Microsoft-Campus Schnell den iPod verstecken!

Das Microsoft-Management ist pikiert: Tausende Mitarbeiter in der Redmonder Konzernzentrale sind begeisterte Fans des Ipods aus dem Haus des Erzrivalen Apple. Um nicht aufzufallen, wechseln die Fremd-Lauscher die weißen Ohrstöpsel aus.


iPod-Werbung: "Wir haben großartige Alternativen"
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iPod-Werbung: "Wir haben großartige Alternativen"

Was steckt in den Köpfen der 25.000 Microsoft-Mitarbeiter in der Redmonder Firmenzentrale? Wahrscheinlich Windows, Word, Excel oder Exchange. Und was steckt in ihren Ohren? Sehr häufig, viel zu häufig offenbar, kleine, weiße Stöpsel des MP3-Players iPod. Die edlen, weißen Apple-Geräte sind unter den Microsoft-Mitarbeitern beliebter, als es den Chefs lieb ist, berichtet der amerikanische Journalist Leander Kahney im Online-Magazin "Wired".

Zur Tarnung tauschen immer mehr Mitarbeiter die weißen Kopfhörer gegen andere aus, damit nicht so schnell auffällt, dass sie lieber zum iPod als zu einem Player greifen, der das Musikformat WMA aus dem Hause Microsoft unterstützt.

Kahney zitiert einen "Top-Manager" des Konzerns: "80 Prozent der Microsoft-Angestellten, die einen portablen Player haben, besitzen einen iPod." Der lieber anonym bleibende Mann schätzt, dass 80 Prozent aller 25.000 in Redmond Beschäftigten einen MP3-Player haben. Dies würde bedeuten, dass bei 16.000 und damit mindestens bei jedem zweiten der Kultplayer von Apple in der Tasche steckt.

Der Autor des Artikels, Leander Kahney, gilt in Mac-Dingen als nicht ganz unbefangen. Von ihm stammt das Buch "The Cult of Mac". Auf dem Portal "Wired" betreibt er eine gleichnamige Blog-Site, auf der sich Absurditäten und Abstrusitäten rund um die Geräte mit dem Apfel drauf sammeln.

Bill Gates mit iPod: Fotomontage auf Blogger-Site "The Cult of Mac"

Bill Gates mit iPod: Fotomontage auf Blogger-Site "The Cult of Mac"

Wenn die Angaben stimmen, dann dürften die Microsoft-Manager reichlich pikiert sein. Schließlich gibt es mittlerweile Dutzende Player, die das Microsoft-eigene Musikformat WMA unterstützen, das auch viele Musikshops im Web nutzen, unter anderem MSN Music, Napster, Musicmatch und das Telekomangebot Musicload.de.

Wegen anfänglicher Probleme mit dem integrierten Kopierschutz vergibt Microsoft inzwischen das Label "Plays For Sure" (Spielt auf jeden Fall), um Käufern der Player Sicherheit zu garantieren, dass im Netz gekaufte Songs auch tatsächlich laufen. Microsoft baut selbst keine MP3-Player, sondern kümmert sich nur um das Audioformat WMA, das DRM-System für den Kopierschutz und die zugehörige Software.

Warum aber greifen Microsoft-Mitarbeiter zum Apple-Player? Weil die WMA-Player noch nicht so recht funktionieren würden, berichtet der Informant. Nicht nur er, auch andere Top-Manager hätten diese Erfahrung gemacht.

Angeblich soll gar einer der Bosse der Windows Digital Media Center Edition, in der das WMA-Format entwickelt wurde, seinen Kollegen per Mail ins Gewissen geredet haben. "Ich hoffe, dass Microsoft-Mitarbeiter keine iPods kaufen. Wir haben großartige Alternativen."

MP3-Player Creative Zen Touch: Akku hält viel länger durch als beim iPod

MP3-Player Creative Zen Touch: Akku hält viel länger durch als beim iPod

Ob die Alternativen tatsächlich alle so großartig sind, sei dahingestellt. Fest steht: Es gibt mittlerweile einige sehr gute MP3-Player mit Festplatte, die dem iPod durchaus ebenbürtig sind. Wenn es um die Funktionen geht, lassen viele den iPod sogar klar hinter sich: Sie taugen ohne Zusatzhardware auch als mobiler Zwischenspeicher für Fotos und verfügen über eine Aufnahmefunktion. Beim iPod gibt's derartiges nur als teure Extras.

Und selbst in Bedienung und Klang hat die Konkurrenz aufgeholt. Im Test des Audiomagazins "stereoplay" schnitten die Player iRiver H320, Creative Zen Touch und Archos Gmini 400 besser ab. Sie punkteten vor allem mit besserem Kopfhörer-Klang, längerer Akkulaufzeit und Funktionen wie einer aussteuerbaren Direktaufnahme.

Fremdgehende Microsoft-Beschäftigte haben seit gestern einen weiteren Grund, es auch mal mit einem WMA-Player zu versuchen. Napster wird in den USA eine Musikflatrate zum monatlichen Preis von 15 Dollar starten. Abonnenten können sich dann so viele Titel herunterladen und auf ihren Player überspielen, wie sie wollen. Wenn sie ihr Abo kündigen, erlischt auch die Abspielberechtigung. Möglich macht dies das DRM-System von Microsoft für WMA-Musikdateien. Für Apples iPod exisitiert ein derartiges Angebot nicht - Käufer müssen jeden Song einzeln kaufen, dürfen diesen dann aber auch hören, so oft und so lange sie wollen.



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