Konkurrenzfähig ist Mega also und bietet zudem noch eine offenbar kaum knackbare automatische Verschlüsselung aller Daten. Und sogar ein Online-Formular, über das man Copyright-Verletzungen bei Mega melden kann, ist bereits vorhanden. Kim Dotcom, so macht es den Eindruck, hat sich in alle Richtungen gegen neue Probleme mit Strafverfolgern abgesichert.

Was er sonst noch zu Mega zu sagen hat, werden wir am Sonntagmorgen erfahren, wenn er den neuen Dienst mit einer Pressekonferenz in Neuseeland offiziell eröffnet. SPIEGEL ONLINE wird von der Veranstaltung berichten.

URL:

Mehr auf SPIEGEL ONLINE:


© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH