Streit um Online-Abos: Microsoft verlangt App-Rabatt von Apple

Von und Richard Meusers

Ein Streit zwischen Apple und Microsoft eskaliert. Der Software-Konzern ist nicht mit Apples Umsatzbeteiligung von 30 Prozent einverstanden, ein Update für eine Microsoft-App steht bislang aus. Womöglich steht sogar die Zukunft eines Office für iOS auf der Kippe.

Microsoft-Chef Steve Ballmer: Möchte angeblich weniger Abgaben an Apple zahlen Zur Großansicht
AFP

Microsoft-Chef Steve Ballmer: Möchte angeblich weniger Abgaben an Apple zahlen

Seit Monaten kursieren Gerüchte über Microsofts Office-App für iOS. Die Software sei nahezu fertig gestellt, werde Anfang 2013 veröffentlicht, lauteten wiederkehrende Berichte in US-Medien. Doch jetzt scheint es unklar, ob die App überhaupt jemals veröffentlicht wird. Grund ist ein Streit über Apples Beteiligung an Verkäufen innerhalb von iOS-Apps.

Derselbe Streit hat schon die Weiterentwicklung der Skydrive-App für iOS gebremst. Ein Update der Microsoft-App sei fertig, könnte längst verteilt werden, berichtete am 11. Dezember "The Next Web". Angeblich blockiert Apple die Aktualisierung.

Denn gegen Aufpreis bietet Microsoft zusätzlichen Speicherplatz in seinem Cloud-Dienst Skydrive an. Wird der über ein iOS-Gerät gebucht, muss Microsoft 30 Prozent des Umsatzes an Apple abführen. Diese Regel gilt für alle kostenpflichtigen Angebote im App Store und in Apps. Microsoft weigert sich nun aber, diese Abgabe zu leisten, wenn ein Anwender seinen Skydrive-Account auf ein anderes Gerät, etwa ein Windows-Handy, mitnimmt. So lange die Abrechnung über Apple erfolgt, müsste Microsoft weiter eine Abgabe leisten.

Hinter den Händeln um den Speicher-Service steht womöglich ein noch viel größerer Streit, vermutet "All Things Digital". Unter Berufung auf Insider berichtet die Nachrichtenseite, in Wirklichkeit gehe es um Microsofts Office-App für iOS. Dabei ist auch hier nicht die App selbst das Problem, sondern Microsofts Online-Angebot Office 365.

Denn in der vermutlich kostenlosen Grundversion werden die Office-Apps nur eine Betrachterfunktion haben, berichtete vor wenigen Tagen "The Verge". Um Dokumente auf iPhone oder iPad bearbeiten zu können, ist ein kostenpflichtiges Office-365-Abo nötig - für das wiederum 30 Prozent Apple-Abgabe fällig werden.

Da die Büro-Programme der Office-Serie aber nicht nur einer der größten Umsatzbringer für Microsoft sind, sondern eine iOS-Version auch Apple helfen würde, drängt der Windows-Konzern nun offenbar auf einen Nachlass auf Apples App-Abgabe. Wie unschwer vorherzusagen, habe Apple dieses Ansinnen jedoch verneint und sich auf einen "Regeln sind Regeln"-Standpunkt zurückgezogen, schreibt "All Things Digital".

Apple wollte sich gegenüber der Nachrichtenseite nicht Fragen zu Microsoft beantworten. Ein Konzernsprecher sagte ganz allgemein, die Regeln seien für Entwickler wie Kunden gleichermaßen fair und folgerichtig. Immerhin verlange Apple, das bislang über 6,5 Milliarden Dollar an Entwickler ausgezahlt habe, für Gratis-Apps keine Gebühren. Nur Bezahl-Applikationen seien anteilig kostenpflichtig.

Vor diesem Hintergrund wirkt die Weigerung Apples zur Freischaltung der Skydrive-Aktualisierung noch verzwickter. Denn laut "The Next Web" hat Microsoft angeboten, die Möglichkeit, kostenpflichtige Speichererweiterung aus der App heraus zu buchen, zu entfernen. Apple habe diesen Kompromissvorschlag jedoch zurückgewiesen.

meu/mak

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 24 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Wer zum Teufel ...
westerwäller 12.12.2012
... kommt auf die hanebüchene Idee, Office 365 auf iPad und Co. zu portieren? Alle diese Geräte sind zum Betrachten gedacht, nicht zum Erstellen von Dokumenten ... Eine auch nur minimal ansehnliche Tabellenkalkulation in Numbers zu erstellen, gleicht dem Versuch, mit Boxhandschuhen an beiden Händen sich am Hintern einen Pickel ausdrücken zu wollen ... Auch MS kann die inhärenten Beschränkungen des Tablet-Konzepts nicht aufheben ...
2. Wo ist das Problem?
BadTicket 12.12.2012
Dann kann man SkyDrive-Platz eben nicht in der App, sondern auf der Microsoft-Seite kaufen, so wie man das bei Dropbox z.B. auch machen kann. Aber sowieso, wer will denn den M$-Ranz auf seinen iDingern haben, gibt doch gute Alternativen...
3.
rigouh 12.12.2012
Zitat von BadTicketDann kann man SkyDrive-Platz eben nicht in der App, sondern auf der Microsoft-Seite kaufen, so wie man das bei Dropbox z.B. auch machen kann.
Na steht da doch wo das Problem bei SkyDrive liegt... "Vor diesem Hintergrund wirkt die Weigerung Apples zur Freischaltung der Skydrive-Aktualisierung noch verzwickter. Denn laut "The Next Web" hat Microsoft angeboten, die Möglichkeit, kostenpflichtige Speichererweiterung aus der App heraus zu buchen, zu entfernen. Apple habe diesen Kompromissvorschlag jedoch zurückgewiesen." Apple ist ja schon nen toller Laden... nicht.
4. Kommt selten genug vor,
Tyrion_Lannister 12.12.2012
aber in diesem Fall habe ich vollstes Verständnis für Apple. Warum soll denn ausgerechnet Microsoft eine Extrawurst bekommen? So wie ich das hier verstehe, will MS außerdem über dieses Freemium-Modell die Abgabepflicht im Appstore komplett aushebeln (Grundapp über Appstore gratis, Zusatzfunktionen dann kostenpflichtig über MS). So ein billiger Taschenspielertrick, das würde ich mir an Apples Stelle auch nicht bieten lassen.
5. Touch-Society
yast2000 12.12.2012
Hoffentlich ist dieser idiotische Tablet-Hype bald vorüber: Tamagotchi for Beginners.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Web
RSS
alles zum Thema Apple
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 24 Kommentare
  • Zur Startseite
Zum Autor
  • Richard Meusers schreibt als Autor für SPIEGEL ONLINE über die Digitalisierung.

Netzwelt auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel.


E-Book-Tipp
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher
    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    Kindle Edition: 1,99 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon bestellen.