Microsoft-Ankündigung "Windows 10 ist die letzte Windows-Version"

Mit einer missverständlichen Äußerung hat sich Microsoft-Manager Jerry Nixon in die Überschriften der Tech-Nachrichten gespielt. Aber was wollte der Mann in Wirklichkeit sagen? Genau das, was er sagte.

Windows 10: Einheitliche Software für Smartphones, Tablets und PC
DPA

Windows 10: Einheitliche Software für Smartphones, Tablets und PC


Diese Formulierung wird Microsofts Technik-Evangelist Jerry Nixon noch ein wenig begleiten: "Erst mal veröffentlichen wir Windows 10", sagte der Technik-Evangelist auf Microsofts Ignite-Konferenz. "Und weil Windows 10 die letzte Windows-Version ist, arbeiten wir immer noch an Windows 10."

Nicht nur, dass dieser Satz tautologisch- zirkelschlüssig taumelt: Er lässt sich auch prächtig missverstehen. Microsoft stellt Windows ein; nach Windows 10 wird es kein Windows mehr geben. Aber davon kann überhaupt nicht die Rede sein. Vielmehr will Microsoft die Weiterentwicklung seines Betriebssystems künftig beschleunigen.

Was Nixon mit seiner Aussagen eigentlich meinte ist, dass es nach dem Windows 10, dass in diesem Sommer veröffentlicht werden soll, ein weiteres Windows 10 geben wird. Und danach noch eins und noch eins und so weiter.

Denn mit der kommenden Windows-Version soll der Rhythmus enden, in dem der Konzern neuen Betriebssystemversionen neue Bezeichnungen (Windows XP, Windows Vista) oder Versionsnummern (Windows 7, Windows 8) gegeben hat.

So sieht Windows 10 aus

Bereits mit der Version 10049 wurde der neue Webbrowser Spartan eingeführt. Mit dem Update vom 23. April bekommt er Detailverbesserungen und Fehlerkorrekturen.

Neue Vorabversionen von Windows 10 kann man in den Systemeinstellungen, unter Update und Wiederherstellung herunterladen. Ende April stehen dort neben der Vorabversion 10061 diverse Sicherheits-Updates bereit.

Das neue Startmenü: In ähnlicher Form wie hier in der zweiten Windows-10-Vorabversion gab es das auch schon in der ersten Preview-Version. Im Grunde ist es eine Mischung aus altem Startmenü und der Kacheloptik von Windows 8.

Darf es auch ein bisschen mehr sein? Neu ist, dass man das Startmenü per Mausklick jetzt bildschirmfüllend vergrößern kann. Das ähnelt sehr dem Erscheinungsbild von Windows 8 und ist vor allem auf Tablets nützlich. Vom Desktop aus lässt sich die vollflächige Darstellung auch über die Windows-Taste aktivieren.

Settings: In erster Linie heben sich die Systemeinstellungen von Windows 10 optisch durch eine feinere Grafik von denselben Funktionen in Vorversionen ab.

Wo soll es hin? Nutzer von Windows-Smartphones kennen diese Funktion bereits: Per Storage Sense kann man Dateien je nach Dateityp an unterschiedlichen Orten speichern lassen.

Alles auf Anfang! Oder lieber doch nicht? Windows 10 bietet verschiedene Möglichkeiten, das Betriebssystem aufzufrischen oder zu einer vorherigen Version zurückzukehren, ohne dass dabei Daten verloren gehen.

Mehr Privatsphäre: In den Privatsphäre-Einstellungen lässt sich sehr kleinteilig festlegen, welche Apps beispielsweise Mikrofon und Webcam nutzen dürfen und welche die Standortinformationen.

Individualisierung: Für viele Anwendungen lässt sich einstellen, welche App das System als Standard verwenden soll. Ist keine alternative App vorhanden, kann man sich passende Apps im Windows Store anzeigen lassen.

Windows-Explorer: Eine etwas aufgefrischte Optik sorgt für ein moderneres Erscheinungsbild. Zwischen unterschiedlichen Darstellungsgrößen kann man mit der Tastenkombination STRG-SHIFT-Zahl umschalten.

Mittendrin: Microsofts Online-Speicher OneDrive ist in Windows 10 so tief integriert, dass er sich fast wie eine lokale Festplatte nutzen lässt.

Benachrichtigungszentrum: Das sogenannte Notification Center informiert über aktuelle Systemmeldungen, neue Nachrichten und anstehende Termine. Auch Drittanbieter-Apps können diesen Platz nutzen.

Neuer Windows Store: Parallel zu Microsofts etablierten Onlineshop wird in der neuen Windows-10-Version die Betaversion einer überarbeiteten Variante angeboten.

Spielkram: Beim ersten Aufruf der neuen Xbox-App wird man unmissverständlich darauf hingewiesen, dass diese Software noch nicht fertig ist. Updates sollen aber regelmäßig eingespielt werden.

Der Beweis: Schon beim kurzen Ausprobieren der Xbox-App zeigt sich, welche großen Lücken darin noch klaffen. Beim Aufruf vieler Funktionen erscheint nur der Hinweis, diese würden "bald kommen".

Gut synchronisiert: Die Photos-App von Windows 10 erinnert an ihr Pendant auf Windows-Smartphones, mit dem die Bildbestände via Cloud abgeglichen werden. Auch hier klaffen noch viele Funktionslücken.

Da geht schon was: Grundlegende Bildbearbeitungsfunktionen lassen sich mit der Photos-App schon ausprobieren.

Wissen, was geht: Die Karten-App von Windows 10 basiert auf Nokias Here-Maps und zeigt deshalb dieselben Kartendaten und Verkehrsinformationen an, die man auch in den Here-Apps für Smartphones zu sehen bekommt.

