Ein Jahr #MeToo Liebe Leserin, lieber Leser,

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große Ereignisse oder Entwicklungen kündigen sich manchmal schleichend an. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wann genau ich zum ersten Mal den Hashtag #MeToo in meiner Timeline entdeckte. Irgendwann im Oktober 2017 war er plötzlich da und ist es heute, ein Jahr später, immer noch. Dafür bin ich dankbar.

#MeToo-Demo in Los Angeles
Getty Images

#MeToo-Demo in Los Angeles

Was unter #MeToo in mosaikhafter Kleinteiligkeit an Geschichten zu lesen war, entfaltete eine unerwartete Wucht. Manchmal meinte ich, förmlich zu spüren, wie sich jahrelang angestaute Scham, Verzweiflung und Wut in einem spröde und sachlich formulierten Tweet einer Frau oder eines Mannes irgendwo auf der Welt entluden. Was mich noch mehr bewegte: zu beobachten, wie einzelne, auch anonyme Nutzer online Solidarität erfuhren, nach dem Motto "Du bist nicht allein mit deinem Schmerz".

Ohne das Internet hätte die #MeToo-Debatte über Belästigung und Missbrauch nie die Breite und Tiefe erreicht, die sie heute hat. Der Hashtag ist zu einem globalen Phänomen geworden, bei dem jeder Nutzer und jede Nutzerin eine Stimme hat.

Das alles machte #MeToo auch angreifbar, und was gab es nicht alles an Kritik: Mal war die Debatte zu weinerlich, mal zu aggressiv geführt von Frauen, mal nicht differenziert genug, dann wieder ausgrenzend gegenüber bestimmten Gruppen. Viele fragten verständnislos, warum Frauen unter #MeToo plötzlich Vorfälle herauskramen, die teils schon viele Jahre zurücklagen.

Demo in New York (Archiv)
DPA

Demo in New York (Archiv)

Dabei liegt genau darin die Macht der Hashtags begründet: Ein Hashtag rettet nicht die Welt, er erzeugt bestenfalls Aufmerksamkeit, was schlimmstenfalls auf Kosten von Nuancen geht. Das wirklich Tolle an Hashtags wie #MeToo ist folgendes: Sie bieten einen neuen Rahmen, um über Dinge zu sprechen, die auch schon vorher da waren, aber kaum benannt oder thematisiert werden konnten.

Das sagt auch die österreichische Autorin Ingrid Brodnig, mit der ich über die Bedeutung von #MeToo gesprochen habe. Das Interview mit Brodnig erscheint diese Woche auf SPIEGEL ONLINE, als Teil der Themenwoche #frauenland (ja, auch der SPIEGEL setzt auf die Macht des Hashtags).

Die Themenwoche von SPIEGEL, SPIEGEL ONLINE und SPIEGEL TV wird diese Woche in etlichen Beiträgen eine Bestandsaufnahme zur Lage der Frauen in Deutschland vornehmen und ein Jahr #MeToo beleuchten. Am Mittwoch erscheint zudem eine gedruckte SPIEGEL-Sonderausgabe.

Neue Smartphones von Google

Erhält einen Nachfolger: Googles Pixel 2
Matthias Kremp

Erhält einen Nachfolger: Googles Pixel 2

Am Dienstag stellt Google seine neuen High-End-Smartphones vor, das Pixel 3 und das Pixel 3 XL. Mein Kollege Patrick Beuth wird sich die Geräte für Sie ansehen und hofft nach den zahllosen Leaks auf die eine oder andere Überraschung. Interessant sind die Pixel-Modelle in jedem Fall: Die Vorgänger gehören dank der tollen Kamera zu den Topsmartphones auf dem Markt. Zudem reizt Google auf den eigenen Smartphones die Möglichkeiten seines aktuellen Android-Systems stets am weitesten aus.

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Seltsame Digitalwelt: Ich wollte KEINEN Newsletter!
Eine Anekdote von Markus Böhm

In meinem Postfach landen regelmäßig E-Mails von Lieferdiensten, obwohl ich nur zwei oder drei Mal im Jahr online Pizza bestelle. Für all die Aktionsmails von "Sabrina von Lieferheld" hatte ich mich doch niemals freiwillig angemeldet, oder? Bei der nächsten Lieferheld-Bestellung orderte ich per VPN, mit neuer E-Mail-Adresse und anderem Namen via "Ohne Anmeldung bestellen" - und ganz sicher ohne Zustimmungshaken beim Newsletter.

SPIEGEL ONLINE

Mein Essen kam, und nicht nur das: Binnen zweier Wochen bekam ich über die neue E-Mail-Adresse drei Lieferheld-Newsletter. Auf Nachfrage erklärt mir Lieferfeld, dass einfach jeder Besteller den Newsletter erhält - unabhängig vom Haken. Tatsächlich ist dieses Vorgehen legal, erst bei Widerspruch hat man Ruhe. Mein Vorschlag für eine neue Beschriftung des Häkchen-Felds: "Ja, ich bin so verzweifelt hungrig, dass mir egal ist, ob Lieferheld meinen Willen ernst nimmt."

Ist Ihnen etwas Ähnliches passiert? Geben Sie uns gern einen Hinweis via netzwelt@spiegel.de, mit dem Betreff "Unfreiwillig bestellt".


