Milliarden-Deal So reich hat Google die YouTube-Gründer gemacht

Der Verkauf von YouTube an Google war der spektakulärste Internet-Deal seit Jahren - nur eine Frage blieb offen: Wie reich hat er die Gründer Chen und Hurley gemacht? Jetzt ist die Multimillionen-Summe enthüllt.


Börsennotierte Firmen sind recht transparente Unternehmen. Immer wenn sie große Summen bewegen, müssen sie darüber Rechenschaft ablegen - und dabei werden manchmal gut gehütete Geheimnisse enthüllt. So jetzt bei Google und YouTube.

Der Suchmaschinengigant Google hatte im Spätherbst 2006 in einem sensationellen Deal das Videoportal YouTube gekauft. Aktien im Wert von rund 1,65 Milliarden Dollar wechselten den Besitzer. Damals die große Frage: Wer bekam wie viel Geld - und wie reich machte der Deal die jungen YouTube-Gründer?

Jetzt hat Google in einer Erklärung gegenüber der US-Börsenaufsicht SEC ausgewiesen, wie viele Aktien genau an wen geflossen sind. Eine öffentlich einsehbare Information, auf die sich die "New York Times" umgehend gestürzt hat - und damit enthüllt hat, wie viel Karat die vergoldeten Nasen der YouTube-Gründer und Investoren genau haben - salopp gesagt.

YouTube-Gründer Hurley, Chen (bei Präsentation 2006 mit Laptop-Bild): Jetzt weiß man bis auf die letzte Aktie, wie viel sie kassiert haben
AP

YouTube-Gründer Hurley, Chen (bei Präsentation 2006 mit Laptop-Bild): Jetzt weiß man bis auf die letzte Aktie, wie viel sie kassiert haben

  • YouTube-Mitgründer Chad Hurley kassierte 694.087 Google-Aktien - plus noch einmal 41.232 Anteilsscheine, die für ihn in einem Trust hinterlegt wurden. Macht zusammen 345 Millionen Dollar (gemessen am gestrigen Kurs der Aktie). Hurley, der in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag feiert, kommt allerdings wohl kaum dazu, das Geld leichtfertig zu verprassen: Als CEO von YouTube hat er weiter gut zu tun - und bezieht deshalb übrigens immer noch Gehalt von der Firma.

  • Auch kein Armer ist sein Gründungs-Partner Steve Chen, 28, dem 625.366 (plus 68.721 in einem Trust festgelegte) Aktien im Wert von 326 Millionen Dollar überschrieben wurden. Auch er ist immer noch im Unternehmen tätig, als Chief Technology Officer.

  • Auch der oft vergessene, weil vorzeitig ausgestiegene Mitgründer Jawed Karim (geboren 1979 in Merseburg) wurde mit einem Aktienpäckchen bedacht: 137.443 Google-Wertpapiere machen Karim bei einem Gegenwert von 83 Millionen Dollar zu einem ungewöhnlich gut versorgten Studenten. Er hatte YouTube verlassen und sich auf den Wert eines fundierten Universitätsabschlusses besonnen, bevor die Firma erfolgreich wurde.

  • Der größte Gewinner des Deals ist die Investionsfirma, die den YouTube-Gründern beim Start das nötige Kleingeld gab: Sequoia Capital, wahrlich keine unbekannte Größe. Die 1972 gegründete Firma wirkt gern im Hintergrund und ist einer der begehrtesten Kapitalgeber junger aufstrebender IT-Unternehmen in den USA. Zu ihren Erfolgsklienten gehören die Klassiker Apple, Atari, Cisco, Oracle und Electronic Arts und auch die Creme der Web-Industrie. Sequoia verdiente schon am Erfolg von Yahoo und Paypal mit (einst Arbeitgeber der YouTube-Gründer) - und nun an YouTube und Google. Das Engagement bei YouTube brachte Sequoia auf einem kleinen Umweg 941.027 zusätzliche Google-Anteilscheine im astronomischen Wert von 442 Millionen Dollar.

  • Die Sequoia-Chefs ließen sich persönlich noch mal Aktien für 48 Millionen Dollar in einen gemeinsamen Topf einzahlen. Keine schlechte Rendite für ein relativ bescheidenes Investment in einer Gesamthöhe von nur 11,5 Millionen Dollar - so viel ließ Sequoia zwischen November 2005 und April 2006 in YouTubes Kassen fließen.

  • Der Hedge-Fonds Artis Capital Management hat dagegen bei dem YouTube-Deal eine vergleichsweise bescheidene Summe eingestrichen - 83 Millionen Dollar (Gegenwert von 176.621 Google-Aktien). Es war das zweite Investment-Unternehmen, das YouTube unterstützt hatte.

Nutznießer des Deals waren außerdem zahlreiche Einzelpersonen von YouTube-Angestellten bis zu Verwandten der Gründer, gemeinnützige Organisationen bis hin zur Pensionskasse der Duke University. Das vollständige Dokument kann man online einsehen. Die tabellarische Übersicht findet sich im oberen Drittel: Einfach nach "YouTube" suchen - an der zweiten Fundstelle kann jeder im Detail sehen, wer durch den YouTube-Google-Deal wie reich geworden ist.

pat



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