Menschliches Versagen Hacker stehlen südkoreanische Militärgeheimnisse

Computerhacker haben offenbar einen Verteidigungsplan des südkoreanischen Militärs erbeutet. Geheimdienste vermuten Nordkoreanische IT-Spezialisten hinter der Aktion - die nur durch einen vergesslichen Offizier möglich wurde.

Cyberattacke: Südkoreas Militärs wurde per Internet ein Geheimplan gestohlen
Corbis

Cyberattacke: Südkoreas Militärs wurde per Internet ein Geheimplan gestohlen


Bei den gestohlenen Daten soll es sich um eine Powerpoint-Präsentation handeln, die den sogenannten Operational Plan 5027 zusammenfasst. Das elfseitige Dokument enthalte die wichtigsten Daten des auch als OPLAN 5027 betitelten Aufmarschplans, den südkoreanische und amerikanische Militärs für einen möglichen Kriegsfall ausgearbeitet haben. Die gestohlene Powerpoint-Kurzfassung wird Militärangaben zufolge genutzt, um Offiziere über die Details einer in einem solchen Fall geplanten Mobilmachung von insgesamt 700.000 Soldaten zu informieren

Schuld an dem nun aufgetretenen Datenleck war die in solchen Fällen häufigste Fehlerursache, ein Mensch. Ein südkoreanischer Offizier hatte vergessen, einen USB-Stick, auf dem die Daten des OPLAN 5027 enthalten waren, von seinem Arbeitsrechner abzuziehen, bevor er die Netzwerkverbindung des Computers vom internen Netz des Militärs auf das Internet umschaltete. So konnte ein Angreifer von außen auf die geheime Datei zugreifen und sie kopieren. Militärangaben zufolge hat sich der Vorfall bereits vor einem Monat ereignet.

Der Eindringling habe eine chinesische IP-Adresse verwendet, erklärte der südkoreanische Geheimdienst. Trotzdem schließen die Südkoreaner nicht aus, dass der Eindringling von Nordkorea aus operierte. Eine Bestätigung für diesen Verdacht gibt es bisher nicht. Allerdings hat es schon diverse ähnlich gelagerte Fälle gegeben, bei denen stets Nordkorea verdächtigt wurde, Cyberattacken gegen den südlichen Nachbarn ausgeführt zu haben. Zuletzt wurde Nordkorea im Juli beschuldigt, massive Angriffe gegen nordamerikanische und südkoreanische Regierungswebseiten unternommen zu haben. Der Ausgangspunkt für diese Attacken soll damals auf das Nordkoreanische Postministerium zurückgeführt worden sein, welches seinen IP-Adressen von China bezieht.

Geheimdienstler aus den USA und Südkorea vermuten schon lange, dass die nordkoreanische Militärführung ein speziell für derartige Attacke aufgebautes Cyber-Kommando eingerichtet hat. Etwa einhundert Hacker sollen von dort aus die Datennetze westlicher Staaten ausspionieren und gezielte Angriffe durchführen, um Websites lahmzulegen. Beweise für eine solche Hackerbrigade haben die Geheimdienste bisher allerdings nicht vorgelegt.

Die beiden koreanischen Staaten befinden sich seit 1950 völkerrechtlich gesehen immer noch im Kriegszustand. Der sogenannte Koreakrieg wurde 1953 zwar durch Unterzeichnung eines Waffenstillstandabkommens beendet, einen Friedensvertrag haben die beiden Koreas bislang aber noch nicht geschlossen.

mak



insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
nanokain gestern, 12:23 Uhr
1. Oje
Der Fehler war hier nicht in erster Linie das nicht abziehen des USB sticks, sondern ganz einfach die Tatsache, dass es von aussen offenbar grundsätzlich möglich ist auf diese Rechner zuzugreifen. Da wird und wurde mit sicherheit noch viel mehr abgegriffen. Denn auch ohne angeschlossenen USB Stick ist es durchaus möglich an dieses Dokument zu kommen. Denn beim öffnen und möglicherweise Bearbeiten des Dokuments werden im Programm- oder Systemcache möglicherweise temporäre Kopien vorhanden sein, wenn man das nicht explizit verhindert. Von den zwangsläufig vorhandenen "Kopien" im Arbeitsspeicher bzw. der Auslagerungsdatei ganz zu schweigen.
lucky001 22.12.2009
2. wundert
hmm, wundert mich sehr das solche sensibele Computer überhaupt ins Internet dürfen die beste absicherung gegen so einen angriff ist immer noch KEIN INTERNET wobei ich bisher dachte das bei solchen Geheimprojekten redunante Computersysteme ohne I-net zugang pflicht währen eigentlich. aber okay........... jetzt haben die sich bestimmt was gespart *Grins*
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.