Meinungsvielfalt Reuters holt Blogger auf seine Webseite

Die renommierte Nachrichtenagentur Reuters verlässt sich nicht mehr allein auf das eigene Urteil: Ab sofort veröffentlicht sie auf ihrer Webseite auch Auszüge aus Weblogs.


Dean Wright fand für die Sache deutliche Worte: "Wir müssen unsere Webseite für andere Meinungen öffnen", sagte der Reuters-Manager der britischen Zeitung "The Guardian". "Es gibt viele Diskussionen über Nachrichtenthemen - und wir möchten dabei sein."

Reuter-Website: Direkte Links zu Irak-Blogs

Reuter-Website: Direkte Links zu Irak-Blogs

Um mehr Stimmen wiedergeben zu können, kooperiert Reuters nun mit dem Blognetz Global Voices Online - vor Jahren wäre derartiges kaum vorstellbar gewesen. Lange rümpften die Macher etablierter Medien die Nase über das, was sich da im Web entwickelte.

Manche Blogger wiederum verstanden sich vor allem als Kontrolleure der Webseiten von Tageszeitungen und Zeitschriften. Sie sahen die Arbeit der Journalisten sehr kritisch. Die Kooperation zwischen Reuters und dem Blogverbund Global Voices Online könnte dazu beitragen, einige der aufgerissen Gräben wieder zuzuschütten.

Hinter Global Voices Online stehen knapp hundert Blogger, die aus der ganzen Welt berichten. In den Texten geht es überwiegend um Politik, zum Beispiel um anstehende Wahlen in einem Land wie dem Libanon oder die aktuelle Lage im Irak.

Die Betreiber von Global Voices Online wählen jeden Tag die fünf bis zehn interessantesten Blogbeiträge aus und heben sie in den "Daily roundups" auf der Webseite hervor.

Reuters verlinkt entweder unter den eigenen Texten auf seiner Webseite zu passenden Weblogs - oder übernimmt Texte der Blogger komplett. Wie das ausieht, zeigt die Debatte über die Frage, ob die Medien überhaupt die Wahrheit über den Irak widerspiegeln. Links auf der Seite führen zu sechs verschiedenen Blogs, etwa zu dem von Salam Adil, einem Iraker, der in London lebt, oder zum Tagebuch von Raed Jarrar, einem Halb-Iraker, Halb-Palästinenser, der mittlerweile in San Francisco zu Hause ist.

Wie Blogs mit etablierten Medien zusammenarbeiten können, zeigt auch das Beispiel BlogBurst.com. Der amerikanische Blog-Verbund hat in der vergangenen Woche einen neuen Service für US-Zeitungen gestartet. Die Blätter dürfen Kommentare aus 600 Blogs auf ihren Websites publizieren. Im Gegenzug bekommen die Blogger eine größere Öffentlichkeit für ihre Texte - und zusätzliche Werbeeinnahmen durch den erhöhten Traffic.

hda

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