Hamburg - Sie hätten auf Aktionen der Strafverfolgungsbehörden warten können, doch das dauerte Microsoft offenbar zu lange. Deshalb hat der Softwarekonzern einen Gerichtsbeschluss besorgt, um zivilrechtlich gegen ein sogenanntes Botnet vorzugehen. Am Freitag schlugen Angestellte des Unternehmens dann zu: Gemeinsam mit US-Marshals durchsuchten sie zwei nicht näher bezeichnete Bürogebäude in den Bundesstaaten Pennsylvania und Illinois. Auf richterlichen Beschluss wurde Beweismaterial sichergestellt.
Das Durchsuchungsteam legte eine Reihe von Webservern still. Kriminelle sollen diese Server genutzt haben, um Computer zu infizieren und persönliche Daten zu stehlen. Umgangssprachlich werden solche infizierten und ferngesteuerten Computer "Zombie-Rechner" genannt. Gleichzeitig übernahm Microsoft die Kontrolle über Hunderte von Web-Adressen, die zur Durchführung der Betrugspläne genutzt worden sein sollen. Wie die "New York Times" berichtet, ist die Aktion Teil eines gerichtlichen Verfahrens, in dem das Unternehmen aktiv gegen kriminelle Handlungen vorgeht. Dazu gehört auch, Kontrolle über die Ausrüstung zu erlangen, mit der sogenannte Bot-Hirten die Botnets aus gekaperten Rechner für ihre ungesetzlichen Ziele steuern.
Die Razzia richtete sich gegen eines der bisher komplexesten Ziele, das als Zeus-Botnet bekannt geworden war. Dessen Betreiber verkauften ihre Dienste, indem sie den Code je nach Kundenwünschen und Ausmaß des verlangten Supports zu einem Preis zwischen 700 und 15.000 Dollar offerieren. Microsofts Rechtsabteilung vermutet die Hintermänner von Zeus in Osteuropa. Dass Microsoft massiv gegen Computerkriminalität vorgeht und damit originär behördliche Aufgaben verfolgt, sei eine Idee von Richard Boscovitch gewesen, einem der Chefanwälte des Konzerns. Der war zuvor als Staatsanwalt selbst auf die Jagd nach Computerkriminellen gegangen. Boscovitch entwickelte die Strategie, auf zivilrechtlichem Weg gegen die Betreiber von Botnets vorzugehen.
Die Aktion ist nicht die erste ihrer Art. Bereits vor gut zwei Jahren, im Februar 2010, gelang es Microsoft-Experten, mit dem Waldedac-Netz einen der größten Verbünde gekaperter Rechner abzuschalten. Nachdem Microsoft eine einstweilige Verfügung erwirkt hatte, konnten Vertreter des Unternehmens - ausgestattet mit den erforderlichen Berechtigungen - dem Versand von Milliarden von Spam-Mails ein Ende machen.
Eine weitere Spam-Quelle war das Kelihos-Botnet. Mit Hilfe von circa 45.000 infizierten Zombie-Rechnern wurden tagtäglich an die vier Milliarden Spam-Mails versandt. Im September 2011 wurde auch bei Kehilos in Zusammenarbeit mit einem Gericht der Stecker gezogen, die Verantwortlichen konnten identifiziert werden. Microsoft veröffentlichte daraufhin die Klarnamen der Tatverdächtigen, schon damals mit einer klaren Botschaft: Auch im Internet können Täter zur Verantwortung gezogen werden, Online-Kriminalität wird riskanter und teurer.
meu
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