Alt-Betriebssystem: XP läuft immer noch auf jedem dritten Windows-Rechner

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Windows XP-Software: Hartnäckige Treue zu einem veralteten Betriebssystem

Ab April ist Schluss mit Sicherheits-Updates, trotzdem halten die Nutzer hartnäckig an Windows XP fest. Doch nicht nur das demnächst nicht mehr unterstützte Betriebssystem stellt eine Gefährdung dar.

Obwohl Microsoft in knapp einem Monat, am 8. April 2014, für Windows XP endgültig den Support einstellt, läuft das Uralt-Betriebssystem immer noch auf beinahe jedem dritten internetfähigen Desktop-Rechner. Im Februar 2014 maß das Marktforschungsunternehmen Netmarketshare durch die Auswertung der Besucherdaten von 40.000 Webseiten für XP einen Wert von 29,25 Prozent.

Das ist insofern erstaunlich, als Microsoft erhebliche Anstrengungen unternimmt, um Aktualisierungsmuffel endlich zum Umstieg zu bewegen. Der Konzern verweist darauf, dass ein zwölf Jahre altes System heutigen Sicherheitsanforderungen in keiner Weise mehr genügen könne. Ab dem kommenden Dienstag will Microsoft jeden XP-Nutzer durch eine Pop-up-Benachrichtigung über das nahende Ende informieren und auf eine spezielle Infoseite leiten.

Doch allem Anschein nach ist die Lust zur Aktualisierung unter der Nutzerschaft nur mäßig ausgeprägt. Auffällig: Derzeit tut sich im Bereich der Marktanteile generell so gut wie nichts. Nach wie vor beherrscht Microsoft den Betriebssystemmarkt für Desktop-Rechner, auf neun von zehn Rechnern läuft Windows. Fast jeder zweite Nutzer arbeitet dabei mit Windows 7 (47,31 Prozent), wohingegen Windows 8 auf der Stelle tritt. Nur 10,68 Prozent der Desktop-Nutzer setzen auf das aktuelle Windows, das im Februar im Vergleich zum Vormonat gerade um einen Prozentpunkt zulegen konnte.

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Doch nicht einmal das beliebte Windows 7 konnte im letzten Monat einen Zuwachs verzeichnen, sein Marktanteil fiel sogar geringfügig um 0,18 Prozent. Damit, so die Einschätzung von "Ars Technica", sei Microsoft gescheitert, XP-Nutzern Sinn und Nutzen eines Umstiegs zu vermitteln. Das wird durch eine weitere Zahl noch klarer. Vor einem Jahr, im März 2013, lief XP auf knapp 38,73 Prozent der erfassten Rechner. Nur ungefähr jeder vierte XP-Nutzer hat also im letzten Jahr sein Betriebssystem aktualisiert.

Die Lage wird durch einen weiteren Umstand noch erschwert: Ähnlich der hartnäckigen Treue zu einem veralteten Betriebssystem hängen viele Nutzer an überholten Browser-Versionen. Wie die Netmarketshare-Zahlen zeigen, liegt der Anteil des Internet Explorers 6-8 bei 28,25 Prozent.

Das bedeutet, eine große Anzahl von Computernutzern ist nicht nur mit einem bald ungeschützten Betriebssystem, sondern auch einer ebenso angreifbaren Browser-Version im Netz unterwegs.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Artikels stand, dass nicht einmal zehn Prozent der XP-Nutzer im letzten Jahr ihr Betriebssystem aktualisiert hätten. Tatsächlich sind es knapp 25 Prozent. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

meu

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insgesamt 121 Beiträge
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1. Alles Quatsch ...
Thorkh@n 05.03.2014
Wer ein bis zum Anschlag gepatchtes XP in Zukunft mit SteadyState betreibt und einen anderen jeweils aktuellen Browser (mit Sicherheits Add-Ons wie noscript/NotScripts) als den IE verwendet, ist auch in Zukunft mit XP sicher. Dazu kein Sun-Java und keinen Adobe-Reader als bevorzugte Angriffsvektoren und alles ist gut.
2. Warum erneuern?
thedoctor46 05.03.2014
Wenn mir nicht quasi zeitgleich zwei mit XP wunderbar funktionierende Rechner "verstorben" wären, würde ich heute noch mit XP arbeiten. So aber habe ich für kleines Geld bei einem "So muß Technik..."-Grossisten einen Rechner erworben, der für's Internet taugt, zu mehr aber auch nicht, auf dem läuft Win 8. Keine Probleme. Der andere wurde selbst zusammengebaut, mit einem schnellen Gaming-Mainboard ausgestattet, einer schnellen Grafikkarte und Win 7. Die vormals für XP erworbenen Add-Ons ließen sich zwar nur mit einigem Aufwand "überreden", auf Win 7 zu laufen, aber auch das hat geklappt.
3. Windows 7 ist schön und gut, aber ...
AntiGravEinheit 05.03.2014
... leider laufen einige meiner Lieblingsspiele nicht auf Windows 7x64. In einer VM laufen sie auch nicht, egal ob XP oder Win7x32. Eines läßt sich noch nichtmal in der VM installieren ... Also bleibt der alte Daddelrechner mit XP am laufen, der mit Windows 7 so oder so überfordert wäre. So einfach ist der Grund für mich, den einen Rechner mit XP weiterlaufen zu lassen. Wenn das Ding wegen Virenbefall die Grätsche macht, ja gut, dann wird er halt neu aufgesetzt. Sind ohnehin nur Spiele drauf.
4. ...
sponnerd 05.03.2014
Zitat von sysopAb April ist Schluss mit Sicherheits-Updates, trotzdem halten die Nutzer hartnäckig an Windows XP fest. Doch nicht nur das demnächst nicht mehr unterstützte Betriebssystem stellt eine Gefährdung dar. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/microsoft-windows-xp-viele-rechner-haben-ein-altes-betriebssystem-a-957004.html
Nicht eingegangen wird hier auf die Unterscheidung zwischen privater und beruflicher Nutzung des Betriebssystems. Aus eigener, leidvoller Erfahrung kann ich sagen, dass insbesondere viele Unternehmen den Umstieg scheuen und wirklich bis zur allerletzten Sekunde warten. Beim Betriebssystem ist dies sicherlich primär von den Kosten eines Upgrades getrieben, aber selbst bei der Benutzung des Browsers gibt es Schwierigkeiten für einen Upgrade. So bin ich beruflich gezwungen immer noch mit Internet Explorer 8 zu arbeiten und selbst den bekam ich erst letztes Jahr als endlich von XP auf Windows 7 umgestellt wurde. Privat fasse in den Internet Explorer nicht mal mit der Kneifzange an und arbeite mit Windows 7 obwohl ich Windows 8 schon in der Schublade liegen habe. Da warte ich aber mit dem Wechsel bis Update 1 für Windows 8.1 hoffentlich Anfang nächsten Monats erscheint und dann die grössten Kritikpunkte an Windows 8 bzw. 8.1 beseitigt werden.
5. Rechnen nicht die Stärke des Redakteurs
lupe66 05.03.2014
Bei einer Änderung des Marktanteils von 38% auf 28% würde ich sagen das ca 1/3 der Leute das Betriebsystem gewechselt haben und nicht 10% wie angegeben!
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