SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

07. Mai 2009, 17:39 Uhr

Microblog verspricht Suchmaschine

Twitter will Google ärgern

Von wegen verkaufen: Statt sich den Dickschiffen des Internets zur Übernahme anzubieten, steuert Twitter auf Gegenkurs. Mit einem eigenen Suchmaschinchen will das Unternehmen einen kleinen Teil des Webs in Echtzeit durchforsten - irgendwann.

Am Mittwoch wurde noch über einen Verkauf an Apple spekuliert, einen Tag später geht Twitter bereits mit Volldampf auf Gegenkurs. Man arbeite an etlichen Verbesserungen der hauseigenen Suchmaschine Twitter Search, erzählte Twitter-Vizepräsident Santosh Jayaram dem CNet-Reporter Rafe Needleman. Die wichtigste Neuheit: Twitter will künftig nicht nur Twitter-Nachrichten durchsuchen, sondern auch das Web - in Echtzeit.

Twitter-Gründer: Bald Konkurrenz für Google?
AP

Twitter-Gründer: Bald Konkurrenz für Google?

Eine Einschränkung wird es dabei allerdings geben: Twitter Search wird nicht, wie etwa Googles Suchroboter, versuchen, das gesamte Web zu durchstöbern. Stattdessen durchforstet die neue Suchmaschine die von den Twitter-Nutzern in ihren Kurznachrichten eingegebenen Links.

Einen so opulenten und vollständigen Index wie der Suchmaschinen-Riese wird Twitter damit natürlich nicht erstellen können. Dafür wird Twitter Search schneller auf aktuelle Themen und Trends reagieren und schneller aktuelle Veränderungen im Web aufspüren können als Google. Zudem soll Twitters neue Web-Suche Web-Adressen in ihren Suchergebnissen danach priorisieren, wie häufig die entsprechenden URLs von Nutzern in ihren Tweets genannt wurden.

Darüber hinaus werde Twitter Search bei seinen Suchergebnissen künftig die Reputation der Verfasser berücksichtigen, seine Suchergebnisse also gewichten. Tweets von Nutzern, die als besonders zuverlässig eingestuft werden, landen demnach in der Ergebnisliste weiter oben als solche, von weniger gut bekannten Anwendern.

Experten vermuten nun, die Einführung der Echtzeit-Web-Suche könnte Twitters erster Schritt auf dem Weg zu einem Erlösmodell sein. Bislang besteht das größte Problem des enorm schnell wachsenden Dienstes - mittlerweile zählt Twitter 25 Millionen Mitglieder - darin Geld zu erwirtschaften. Eine Web-Suche jedoch könnte genutzt werden, um neben den Suchergebnissen Werbung zu plazieren. Wie erfolgreich dieses Prinzip sein kann, hat Google vorgemacht.

Wann Twitter damit loslegen will, mochte Jayaram aber noch nicht verraten. "Bald" werde es soweit sein, was auch immer das in Twitter-Zeit heißen mag. Bis dahin sind alle angeblichen Verbesserungen Theorie - und Twitter-PR.

mak

URL:

Mehr auf SPIEGEL ONLINE:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH