Mensch gegen Maschine Kramnik verliert die zweite Partie

Im Schaukampf Mensch gegen Maschine geht der erste Sieg an den Rechner Deep Fritz. Nach knapp drei Stunden Spielzeit schaffte es der Rechner, den menschlichen Schachweltmeister Matt zu setzen. Am Ende entschied der menschliche Faktor.


Gegen Mitte der Partie schien noch alles offen: Kramnik schlug sich wacker gegen den weiß aufspielenden Rechner. Mit zunehmender Spielzeit zeigte Kramnik seine Stärken. Alles schien zumindest auf ein Remis hinaus zu laufen.

Wladimir Kramnik (rechts): Eine Million Euro locken, aber dafür muss er das Match gewinnen
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Wladimir Kramnik (rechts): Eine Million Euro locken, aber dafür muss er das Match gewinnen

In der Endphase des Spiels verhedderte sich der Rechner regelrecht und ermöglichte es dem Menschen mit ein, zwei eher schwachen Zügen, auf einen Spielausgang hinzuspielen, der nach Meinung der meisten Experten Richtung Endlos-Schach lief. In diesem Augenblick aber zeigte Kramnik den "Human Factor", die menschliche Schwäche, die dem Rechner eben nie unterlaufen würde: Er übersah schlicht die Gefahr, dass Deep Fritz ihn binnen weniger Minuten Schach stellen könnte, und spielte, ganz auf eine eigene Strategie fixiert, auf Sieg.

Zu dem aber kam es nicht mehr. Deep Fritz stellte Kramniks schwarzen König mit der weißen Dame kalt, während Kramniks Figur jede Ausweichmöglichkeit verbaut war. So ist das manchmal mit der menschlichen Wahrnehmung: Etliche Zuschauer im Saal sowie die, die das überraschend spannende Spiel per Flash-Übertragung verfolgt hatten, dürften heute die zuschnappende Falle des Rechners früher erkannt haben als der Schachweltmeister.

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Der war zwar darauf vorbereitet, in Deep Fritz auf einen "sehr schweren Gegner" zu treffen, hätte sich in dieser frühen Phase des auf sechs Partien angesetzten Matches aber wohl einen anderen Start gewünscht. Nach dem Remis vom Samstag und dem heutigen Sieg führt Deep Fritz nun mit 1,5 zu 0,5 Punkten gegen Wladimir Kramnik. Für den geht es in diesem aufregenden Experiment eines Mensch-Maschinen-Wettkampfes nicht nur um Ruhm und Ehre, sondern auch um eine satte Siegprämie. Eine Million Euro kassiert Kramnik für den Fall seines Sieges, sonst muss er sich mit der (immer noch prallen) halben Börse begnügen.

Dass er das ganze Geld bekommt, halten unsere Leser übrigens für weniger wahrscheinlich. In einem Vote vor Partiebeginn sahen heute nur knapp 19 Prozent Kramnik vorn, fast 34 Prozent trauten Deep Fritz den Sieg zu.

Die nächste Partie ist für Mittwoch, 15 Uhr angesetzt, SPIEGEL ONLINE überträgt live mit Spielzug-Applet und Audiokommentar.

Die Partien werden öffentlich in der Bundeskunsthalle in Bonn ausgetragen und werden unter dem Titel "Hinter den Spiegeln" durch Ausstellungen, Vorträge und Aktionen rund um das Thema Schach und Kunst flankiert. Nähere Infos zu den Veranstaltungen hält die Webseite der Kunst- und Ausstellungshalle der BRD bereit: www.kah-bonn.de.

pat



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