App der Woche: "PAC-MAN: Ralph breaks the Maze"
getestet von Tobias Kirchner

Bandai Namco

Der Disney-Charakter Randale-Ralph stolpert in seinen Film-Abenteuern in bekannte Videospielwelten und richtet Chaos an. In diesem Spiel ist das nicht anders. Zu den bekannten Geisterfressern von Pac-Man kommen neue Figuren: Auch Elsa aus "Frozen" hat einen Gastauftritt. Wer Pac-Man mag und die Disney-Charaktere kennt, bekommt eine interessante Neuinterpretation des Spiels.

Kostenlose Demoversion, Vollversion für 6,49 Euro, von Bandai Namco: iOS, Android


Fremdlinks: Drei Tipps aus anderen Medien

  • "Brett Kavanaugh and the information terrorists trying to reshape America"
    Die Onlinenetzwerke aus dem "Gamergate"-Umfeld machten auch die "Alt Right"-Bewegung und Donald Trump stark - nun stellten sie sich hinter den umstrittenen, am Samstag an den Obersten Gerichtshof der USA berufenen Brett Kavanaugh, beschreibt "Wired".
  • "Es gibt keine Intros mehr"
    Spotify wird zehn Jahre alt - und hat nicht nur die Musikbranche, sondern auch die Popmusik an sich verändert, beschreibt dieses "SZ.de"-Interview.
  • "Doctor Who's season 11 premiere"
    Ich fand zuletzt Matt Smith als Doctor gar nicht schlecht, bin aber schon gespannt, wie die Folgen mit Jodie Whittaker werden. Es gibt Grund zur Vorfreude, legt dieser Text auf "Vox.com" nahe.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche,

Angela Gruber

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insgesamt 7 Beiträge
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Tornado 08.10.2018
1. #Mimimitoo
Langsam fühle ich mich auch vergewaltigt - und zwar von dieser Dauer-Kampagne. Wem Unrecht geschieht, der soll sich an die Polizei wenden und nicht einfach irgendwo (womöglich im Internet) und irgendwas (womöglich 20 Jahre verjährtes) behaupten. Wir leben in einem Rechtsstaat - der richtige Weg ist die Polizei aufzusuchen und den Täter anzuzeigen - idealerweise direkt nach einem Angriff. Alles andere ist dem Pranger gleichzusetzen und verliert jede Rechtsstaatlichkeit. Mit metoo wurde es erst möglich, dass Trump diesen unsäglichen Richter Cavenaught erfolgreich durchbrachte, weil metoo die Glaubwürdigkeit von weiblichen Opfern beschädigt. Ich persönlich glaube Ford und finde Cavenaugh oder eben auch Weinstein eher wenig überzeugend. Aber es gibt auch so viele extrem unglaubwürdige Damen die ganz offensichtlich nur Geld aus irgendeinem Star herauspressen wollen...das schadet den Opfern und hilft den Tätern davon zu kommen. Liebe Frauen - jeder anständige Mann ist auf Eurer Seite und würde Euch helfen, wenn er einen Täter dabei erwischt Euch zu bedrängen - aber Ihr müsst schon auch den Mut haben nach einem Angriff direkt zur Polizei zu gehen. Es gibt nur diesen (legalen) Weg.
Anandamid 08.10.2018
2. Naja, es war an der Zeit
...ein paar von den Vögeln mal ein bisschen auf den Schlips zu treten. Ich finde, das schadet nicht. Vielleicht tritt sogar ein gewisser Erziehungseffekt ein. Solange man sich auf die sehr eindeutigen Fälle beschränkt.
none.of.my.business 08.10.2018
3. danke für den Artikel
ich find das gut, das Spon zu den Thema So ausführlich und differenziert berichtet. Davon sollten sich andre Magazine eine Scheibe abschneiden. Die einseitige Berichterstattung einiger sog. Qualitätsmedien ist erschreckend. Da lob ich mir die breite Berichterstattung von Spon weiter so!
bartnelke 08.10.2018
4. @tornado mimimi
als ich vor 40 Jahren "mimimi" meiner Mutter von Busengrapschern erzählte, antwortete sie schulterzuckend das sei hinzunehmendes Frauenleid. Die metoo Debatte spendet nun doch Trost, obwohl mich Ihre Überheblichkeit doch wieder wütend macht. Wenn Sie gegen Gleichberechtigung sind einfach mal die Klappe halten.
scpt 08.10.2018
5. die feministischen Hashtag-Kampagnen sind ein Dauerbetrieb geworden
"Sie bieten einen neuen Rahmen, um über Dinge zu sprechen, die auch schon vorher da waren, aber kaum benannt oder thematisiert werden konnten." Wie kann man denn sowas ernsthaft glauben? Seit 2013, als die Aufschrei-Kampagne monatelang durch die Feuilletons und Talkshows lief, gab es Dutzende weitere feministische Twitter-Kampagnen, NeinHeisstNein, TeamGinaLisa, ausnahmslos usw.usw. (googlen: https://www.google.com/search?q=feministische+Twitter-Kampagnen) Sexuelle Übergriffe werden seit Jahren permanent thematisiert, 2016 gabe es eine radikale Verschärfung des Strafrechts. Gab es überhaupt irgendwann mal eine Pause, wo der Opferstatus von Frauen nicht beschworen wurde? Bei mir kommen diese endlosen Kampagnen nur noch als Dauer-Imagekampagne gegen Männer an, bis auch der bzw. die letzte begriffen hat, wie potentiell gefährlich wirklich jeder einzelne Mann ist.
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