Schiefes Bild: Auch eine perspektivische Ansicht bietet die Karten-App. Leider scheinen die Kartendaten nicht überall aktuell zu sein. Die hier eingezeichnete Tankstelle beispielsweise gibt es schon seit Jahren nicht mehr.

Ein bisschen spartanisch: Grundsätzlich wird Windows 10 noch mit dem Internet Explorer ausgeliefert. Indem man in dessen Adresszeile about:flags eintippt und dann die "Experimental Web Platform Features" auf "Enabled" stellt, kann man aber immerhin schon die dem künftigen Microsoft-Browser zugrundeliegende Trident-Engine aktivieren - auf eigene Gefahr.

Zum Plappern: In die US-Variante von Windows 10 ist bereits eine Vorabversion der sprachgesteuerten Assistenzfunktion Cortana integriert.

Verkehrte Wahrnehmung: Bei manchen Fragen, die man an Cortana richtet, merkt man eindeutig, dass die Software sich auf einem Smartphone wähnt. Hier haben wir gefragt: "What's up?" Cortana gab es bisher nur auf Windows-Smartphones.

Basiswissen: Grundsätzlich lässt sich Cortana mit fast beliebigen Fragen testen. Nicht immer aber erhält man so konkrete Antworten wie hier auf die Frage, wie viele Liter eine US-Gallone sind.

Weiterführende Antwort: Bei manchen komplexen Fragen verweist Cortana nur auf eine Websuche per Bing. Das System steckt eben noch in der Entwicklungsphase.

Ein wenig Humor: Auch auf die Frage, wer denn wohl Siri - Apples Gegenstück zu Cortana - ist, hat das System eine Antwort. Wenn auch eine nur teilweise ernst gemeinte.

Statt in wenigen großen, soll es mit Windows 10 in vielen kleinen Schritten weitergehen: Das Betriebssystem soll ab Version 10 ständig weiterentwickelt werden, mit regelmäßigen Updates und monatlichen Veröffentlichungen. Neue Versionsnummern oder Namen werden deshalb nicht mehr gebraucht.

Windows soll also quasi ein Stream werden, eine sich ständig an die Nutzer und deren Bedürfnisse anpassende Dienstleistung. "Windows as a Service" heißt das im Branchen-Jargon. Man könnte sagen: Ab Windows 10 schreitet Microsoft nicht mehr voran, sondern fließt in die Zukunft.

In der Welt der App-Stores und Webdienste ist dieser Modus längst üblich: Angebote ändern sich fortlaufend, ständig gibt es neue Funktionen, werden alte abgeschafft, muss man umlernen.

Das Ende von den großen Versionssprüngen ist aber auch eine Notwendigkeit: Microsoft wird Windows 10 für viele unterschiedliche Hardware-Plattformen anbieten, zum Beispiel Smartphones, Tablets, Laptops, Mikrocomputer und Desktop-PC. Einheitliche Versionssprünge würden ein solches Modell nur behindern.

fkn

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 50 Beiträge
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Seite 1
fagballs 11.05.2015
1. Witzig
Genau das hat Apple auch gemacht. Mac OS bis Version 10 (lateinisch X) und auf Basis dieser Version machen sie seit Ewigkeiten rum: 14 Jahre gibt es OS X schon.
pedepablo 11.05.2015
2. das einzig wahre windows
98 se war das erste gute danach war xp super stabil schnell und 7 gerade so brauchbar da es ein ständig bevormundet...
master-of-davinci 11.05.2015
3. Nicht nur nicht witzig
Zitat von fagballsGenau das hat Apple auch gemacht. Mac OS bis Version 10 (lateinisch X) und auf Basis dieser Version machen sie seit Ewigkeiten rum: 14 Jahre gibt es OS X schon.
Sondern auch noch falsch. "OSX" wäre das Pendant zu "Windows", den OSX hat sowohl Versionsnummern als auch noch Bezeichnungen.... 5.1 OS X / Mac OS X 5.1.1 Mac OS X Public Beta (Kodiak) 5.1.2 Mac OS X 10.0 (Cheetah) 5.1.3 Mac OS X 10.1 (Puma) 5.1.4 Mac OS X 10.2 (Jaguar) 5.1.5 Mac OS X 10.3 (Panther) 5.1.6 Mac OS X 10.4 (Tiger) 5.1.7 Mac OS X 10.5 (Leopard) 5.1.8 Mac OS X 10.6 (Snow Leopard) 5.1.9 Mac OS X 10.7 (Lion) 5.1.10 OS X 10.8 (Mountain Lion) 5.1.11 OS X 10.9 (Mavericks) 5.1.12 OS X 10.10 (Yosemite) Ob Microsoft seinen "Versionen" Bezeichnungen geben wird ist nicht kommuniziert. Die Lesart bisher lässt nicht darauf schließen.
ichsaugeuchdiepladdeleer 11.05.2015
4. Nur Win7
Ist das einzig wahre Windows. Keine Nachfolger wird sich auf PCs mehr durchsetzten. Diesen stumpfen altbacken Design der Moderne und diesen App Mist will niemand auf seinem Desktop PC haben. Wann begreifen die das endlich?! Und davon gibt es noch genug.
rudolf_meier 11.05.2015
5. ständige Updates?
Ich frag mich bloss, ob das nicht mühsam ist, wenn ich ständig updaten muss. Keine 2 Tage bleibt noch was stabil. Das mag gut sein für Leute, die Computer für ein Spielzeug halten. Wenn ich das Ding nur für Whatsapp brauche ist das ja ok. Aber ich muss damit arbeiten! Das geht einem super schnell auf den Wecker. Was ist aus dem guten alten Spruch "never touch a running system" geworden? Diese Entwicklung halte ich für sehr negativ.
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