Microsofts Versuch, mit eigenen Geräten am boomenden Smartphone-Markt teilzuhaben, war ein Fiasko. Im April 2010 wurden Kin One und Kin Two mit großem Tamtam vorgestellt. Ihre primäre Bestimmung war nicht das Telefonieren, vielmehr sollten die Handys den Zugang zu sozialen Netzwerken vereinfachen. Folgerichtig richtete sich der Fokus auf die netzaffine Jugend als Zielgruppe. Doch nur wenige Monate nach der Einführung in den USA zogen der Windows-Konzern den Stecker. Zu der für den Herbst 2010 geplanten Einführung in Europa kam es nicht mehr.
Nun sind Videos aufgetaucht, die zeigen, wie fehleranfällig Microsofts Smartphones noch kurz vor Verkaufsbeginn waren. Die Clips wurden dem Technologie-Magazin "Wired" von einer einst am Kin-Projekt beteiligten Person zugespielt. In einem davon kann man einem Tester - oder besser dessen Händen - beim Ausprobieren diverser Funktionen zusehen und hört dabei auch seine Bemerkungen. Eine lautet: "Das ist frustrierend, ich glaube, meine Tochter würde das sehr schnell zurückgeben."
Problembeladen waren auch Versuche, eine Telefonnummer zu wählen. Antippen wurde als Wischbewegung interpretiert, Wischbewegungen hingegen ignorierten die Geräte häufig. Auch die geringe Reaktionsgeschwindigkeit brachte manche Tester zur Verzweiflung. Die Kamera-App erwies sich in den Tests als dermaßen behäbig, dass sie nutzlos für "irgendetwas Spontanes" war.
Für "The Register" ist die Entscheidung Microsofts, das Kin trotz dieser noch kurz vor Toresschluss aufgetretenen massiven Mängel in den Verkauf zu geben, "umso bemerkenswerter". Doch sei es nicht die miese Performance gewesen, die zum Misserfolg des Kin geführt habe. Vielmehr habe die Monatsgebühr von 70 Dollar, für die Nutzung von Cloud-Diensten, viel potentielle Käufer vergrault.
"Ars Technica" kommentiert die Videoclips mit einem nüchternen Fazit. In den Monaten, die der Markteinführung und dem baldigen Ende des Kin folgten, hätten viele nach den Ursachen für das Desaster gefragt. Wechselweise sei seinerzeit schlechtes Marketing oder die verfehlte Preispolitik als Grund angeführt worden. Doch selbst für den Fall, dass all diese Voraussetzungen positiv gewesen wären, "gibt es keinen Ersatz für ein Produkt, das wirklich funktioniert".
meu
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